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Dritte Szene
Lager der Räuber. Alles ist guerillamäßig und provisorisch eingerichtet. CARLOS : Wir stellen den Transporter Mittags halb eins hier vor dem Haupteingang ab, und dann zünden wir die Ladung und Bumm! die ganze Scheiß Bude fliegt in die Luft. FU LIN : Mann, Carlos, das ist genial. GEORGIE : Und so einfach. FU LIN : Die Pläne vom Chef sind immer einfach genial. Deshalb wird er auch der Schakal genannt. GEORGIE : Aber darf man denn vor Haupteingang parken? LAURA : Oh Georgie, du Trottel. Natürlich nicht. Aber wir machen es trotzdem, weil wir Terroristen sind und Terroristen dürfen alles, sogar im Parkverbot stehen. GEORGIE : Sogar Menschen umbringen. LAURA : Weil es für einen guten Zweck ist, dass sie sterben. CARLOS : So wie Jesus. GEORGIE : Wie? Jesus? Der hat doch niemanden umgebracht. FU LIN : Schakal meint, der ist auch für'n guten Zweck gestorben. CARLOS : Richtig. Außerdem achten wir darauf, dass unsere Opfer nicht zu lange leiden müssen. GEORGIE : Oh, Leute, seitdem wir nicht mehr nur Räuber sind, sondern richtige Terroristen, komme ich mir viel anständiger vor, fast wie'n Arzt oder so. LAURA : Du und anständig, du Drecksack, rülpst und furzt beim Essen und wäscht dich wochenlang nicht, da hat sich nichts geändert, seit du Terrorist bist. FU LIN : Laura hat Recht, Bulle, ich weiß nicht, ob du wirklich zu uns passt mit deinen miserablen Manieren. GEORGIE : Aber! Ich bin ... ich habe ... immer alles für euch getan, und Schakal war immer zufrieden mit mir, stimmt doch, Chef? FU LIN : Ja, Bulle, aber diesmal müssen wir schnell sein, schnell raus aus dem Transporter und ab durch die Mitte, kapierst du. Und wenn du deinen fetten Arsch nicht rechtzeitig vom Fahrersitz kriegst, dann gehst du mit der Bombe zusammen hoch. LAURA : Ich würde für dich beten, mein Süßer. GEORGIE : Das könnt ihr nicht mit mir machen, ihr könnt mich nicht da sitzen lassen in der Kiste mit dem ganzen Sprengstoff, und dann auch noch im Parkverbot. FU LIN : Tja, Bulle, du bist nun mal derjenige, der fahren muss. Ich habe leider beim letzten Anschlag mein Auge eingebüßt. Es ist jeder mal dran. CARLOS wehleidig : Es hat jedenfalls Spaß gemacht mit dir zu arbeiten, außer dass du immer gestunken hast wie ein Schwein. LAURA : Na, hört auf mit dem Scheiß. Nachher bleibt unser Georgie vor Schreck wirklich sitzen. GEORGIE : Sagt, dass das jetzt nicht ernst gemeint war, Chef, das war doch nur'n Spaß, stimmt's. CARLOS: Ja ja, Bulle. Lasst uns noch mal zur Sache kommen. FU LIN mit dem Hinweis darauf, dass Carlos und Laura nebenbei schmusen : Du lässt dich doch dauernd ablenken. LAURA : Halts Maul, Ratte! (Georgie grinst.) CARLOS : Laura, hol' uns was zu futtern. LAURA : Wieso ich? CARLOS : Weil ich's sage! FU LIN : Könntest schon wieder hier sein, Räuberbraut. CARLOS : Halt dein Maul, Ratte! Und hör auf, dir den Sack zu kraulen. FU LIN : Hui! Der Chef meldet Anspruch an. CARLOS : Wir brauchen mehr Geld für die Vorbereitung. Der Lieferant von dem Sprengstoff hat den Preis um zehn Prozent erhöht. GEORGIE : Da sprengen wir den Hund gleich mit in die Luft. CARLOS : Unsinn, wir müssen das Zeug erst mal haben. FU LIN : Was ist mit den Russen? CARLOS : Die rücken neuerdings nichts mehr raus oder verkaufen es vielleicht an die Amis. Nach Kolumbien ist die Verbindung abgebrochen. Kel Aida braucht den Zunder selbst, und unser Mann in Israel ist aufgeflogen. FU LIN : Mein Gott, sind wir denn die einzigen, die noch ordentlich arbeiten. GEORGIE : Dann müssen wir eben aus Mister Baumann mehr rausholen. LAURA : Hier, das ist alles, was noch da ist. GEORGIE : Alles aus der Vorratskammer? LAURA : Die Vorratskammer ist leer, Bulle. Das habe ich Baumann weggenommen, der schläft grade seinen Rausch aus. CARLOS : Versoffenes Christenschwein. LAURA : Sei froh, dass er nicht alles aufgefressen hat. FU LIN : Soweit ist es gekommen, dass wir von einem fetten Christenschwein abhängig sind. CARLOS : Mit Baumann läuft es nicht mehr so gut, es scheint, dass seine Freunde das Interesse an ihm verlieren. Und die Medien auch, CNN wollte für unser letztes Video ganze fünfundzwanzig Dollar bezahlen. FU LIN : Dann müssen wir eben mal wieder einen Finger abschneiden, so was kommt immer gut an. CARLOS : Wir reden jetzt nicht über Mister Baumann, ein andermal. Wir brauchen das Geld sofort. FU LIN : Wenn ich dich recht verstehe, Chef, heißt das, wir sollen uns wieder auf unser altes Räuberhandwerk besinnen. GEORGIE : Auf die alten Zeiten, als wir noch die Losschicker genannt wurden, das klang so schön harmlos, wie Versicherungsvertreter. LAURA : So lange ist das noch gar nicht her, Leute. FU LIN : Na, dir hat's gefallen, Laura. Die Männer machen den ganzen Tag Jagd auf Beute im Urwald, und die Räuberbraut kümmert sich ums Essen und wartet in der Hängematte auf den Hauptmann. GEORGIE : Oh ja, das Essen war gut, Laura. Einmal, das Spanferkel, hm, köstlich. LAURA : Da hörst du's, Ratte, dem Georgie habe ich wenigstens eine Freude gemacht. FU LIN : Ja, und dem Chef dann auch. LAURA : Kann ich was dafür, dass du'n nervösen Magen hast und nichts essen kannst wie'n normaler Mensch. GEORGIE : Wieso? Was isst'n Fu Lin? LAURA : Überleg' doch mal, wenn einer 'die Ratte' genannt wird. GEORGIE : Kapier ich nicht. Fu Lin, was isst'n du am liebsten? FU LIN : Bulleneier, du Schwachkopf. CARLOS : Schluss damit. Ich gebe einen Befehl. Die nächsten Personen, die durch den Tiborger Wald kommen, werden überfallen und gefangengenommen. Dann verfahren wir auf die bewährte Weise, einer wird in die Stadt geschickt ... GEORGIE : Ich geh' nicht. LAURA : Mann, einer von den Gefangenen. Der bringt uns das Lösegeld und dann ... FU LIN : Wenn das mit Mister Baumann nicht mehr so richtig läuft, könnten wir ja die Gefangenen für'n neues Video nehmen. CARLOS : Mal sehen, erst mal brauchen wir die Kohle, das ist das allerwichtigste. Hat jeder meinen Befehl verstanden? FU LIN : Ay ay, Schakal. GEORGIE : Und Laura kocht solange was Feines? LAURA : Ja, eine Bambussprossensuppe. GEORGIE : Verflucht, ich werde zwar 'der Bulle' genannt, aber ich bin noch lange kein Grasfresser. Eins sage ich euch, wenn meine Terroristenzeit mal vorbei ist und ich mich zur Ruhe setze, dann werde ich den ganzen lieben langen Tag nur fressen, fressen, fressen. CARLOS : Verschwindet auf eure Posten, und du, Ratte, pass diesmal 'n bisschen besser auf mit deinem Schießprügel. FU LIN : Ja ja. |
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