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Siebente Szene

AHMED allein : Ich habe es vorausgesehen, dass es so kommen wird. Ich habe Meister Melospheros gewarnt, diese Räuber sind nicht zimperlich, und sie schrecken vor nichts zurück, um an Geld heranzukommen. Sollte ich auf den Meister warten? Oder doch versuchen, zu fliehen? Verdammt, ich weiß es nicht. Wie könnte ich überhaupt wegkommen? Mein kleiner Zauberstab für den Notfall ist futsch, damit hätte man sie wenigstens schläfrig machen können. Ich bin auch selber dran schuld, dass sie ihn gefunden haben. Aber immer noch besser, als alles zu vergessen. Ich glaube, der Meister wird wirklich alt. Wenn er mal nicht mehr da ist, bin ich sozusagen sein Nachfolger, puh, ganz schöne Verantwortung. Na, noch ist es nicht soweit. Und wenn er nun nicht zurückkommt? Ich meine, es kann ja auch sein, dass er aufgehalten wird oder findet den Weg hierher nicht mehr. Hat Mister Baumann nicht gesagt, sie würden morgen ihr Quartier irgendwo anders hin verlegen? Aber diesem gerissenen Kerl kann man nicht alles glauben. Vielleicht könnte ich ihn aber ausnutzen, um hier rauszukommen, wenn ich mit ihm gutstelle. Wenn er dafür sorgt, dass ich die Fesseln los werde, das wäre ein Anfang. Aber soll ich dem Fettsack eins über die Birne hauen? Eigentlich hat er mir ja wirklich nichts zu Leide getan. Ich wüsste auch gar nicht recht, in welche Richtung ich fliehen muss. Eins steht jedenfalls fest, ich werde mich hier nicht umbringen lassen und in einer schäbigen Holzkiste enden, so wie diese andere Geisel.

(Georgie kommt mit Waffe im Anschlag angerannt.)

AHMED : Bulle? Was ist los?

GEORGIE : Duck dich und halt still. Oh f--k! Es ist nur eine Patrullje, fünf oder sechs, aber ... f--k! Rübe runter! (Er schießt ziemlich wahllos in den Wald.)

AHMED : Wo sind Schakal und die anderen?

GEORGIE : Haben sich drüben am Graben verteilt.

AHMED : Und Laura?

GEORGIE : Ist glaub ich auf'n Baum geklettert, um uns Zeichen zu geben, da ... hörst du?

AHMED : Der Vogel?

GEORGIE : Das ist Lauras Stimme.

(Georgie ist mit der Abwehr der Angereifer beschäftigt, während Ahmed auf das Vogelstimmensignal horcht.)

AHMED : Klingt eigentlich ganz hübsch.

GEORGIE : Ganz hübsch? Ich glaube, du spinnst, hast wohl schon 'n Lagerkoller. Das hier klingt hübsch, ihr Hurensöhne!

AHMED : Vielleicht hat jemand unser Versteck verraten.

GEORGIE : Das kann sein, dann heißt es heute Nacht wieder: die sieben Sachen packen und verduften.

AHMED : Du meinst, wir müssen woanders hin?

GEORGIE : Wenn du nicht morgen früh im Staatsgefängnis von San Christobal aufwachen willst, wirst du wohl deinen Arsch durch den Dschungel bewegen müssen.

AHMED : Warum sollte man mich einsperren? Ich bin schließlich eine Geisel.

GEORGIE : Rübe runter! Da, du Motherf----r, und dich auch, du ... du ...

AHMED : Flachwichser.

GEORGIE : Flachwichser! Danke. Siehst du, schon bist du fast einer von uns. Meinst, wir würden sagen, dass du unsere Geisel bist? Wären wir ja schön blöd.

AHMED : Das ist nicht fair.

GEORGIE : Nicht fair, nicht fair. Mitgefangen - mitgehangen.

AHMED : Warst du schon mal in San Christobal?

GEORGIE : Ja, da gibt es ein vorzügliches chinesisches Restaurang.

AHMED : Ich meine, im Gefängnis.

GEORGIE : Zweimal. Fünf-Mann-Zelle und miserables Essen. Scheinen sich verzogen zu haben.

AHMED : Was willst du eigentlich machen, wenn du hier fertig bist?

GEORGIE : Mit denen da?

AHMED : Nein, ich meine hier mit euren ganzen Aktionen. Irgendwann habt ihr doch sicher mal alles erledigt, ich meine, eure Ziele erreicht.

GEORGIE : Was für Ziele? Meine Ziele liegen hier auf der Linie, Kimme und Korn, und davor liegt mein Ziel.

AHMED : Willst du ewig Räuber bleiben?

GEORGIE : Ich bin noch nicht so alt, auch wenn ich ganz schön Masse habe. Außerdem bleibe ich nicht ewig Räuber, kann sein, dass ich bald Terrorist werde, habe da 'ne Stelle in Aussicht.

AHMED : Wenn wir von hier weggehen, kann es passieren, dass uns mein Vater nicht mehr findet, wenn er wiederkommt.

GEORGIE : Kann sein, was geht mich das an. Vielleicht war er es ja, der uns verraten hat.

AHMED : Das würde er nie tun.

GEORGIE : Ach hör doch auf! Jeder ist sich selbst der Nächste. Und wenn schon. Dann kannst du getrost bei uns bleiben, wir brauchen sowieso noch jemanden, der beim nächsten Terroranschlag das Auto fährt.

AHMED : Ich kann nicht Auto fahren.

GEORGIE : Kein Problem, das schaffst du, musst nur rechtzeitig aussteigen.

AHMED : Ich weiß nicht.

GEORGIE : Aber einen guten Rat geb' ich dir, wenn du mitmachen willst. Lass' die Finger von Laura, die gehört dem Schakal und keinem sonst.

AHMED : Ich habe überhaupt nichts gemacht.

GEORGIE : Um so besser. Der Schakal kennt da keinen Spaß. Ah, da singt ja unser Turteltäubchen wieder, das heißt, wir sollen uns sammeln. Hat sie nicht ein liebliches Stimmchen? Ha ha ha.



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