Edition Gothaer Hefte

 


Alexander von Humboldt

Südamerikanische Reise
 

 
Die Höhle der Nachtvögel

 

 
Alexander von Humboldts südamerikanische Reise

In Paris hatte der dreißigjährige Humboldt den vier Jahre jüngeren Botaniker Aime Goujaud Bonpland kennengelernt. Gemeinsam planten die beiden jungen Wissenschaftler eine Amerikareise. Im Oktober 1798 brachen sie auf, um zunächst eine Fahrt nach Tunis zu unternehmen, konnten das Vorhaben aber nicht realisieren.

Sie reisten nach Madrid, und dort fand Humboldt großzügige Unterstützung durch den Marquis d'Iranda und durch das Berliner Bankhaus Mendelsohn und Friedländer. Der sächsische Gesandte Baron von Forell verhalf Humboldt zu einer Audienz beim spanischen königlichen Hof, von dem er einen Reisepaß für die spanischen Kolonien in der Neuen Welt ausgestellt bekam.

Im Mai 1799 segelten sie mit der Korvette "Pizarro" auf dem Atlantik nach Westen. Im Juli 1799 kamen sie in Cumana, Venezuela, an, nachdem sie auf Teneriffa Zwischenhalt gemacht hatten. Humboldt und Bonpland blieben bis zum November 1800 in Venezuela. Sie wohnten beim Statthalter der Provinz Cumana, Don Vicente Emperan. Größere Exkursionen führten sie zu den Missionsstationen der Kapuziner bis nach Caripe in den Süden der Provinz. Dort befindet sich auch die Höhle der Nachtvögel.

Im November 1799 setzten sie ihre Reise nach Caracas fort, wo sie sich bis Februar 1800 aufhielten. Sie waren Gäste des Generalkapitäns von Venezuela, Don Manuel Guevara y Vasconcellos. Caracas ist der Ausgangspunkt von Humboldts und Bonplands Orinokoreise. Sie gelangten bis zu dem brasilianischen Grenzort San Carlos am Rio Negro, welcher ein Nebenfluß des Amazonas ist. Da Brasilien zu den portugiesischen Kolonien gehörte, konnten die beiden nicht weiter auf dem Amazonas fahren. Sie traten die Rückreise auf dem Orinoko an und trafen im Juni 1800 in Angostura (heute: Ciudad Bolivar) ein. Über Nueva Barcelona an der Meeresküste kehrten sie nach Cumana zurück.

Im November 1800 brachen sie nach Kuba auf, wo sie einen Monat später in Havanna ankamen. Humboldt hegte immer noch den Plan, sich der Weltumseglung des französischen Kapitäns Baudin anzuschließen. Als er hörte, daß Baudin die südamerikanische Küste bis nach Peru heraufkommen will, entschloß er sich bis nach Lima entgegenzukommen.

Im März 1801 verließen Humboldt und Bonpland Kuba und segelten nach Kolumbien, dem spanischen Nueva Granada, wo sie sich acht Monate lang aufhielten. Sie unternahmen eine Flußfahrt auf dem Rio Magdalena. Humboldt besaß eine außergewöhnlich robuste Konstitution. "Welch glücklicher Zufall, daß meine Natur allen Fiebern so glücklich widersteht. In den zweieinhalb Jahren bei so vielen Reisen durch dichte Wälder, auf Sümpfen und Flüssen, unter den ansteckendsten Krankheiten: immer blieb ich vom Fieber frei."

Sie besichtigten ein Bergwerk in Honda und besuchten den deutschstämmigen Botaniker Jose Celestino Mutis in Bogota. Humboldt begutachtete die Salinen von Zipaquira, und am 18. September beobachteten die Forscher eine Sonnenfinsternis. Wiederum befuhren sie den Rio Magdalena, der längs zwischen der Zentral- und der Ostcordillere (auf dem Gebiet des heutigen Kolumbien) verläuft.

Über Cartago und Buga kamen sie nach Popayan, reisten dann auf einer sehr beschwerlichen Strecke über die Anden in der Provinz Pasto nach Quito im heutigen Ekuador, das sie im Januar 1802 erreichten. Quito war damals die Hauptstadt von Nueva Granada. Hier waren sie Gäste des Marquis Don Juan Pio Aguirre y Montufar. Humboldt und Bonpland blieben bis Ende August 1802 in Ekuador. Humboldt bestieg u.a. die Vulkane des Pichincha und des Chimborazo.

Auf dem Weg nach Lima machten sie halt in Riobamba (südlich des Äquators), in Cuenca, wo sie Reste der alten großen Reichsstraße der Inka fanden, und Caxamarca (Cajamarca), das etwa sieben Grad südlich des geographischen Äquators liegt und wo der magnetische Äquator verläuft. Sie kamen im Oktober 1802 in Lima an. (Kapitän Baudin hatte seine Reiseroute geändert; er ist nicht an der Westküste Südamerikas hinaufgesegelt, und ein Zusammentreffen kam nicht zustande.)

Im Dezember 1802 verließen Humboldt und Bonpland Lima und segelten nordwärts nach Guayaquil. Hier, an der Westküste Ekuadors entdeckte Humboldt die später nach ihm benannte Meeresströmung. Wenn auch der Strom den peruanischen Seefahrern bereits bekannt war, so ist es doch Humboldts Verdienst, ihn zuerst wissenschaftlich beschrieben zu haben.

Im Februar 1803 legten die Forscher mit einem Handelsschiff in Guayaquil ab und trafen im März in Acapulco in Mexiko ein. Auf dem Weg nach Mexico City verweilten sie in Taxco, das durch seine reichen Silberminen bekannt war. In Mexico City hielten sich Humboldt und Bonpland fast ein Jahr lang auf, bevor sie nach Veracruz am Golf von Mexico weiterreisten. Durch Messungen, die Humboldt auf dem ganzen Weg von der West- zur Ostküste durchführte, konnte für Mexiko erstmals ein Höhenprofil erstellt werden.

Im März 1804 fuhren sie von Veracruz nach Havanna, im April reisten sie weiter nach Philadelphia in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, der letzten Station ihrer Amerikareise, von wo aus sie nach Europa zurückkehrten.

 

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