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Fünfte Szene
Lager der Räuber. CARLOS : So, ihr seid also harmlose Wanderer? Auf dem Weg in die Stadt. GEORGIE : Das sind die nie und nimmer, Chef. CARLOS : Habt ihr nicht gehört, dass es gefährlich ist, durch den Wald zu reisen, es gibt dort ganz brutale Räuber. GEORGIE zu Fu Lin : Es gibt hier noch welche? AHMED : Wir haben uns verirrt. CARLOS : Aha. Da könnt ihr ja dankbar sein, dass wir euch gefunden haben. AHMED : Vielen Dank. Sicher werden Sie uns jetzt den richtigen Weg zeigen. CARLOS : Oh ja, leider gibt es mehrere richtige Wege. Was für den einen der richtige Weg ist, ist für den anderen vielleicht der falsche. FU LIN : Da gibt es zum Beispiel einen, der führt geradewegs ins Jenseits, und der liegt nur einen Fingerbreit neben dem anderen. (Er hält seine Maschinenpistole an Ahmeds Schläfe und drückt ab; der Verschluss klickt; sie war nicht geladen.) CARLOS : Ihr wart also anderswo unterwegs? Wo, wenn ich fragen darf? LAURA : Die gehören bestimmt zu der Karawane, die heute früh hier vorbei ist. AHMED : Wir gehören nicht zu der Karawane. GEORGIE : Ach, woher wisst ihr denn davon? AHMED : Der hat es ja gerade gesagt. CARLOS : Was der sagt, interessiert mich nicht. Ich will wissen, was ihr hier zu suchen habt. Unseren Freund, liebevoll 'die Ratte' genannt, habt ihr schon kennengelernt. Er hat zwar nur noch ein Auge, dafür hört er aber ausgezeichnet. Ich bin sicher, er würde die Schmerzensschreie hören, die der Alte ausstößt, wenn ihm die Fingernägel einzeln rausgezogen werden. Solche Schreie kann man nämlich gar nicht überhören. AHMED : Das werdet ihr nicht tun. CARLOS : Und ob wir das tun. Was sagst du selbst dazu, Alter. AHMED : Lasst ihn in Ruhe. MELOSPHEROS : Was soll ich dazu sagen? Tut, was ihr nicht lassen könnt. CARLOS : Oho, das ist ja ein ganz gleichmütiger Mensch, du bist wohl so was wie ein verdammter Mönch oder ein Märtyrer. FU LIN : Das sehen die Leute gern, wenn so einer gequält wird. GEORGIE : Soll ich die Kamera holen? CARLOS : Wenn du so'n frommer Heiliger bist, dann kann der wohl kaum dein leiblicher Sohn sein, denn man hat ja noch von keinem Heiligen gehört, der eine Frau geschwängert hat. FU LIN : Es würde dir daher wohl nichts ausmachen, wenn wir uns mal rasch von der Kröte trennen, wir brauchen nämlich nur einen von Euch. MELOSPHEROS : Halt! Dann nehmt ihn und tötet mich. Er ist viel jünger und mehr wert, ich kann kaum noch laufen und würde euch bloß hinderlich sein. CARLOS : Aha. Da gibt es noch wahre Liebe unter den Menschen. Das hört man gerne. Also, so ganz ohne alles allein im Wald unterwegs. GEORGIE : Der Junge hatte das bei sich. CARLOS : Was ist denn das? Sieht aus wie der Zauberstab von Merlin, davon hab' ich als Kind gelesen. GEORGIE : Du kannst lesen, Chef? AHMED : Das ist nur ein Spielzeug. LAURA : Ja ja, klar, hast du vielleicht auch noch ein Püppchendabei oder ein paar Bauklötzchen. GEORGIE : Oder Murmeln, die hatte ich immer, zum Draufrumkauen. CARLOS : Wie funktioniert das? AHMED : Vorsicht! CARLOS : Ich denke, es ist nur ein Spielzeug. So vielleicht? Oder so? Da muss man was dazu sagen. Abrakadabra ... (Wie Carlos mit dem Zauberstab herumfuchtelt, gibt es einen Blitz und Knall mit Zischen und einen heftigen Windstoß, der über die Köpfe fegt.) He, Scheiße, was soll das? Was für ein verfluchtes Drecksding ist das! (Er zerbricht den Stab.) GEORGIE : Oh Schakal, vielleicht hätte der uns was genützt. CARLOS : Unsinn! Mit so'nem Teufelszeug geben wir uns nicht ab. Ratte, hol' die Instrumente, jetzt werden wir dem Alten mal ein bisschen einheizen. MELOSPHEROS : Ihr wollt Geld, stimmt's. CARLOS : Ja und? Habt ihr etwa welches? MELOSPHEROS : Nicht hier, aber ich kann welches besorgen. CARLOS : Jetzt wird er auf einmal geschwätzig, das war's doch, was ich mit Unterhaltung meinte. MELOSPHEROS : Schickt mich in die Stadt, und ich hole das Geld. FU LIN : Eben warst du noch zu schwach zum Laufen. Du scheinheiliger frommer Mönch, du willst dich bloß aus dem Staub machen. MELOSPHEROS : Der Junge kennt niemanden in der Stadt und keiner wird ihm zuhören. Ich habe dort gute Freunde, die mir helfen. Es ist in jedem Fall besser, wenn ihr mich schickt. CARLOS : Hm. MELOSPHEROS : Wieviel verlangt ihr? CARLOS : Fünfzigtausend. FU LIN : Fünfzigtausend? Glaubst du im Ernst, Schakal, dass jemand soviel Geld ausgeben wird für einen halbtoten Opa und ein dürres Pickelgesicht? Ihr zwei wollt uns doch nur was vorflunkern, wir sollten kurzen Prozess mit ihnen machen. CARLOS : Wir brauchen das Geld. MELOSPHEROS : Bindet mich los, und ich mache mich sofort auf den Weg, in drei Tagen bin ich zurück. CARLOS : Alle Mann zu mir, kurze Lagebesprechung. (Sie gehen zur Seite.) MELOSPHEROS : Ahmed, vertraue mir, alles wird gut, ich hole uns hier heraus. Aber höre, was ich dir sage: egal, was passiert, du darfst unter keinen Umständen zaubern, und vor allem: du darfst auf keinen Fall den Zauber der Vier Kostbarkeiten ausführen, denn das würde großes Unheil bringen und du würdest dabei umkommen. Versprich mir, dass du meine Weisung befolgst. AHMED : Ich ... CARLOS : Also gut, Fünfzigtausend. Und wenn du in drei Tagen nicht zurück bist, dann fangen wir an, den Jungen zu zerstückeln, fein säuberlich und ganz langsam, du würdest ihn nicht wiedererkennen. MELOSPHEROS : Ich habe verstanden, ich werde mit dem Geld zurückkehren. |
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