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Achte Szene
Baumann wartet auf einem Platz im Wald. Die anderen kommen mit Gepäck beladen. BAUMANN : Da seid ihr ja endlich, ich sitze hier seit zwei Stunden im Dunkeln, heute ist das Eröffnungsspiel, hätte ich gewusst, dass ihr so lahmarschig seid, hätte ich den Fernseher selber mitgenommen. AHMED : Wie sind Sie hergekommen? BAUMANN : Mit der Linie zweiundzwanzig, Westkreuz umsteigen, ha ha. Nein, im Ernst, ich habe mich hergezaubert, es können nämlich auch andere Leute zaubern. Ja, da staunst du, was ich alles weiß. Der Baumann ist nicht so einfältig wie er tut. AHMED : Ich kann nicht richtig zaubern. BAUMANN : Natürlich nicht, sonst wärst du wahrscheinlich nicht mehr hier. Na, reden wir ein andermal darüber, gib mir den Fernseher, stell ihn dort hin, und die Schüssel nach da, ich glaube, da ist der Empfang am besten. Und nun hilf den anderen beim Aufbauen.
Das neue Lager ist errichtet, genauso provisorisch wie alle vorigen. Ahmed allein und ziemlich unschlüssig. Laura kommt mit einem Teller. LAURA unfreundlich : Hier, das ist für dich. AHMED : Was ist das? LAURA : Wofür hälst du's denn? AHMED : Sieht aus wie Schweinefleisch, ich esse kein Schwein. LAURA : Hast du Pech gehabt. Kannst dir ja 'n paar Blätter abrupfen, die hier sollen toll schmecken. Stellt den Teller hin und will gehen. AHMED : Warte mal. LAURA : Den Teller kannst du gefälligst selbst zurückbringen, aber picobello sauber. AHMED : Ja ja. Was hast du gegen meine Nase? LAURA : Was? AHMED : Du hast gesagt, meine Nase gefällt dir nicht. LAURA : Ich würde mich erschießen, wenn ich so'ne Nase hätte. AHMED : Das sagst du doch jetzt nur, um mir zu imponieren. LAURA zieht ihr Pistole : Wenn du noch weiter quatscht, mach' ich es für dich. AHMED : Dann kannst du mir kein Essen mehr bringen. LAURA : Du isst es ja sowieso nicht. AHMED : Bist du schon lange dabei? LAURA : Was soll die Fragerei? Ist das so was wie'n Verhör? AHMED : Nee, nur Interesse. LAURA : Du bist noch viel blöder, als ich dachte. Was sollte daran interessant sein. AHMED : Ich frage mich nur, wie jemand wie du, ich meine, wie ein Mädchen, bei einer Räuberbande mitmacht. LAURA : Wir sind keine Räuberbande, wir sind Revolutionäre. AHMED : So wie Che Guevara? LAURA : Zum Beispiel, der war auch einer von uns. AHMED : Ist aber nicht gut dabei weggekommen. LAURA ereifert sich : Du quatscht genauso dusslig wie mein Alter und diese ganze beschissene Kanaille, die mit ihren fetten Ärschen auf Ledersesseln im zehnten Stock irgendeines vollklimatisierten Tradecenters sitzen und nichts weiter zu tun haben, als für jede Million, die sie mit dem Öl, das sie aus Afrika herauspressen oder mit den Panzern, die sie an Diktatoren verscherbeln, einen Strich in ihre Bilanz zu machen. "Ist nicht gut dabei weggekommen" Das soll wohl heißen: hat nichts abgekriegt vom großen Kuchen, ist für den armen Schlucker von der Tafel der Reichen und Mächtigen der Welt nichts abgefallen, nur Schalen und Knochen und Gräten, was jeder Hund verschmäht. Für so einen ist das wohl noch viel zu gut. AHMED : Hui jui jui, du kannst ja ganz schöne Reden schwingen, du solltest Politikerin werden, anstatt ... LAURA böse : Anstatt was? Du willst mir sagen, was ich zu tun habe? Carlos kommt. CARLOS : Was ist hier los? LAURA : Der Blödmann wollte mich anmachen. AHMED : Warum sagst du so was? CARLOS : Das mag ich aber gar nicht gern, wenn jemand ein ehrenhaftes Mädchen belästigt, das zudem auch meine Braut ist. LAURA : Er hat behauptet, das Essen wäre vergiftet. (Carlos pfeift Georgie und Fu Lin heran.) CARLOS : Haltet ihn fest. (Die beiden halten ihn, während Carlos auf ihn einschlägt.) Das soll fürs erste genügen. Ich hoffe, es war dir eine Lektion. (Er schüttet ihm den Teller mit Essen über den Kopf.) Und das hier solltest du nicht ablehnen, wenn du es umsonst kriegst. |
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