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Zehnte Szene

Wie zuvor; Ahmed allein; Baumann kommt.

BAUMANN : Was war denn hier los? Hola, warum heulst du? Hast du etwa Heimweh? Das geht vorbei. Wenn ich Heimweh habe, denke ich an meine Frau. "Otto, der Rasen muss gemäht werden. Otto, der Wasserhahn tropft. Otto, es sind nur noch zwanzig Packungen Orangensaft im Keller, holst du frischen. Otto, schau mal, mein neues Kleid, habe ich mir bei Lagerfeld gekauft, hier hast du deine Kreditkarte wieder." Na, nun hör mal wieder auf. Hast dich an dem Mädchen vergriffen?

AHMED : Zum Teufel, gar nichts habe ich getan. Diese Misthunde. Warum kommt Meister Melospheros nicht endlich wieder, ich will raus hier.

BAUMANN : Meister Melospheros? Etwa der Magier?

AHMED : Ach, was wissen Sie denn schon, Sie ... Ingenieur.

BAUMANN : Immerhin, ich habe einen Abschluss. Du bist, wenn ich recht verstehe, noch ein Lehrling.

AHMED beleidigt : Wenn ich wollte, könnte ich Ihr blödes Stromaggregat in einer Sekunde lahmlegen. Ich könnte Sie in ein Känguru verwandeln.

BAUMANN : Ja, wenn du deinen Abschluss hättest. Aber sag' einmal, was kannst du denn jetzt schon so alles?

AHMED : Ich sag' kein Wort mehr, hier kann man keinem trauen.

BAUMANN : Das ist wahr, aber das kann man nirgends. Ich will dir bloß sagen, mach' keine unüberlegten Sachen. Ich meine nicht bloß, mich in ein Känguru verwandeln und so. Wenn du wirklich so was kannst, und du machst es mutwillig, ohne die Folgen recht zu bedenken, kann das ein großes Unheil herbeiführen.

AHMED : Jetzt reden Sie wie mein Meister.

BAUMANN : Siehst du, also solltest du es beherzigen. (Fu Lin taucht auf.) Was machst du hier, Ratte?

FU LIN : Nichts.

BAUMANN : Hast du gelauscht?

FU LIN : Wobei? Ich wollte nur sehen, wie es unserm kleinen Gefangenen geht. (Hebt unsanft Ahmeds Kopf an.) Och, sieht doch gar nicht so schlimm aus. Wenn ich zugeschlagen hätte ...

BAUMANN : Ist gut, wir wissen es noch vom letzten Mal.

FU LIN : Er leider nicht.

(Ahmed spuckt Fu Lin ins Gesicht.)

BAUMANN : He, Junge, lass das. Ich versuche hier Streit zu schlichten, und du benimmst dich ...

FU LIN : ... wie einer, der kaum die nächste Tracht Prügel erwarten kann. Übrigens, von deinem Alten fehlt jedes Zeichen, glaube nicht, dass er zurückkommen wird. Tja, dann heißt es auch für uns, von dir Abschied zu nehmen.

BAUMANN : Lass ihn in Ruhe. Und du hör endlich auf zu flennen, das geht einem ja auf den Sack.





Elfte Szene

Lagebesprechung der Räuber.

CARLOS : Die Aktion startet am Freitag um elfuhrdreißig. Wir arbeiten mit der Gruppe von Omar ben Abbas zusammen, die sprengen zeitgleich das Hilton in die Luft.

GEORGIE : Was ist'n das Hilton?

LAURA : Das größte Hotel am Ort.

CARLOS : Wir machen alles so wie abgesprochen, nur dass sich der Zeitplan geändert hat.

GEORGIE : Können wir nicht dieses Hotel übernehmen, Schakal?

LAURA : Damit du erst mal die Küche plünderst.

GEORGIE : Wenn sowieso alles in die Luft fliegt, ist doch schade drum.

CARLOS : Nichts da.

GEORGIE : Immer machen wir alles bloß kaputt. Nich' mal das Auto können wir behalten, geht auch mit drauf. Der Omar ben Abbas, der hatte letztens bei seinem Anschlag 'nen Eselskarren benutzt. Karre vollbepackt mit Sprengstoff, 'n paar Holzlatten drüber gedeckt, ist der durch jede Straßensperre durchgekommen. Und nachher, als das Ding hochgegangen ist, zweiundzwanzig Tote und 'n fünfstöckiges Haus in Trümmern, aber der Esel hat überlebt, hat nicht mal 'n Brandblase gehabt, nicht mal die Mähne versengt. Heißt das Mähne beim Esel, Laura?

FU LIN : Wir haben aber keinen Esel, wir haben einen Toyota, und den brauchen wir hinterher nicht mehr.

GEORGIE : Nee, dann ist der auch nicht mehr zu gebrauchen. Aber ist doch wahr. Wann machen wir mal richtige Beute. Wie ich klein war und von den Räubern im Tiborger Wald gehört hab', also von unsern Vorgängern sozusagen, da hab' ich immer Bauklötze gestaunt, was die für Beute gemacht haben.

LAURA : Das waren andere Zeiten, Bulle. Die haben mit egoistischen Motiven gehandelt.

GEORGIE : Kann ich mich nicht erinnern, dass die auch mit was gehandelt haben.

LAURA : Wir haben heute ganz andere Ziele.

GEORGIE : Jetzt fängst du auch noch damit an. Der Junge hat schon so was von Zielen gefaselt.

CARLOS : Verdammt noch mal, was ist nur mit diesem Jungen, was für eine Giftkröte haben wir uns da eingefangen.

FU LIN : Ich habe dich gleich gewarnt, Schakal. Hätten wir ihn mal kaltgemacht, als es noch Zeit war.

CARLOS : Dafür ist immer noch Zeit.

FU LIN : Dann lass' mich's jetzt tun.

LAURA : Was hat er denn gesagt?

GEORGIE : Hat mich gefragt, was ich machen werde, wenn das alles mal vorbei ist.

FU LIN : Der will wissen, wohin wir nach dem Anschlag gehen, um es den Amis zu verraten. Und wie er immer mit dem Baumann zusammenkungelt und plaudert, das gefällt mir auch nicht.

GEORGIE : Mister Baumann ist doch kein Ami, das is'n Deutscher.

FU LIN : Das ist alles eine Brut, wenn es darum geht, uns zu vernichten.

CARLOS : Ich will jedenfalls unter keinen Umständen, dass die Aktion wegen so einem Milchgesicht gefährdet wird.

FU LIN : Eben, deshalb lieber gleich eliminieren.

LAURA : Aber der Alte ist noch nicht zurück, solange sollten wir warten.

FU LIN : Da kannst du lange warten, bis der wiederkommt.

CARLOS : Ratte hat Recht, wir dürfen uns nicht von falschen Erwartungen hinhalten lassen. Okay, das Geld könnten wir dringend gebrauchen, aber so ein kleines Miststück macht uns mehr Schaden.

FU LIN : Außerdem denke ich, Baumann könnte uns mit seinem Ersparten aushelfen.

GEORGIE : Du glaubst, der rückt seine Kohle für uns raus? Und bezahlt damit einen Toyota, von dem 'n ausgebranntes Wrack übrig bleibt?

FU LIN : Ich würde ihn schon davon überzeugen.

LAURA : Lasst uns bis morgen abwarten, vielleicht kommt der Vater von dem Jungen bis dahin doch noch. Dann kriegen wir das Geld und jagen die beiden zum Teufel, dann sind sie bei der Aktion nicht mehr hier.

FU LIN : Weshalb nimmst du soviel Rücksicht auf das Bürschchen und den Alten? Bei den anderen hast du weniger Mitgefühl gezeigt.

LAURA : Was willst du damit sagen?

FU LIN : Gar nichts. Schakal, entscheide du.

CARLOS : Wir warten bis morgen zwöf Uhr. Wenn der Alte nicht da ist, gebe ich dir freie Hand, Ratte, die Sache zu erledigen.

FU LIN : Mit Vergnügen, Schakal.

CARLOS : Morgen zwölf Uhr, keine Minute eher, verstanden!

FU LIN : Ja ja.



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