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Dreizehnte Szene
Abend im Lager. Ahmed allein. Auf der einen Seite im Hintergrund eine Feuerstelle. Man hört Carlos und die anderen reden; es wird wohl auch dabei getrunken. Auf der anderen Seite Baumanns Fernseher, aus dem ein Fußballspiel übertragen wird. Ahmed unschlüssig. Steht auf, geht ein paar Schritte, horcht auf die Gespräche der Räuber, setzt sich wieder hin, als würde er auf etwas warten.
Tag im Lager. Sonnenschein durch die Baumkronen, Vogelgezwitscher. Ahmed allein. Laura kommt wie zufällig vorbei, als müsste sie was besorgen. AHMED : Hallo. LAURA : Hallo. AHMED : Schönes Wetter heute. LAURA : Hm, finde ich auch. (Sie tut so, als suche sie was in ihren Taschen.) AHMED : Suchst du was? LAURA : Nö. Nicht so wichtig, muss bloß was erledigen. AHMED : Bleib' doch 'n Augenblick. Es ist so langweilig allein. (Laura zögert anscheinend.) LAURA : Okay, aber nicht lange. (Sie setzt sich neben ihn.) AHMED : Soll ich dir was von mir erzählen? Aber nicht, dass ich danach wieder zusammengeschlagen werde. LAURA schüttelt mit den Kopf : Stimmt es, dass dein Alter 'n Zauberkünstler ist und du bei ihm lernst? AHMED : Na ja, was verstehst du unter einem Zauberkünstler? LAURA : Wie die, die in Vegas auftreten bei den Shows in den Spielcasinos. AHMED : Genau, Siegfried und Roy, das sind meine Stiefbrüder. LAURA erstaunt : Ehrlich? AHMED : Quatsch. Mein Meister war nie in Las Vegas. Höchstens dass er jetzt dort ist, um unser Lösegeld zusammenzukriegen. Na, du hast gut Lachen, ihr wollt ja die Kohle haben. LAURA : Kannst du echt zaubern? AHMED : Wenn ich will. LAURA : Das glaub ich nicht, zeig mir was! AHMED : Man zaubert nicht zum Scherz. LAURA protzig, mit gezogener Pistole : Das ist kein Scherz. Ich sage dir: zauber was! AHMED : Das ist ein schlechter Scherz. LAURA steckt das Ding schnell wieder ein : Entschuldige. Manchmal benehme ich mich daneben. Es kommen nicht viele Leute her, die ... AHMED : Die was? LAURA : Die zaubern können. (freundlich) Deshalb bitte ich dich darum. AHMED : Was willst du denn sehen? Einen Funkenregen nach einem Rezept aus der Tabula Smaragdina? LAURA : Was? AHMED : Das ist ein berühmtes Zauberbuch. LAURA : Da kann man Smaragde damit herzaubern? (Sie singt.) Diamonds are the girl's best friends. AHMED ironisch : Hey, bitte, keinen unnötigen Luxus. LAURA : Du hast Recht. Also kannst du machen, dass der alte knorrige Ast dort wieder grüne Blätter hat? AHMED : Ein guter Wunsch, ich versuch's. (Er macht ein paar zauberhafte Gesten. Dazu ertönt eine kurze Mischung aus Geräuschen und Klang. Aus dem Ast sprießen Blätter.) LAURA beeindruckt : Whoau, das ist ja phänomenal. AHMED : Und zur Ehre einer Dame aus dem Publikum auch noch ein paar Blüten dazu. (Es wachsen farbige Blüten.) LAURA : Die sind wunderschön. Das war jetzt echt nur für mich gezaubert? AHMED : Bei jemand anderem hätte es gar nicht geklappt. LAURA überlegt : Kannst du noch was zaubern? AHMED : Du weißt doch, man hat immer drei Wünsche frei. LAURA : Kannst du was an mir selber verzaubern? AHMED : Was soll'n das sein? LAURA : Sieh mich mal an. AHMED schaut ihr ins Gesicht, das sie ihm zuwendet : Ja und. LAURA : Fällt dir nichts auf? AHMED : Nö. Willst du jetzt hören, dass du hübsch bist? LAURA : Rede kein Scheiß. Meine Augen, die sind verschieden. AHMED bedeutsam : Ah ja, ein rechtes und ein linkes, du bist ein anatomisches Phänomen. LAURA : Mann, die eine Pupille ist grün, die andere braun. AHMED : Das gibt es oft. LAURA : Ich finde es blöd, kannst du das anders machen? AHMED : Wie willst du's denn? Beide grün oder beide braun. LAURA : Beide braun. AHMED : Ich brauche irgendwas von dir. LAURA : Wie, was von mir? Meinen Namen oder so? AHMED : Der ist Laura. Nein, was Persönliches, 'n Taschentuch zum Beispiel. LAURA : Hab' ich, hier, ist noch ganz sauber. AHMED : Gut. (Er breitet das Tuch sorgfältig auf seinen Knien aus.) LAURA : Oder doch lieber beide braun, das passt besser zu meinem Wesen. Zu meinem wahren Wesen. Was muss ich jetzt machen? AHMED : Still sein und ruhig sitzen. Ich muss mich erst konzentrieren. LAURA zwischen den Zähnen : Tut das weh? AHMED : Das Konzentrieren? LAURA : Das mit den Augen. AHMED : Ich denke nicht. Hab's aber noch nie gemacht. (Er trifft einige Vorbereitungen.) LAURA : Ich bin jetzt still. AHMED : Gut. LAURA : Ahmed? AHMED schon sehr konzentriert : Hm. LAURA : Kannst du's noch abbrechen? AHMED : Warum? LAURA : Ich hab' mir's anders überlegt. AHMED : Doch beide grün? LAURA : Nee, gar nicht. Ich will sie so lassen, wie sie sind. AHMED bricht seine Zauberei ab und steckt das Taschentuch ein : Finde ich auch besser. LAURA : Das sagst du jetzt bloß, weil's sowieso nicht geklappt hätte. AHMED schaut sie an : Nein ehrlich, ich find's schön so. LAURA wendet sich schnell ab : Pfff. (ernst) Ich muss dir was sagen. Carlos will bis morgen um zwölf warten. Wenn bis dahin dein Meister nicht zurück ist, dann ... AHMED : Was dann? LAURA : Bestimmt kommt er morgen früh. AHMED besorgt : Und wenn nicht? LAURA : Warum zauberst du dich eigentlich nicht einfach frei? AHMED : Das geht nicht so einfach. Außerdem habe ich Meister Melospheros versprochen, nicht zu zaubern. LAURA : Und was war das vorhin? AHMED : So kleine Sachen aus Spaß, das geht schon. LAURA : Ach, das war bloß so'n Joke, um die dumme Laura zu beeindrucken? AHMED : Das ist nicht wahr. Fang nicht wieder an, irgendwelches Zeug zu behaupten. Ich habe das gern gemacht, und damit es dir gefällt. LAURA nach einer Pause, in der beide die Ruhe genießen : Ich muss gehen. Willst du was zu essen? AHMED : Was gibt's denn? LAURA spitz : "Was gibt's denn?" Wir sind hier nicht im Viersternehotel. Es gibt Huhn. AHMED : Lecker. LAURA : Dauert aber noch 'ne Weile. AHMED : Soll ich dir helfen? LAURA : Lieber nicht. AHMED : Wieso, ich kann auch kochen. LAURA : Nicht deswegen. Übrigens, habe ich jetzt noch einen Wunsch frei? AHMED : Natürlich. Du solltest ihn dir gut überlegen. LAURA : Mach' ich. |
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