| Anfang | | <<<<< Dreizehnte und Vierzehnte Szene | Siebzehnte Szene >>>>> |
|
Fünfzehnte Szene
Die Räuber und Baumann am Tisch. BAUMANN: Hmm, das Essen war köstlich, Laura, du hättest bei mir zu Hause als Köchin arbeiten können. Du kannst Suppe, Fleisch, Gemüse zubereiten, alles, was man bei uns gern isst. Manieren hast du auch, Reinlichkeit, eine dezente Zurückhaltung, ja ja, dezent kann man das nennen, und höflich kannst du auch sein, das ist vor allem bei Gästen wichtig. Nur in deinem Kampfanzug kannst du natürlich nicht servieren, von der Pistole ganz zu schweigen. Da würden sie uns in Deutschland gleich alle verhaften, 'beim Otto Baumann im Hause ist eine terroristische Zelle' würde es heißen. Wenn da Kaninchenbraten serviert wird, würde das Einsatzkommando denken, das arme Vieh ist vollgestopft mit Plastiksprengstoff, und der Nudeleintopf ist eine Splitterbombe mit Nägeln und Schrauben statt Spirelli. Bei uns zu Hause sind sie da sehr empfindlich geworden. Da reicht es schon, wenn du mit einem vollgepackten Rucksack durch die Stadt läufst, und die Polizei schöpft Verdacht. Was macht der mit einem Jack-Wolfskin-Antarktis-Rucksack mitten in Berlin? Das ist doch sehr verdächtig. CARLOS : Was würde man denn für so'n Mädchen in Deutschland zahlen? BAUMANN : Als Dienstmädchen? CARLOS : Zum Beispiel. LAURA : Willst du mich etwa verhökern, Schakal? Ich bin nicht deine Sklavin. CARLOS : Halt' dich da raus. BAUMANN : Na ja, als Dienstmädchen kommt nicht viel bei rüber. Aber mit so einer kann man auch noch anderweitig Geld machen. LAURA : Als Hure, sagen Sie's nur. Dann brauchen die geilen deutschen Säcke nicht mehr so weit zu reisen, um Minderjährige zu missbrauchen. BAUMANN : Wegen dir kommt niemand hierher gereist. Außerdem bist du schon volljährig. Das macht die Einreise nach Deutschland in gewisser Hinsicht einfacher. Ein ordentlicher Pass, eine harmlose Besuchsadresse, und sie ist erst mal drin. Wenn du interessiert bist, Schakal, könnte ich mal meine Beziehungen spielen lassen. LAURA : Mister Baumann, Sie sind ein Widerling. BAUMANN : No no. Ich denke auch an dich und deine Zukunft; schließlich seid ihr hier ein Entwicklungsland, und werdet es wohl auch bleiben, dafür sorgen wir schon. CARLOS : Lassen wir das. Wie spät ist es? LAURA : Muss zehn durch sein. BAUMANN : Was? Der Chef hat keine Uhr? Ihr verwendet hoffentlich keine Zeitzünder? CARLOS : Ich hatte meine eben noch ... GEORGIE : Meine ist auch weg. LAURA : Ich habe eure Uhren. Zum Saubermachen. GEORGIE : Was macht man denn mit 'ner Uhr sauber? LAURA : Mensch, Bulle, die Uhren hab' ich saubergemacht. Die waren so dreckig, dass man das Zifferblatt nicht mehr sehen konnte. BAUMANN : Also, ich habe hier eine russische Armbanduhr, die ist angeblich extra für Tschetschenienkämpfer konstruiert worden, mit Kompass und Entfernungsmesser und allem, und hier ist sogar eine kleine Anzeige, wo vermerkt wird, wieviel feindliche Rebellen man abgeknallt hat. FU LIN : Das habe ich auf meinem Gewehrgriff eingekerbt. BAUMANN : Das machen die, die nicht bis drei zählen können. Der moderne Terrorist benutzt diese Uhr. Sonderangebot. Nur solange der Vorrat reicht. LAURA : Ihr könnt eure Uhren übrigens wiederhaben, sie sind alle gereinigt. BAUMANN : Verdirbt mir die Grille doch das Geschäft! CARLOS : Halb elf ist es erst? GEORGIE : Bei mir auch. CARLOS : In zehn Minuten letzte Lagebesprechung. Mister Baumann, ich muss Sie auffordern sich zu entfernen. BAUMANN : Geh' ja schon. Trotzdem, das Essen war gut.
Ahmed allein; Baumann kommt. BAUMANN : Ah, unser Zauberlehrling! So ganz in Gedanken versunken. Wohl in Fluchtgedanken, haha. Wie stehen die Sterne, junger Freund? AHMED in Gedanken : Was? BAUMANN zeigt nach oben : Die Sterne, da? Es kommt doch immer viel auf die Konstellation an, denke ich. AHMED aufmerksam : Konstellation? Ja, richtig. BAUMANN : Ich bin ja unter einem außerordentlich günstigen Stern geboren. Zur Stunde meiner Geburt stand Merkur... AHMED : Wie spät ist es, Mister Baumann? BAUMANN : Du hast keine Uhr? AHMED : Ich will nur wissen, wie spät es jetzt ist. BAUMANN : Genau oder in etwa? AHMED : So genau wie möglich. (Baumann gibt ihm die Uhr, Ahmed denkt angestrengt über etwas nach.) BAUMANN : Der ist ja völlig durch den Wind, der Ärmste. AHMED für sich :... Und wenn ich es doch tue? Aber ich habe es dem Meister versprochen. Verdammt, wenn er nur käme. Ich weiß gar nicht, ob ich's zusammenkriege ... BAUMANN : Du kannst sie behalten, ich verspüre heute eine unwiderstehliche Großzügigkeit. AHMED : Was? BAUMANN : Ich schenke dir die Uhr. AHMED : Danke. BAUMANN : Wenn die Batterie leer ist, kommst du zu mir, ich habe das Alleinvertriebsrecht für diese Batterien. Was murmelst du denn da dauernd vor dich hin? AHMED : Aber die steht ja. BAUMANN : Oh, dann ist sicher die Batterie leer. Ich könnte dir einen Fünferpack zum Vorzugspreis ... (Ahmed lässt ihn stehen und geht.) |
| top | | <<<<< Dreizehnte und Vierzehnte Szene | Siebzehnte Szene >>>>> |