Gothaer Hefte
 
herausgegeben von Alexander Fuchs

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Elisabeth. Königstochter
Roman nach Motiven aus dem Leben der Elisabeth von Thüringen

»  Elisabeth - die ungarische Königstochter in Thüringen
»  Könige und Kaiser zur Zeit Elisabeths
»  Die Anfänge der Thüringer Landgrafen
»  Richard Wagners "Tannhäuser" und Elisabeth

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Die schöne Wassilissa
Lustspiel mit Gesang

Pjotr Zarewitsch, der Thronfolger des Zaren, ist mit zwei seiner treuen Begleiter auf einer Jagdreise unterwegs, die ihn von seinen Liebesgefühlen ablenken soll. Die drei geraten in ein Dorf, wo gerade ein Fest gefeiert wird. Die zänkischen Schwestern Olga und Nastassja buhlen um Pjotr, der sich vorläufig nicht zu erkennen gibt. Wassilissa, die im Haus der Schwestern Dienst tun muss, erregt Pjotr's Interesse. Olga und Nastassja beschließen, die schöne Wassilissa fortzuschaffen und schicken sie unter einem Vorwand zur Hexe Baba Jaga. Wird sie Pjotr je wiedersehen?


Deutsche Märchen  zum Hören und Mitlesen

Rotkäppchen . König Drosselbart . Hans im Glück . Brüderchen und Schwesterchen . Der Wolf und die sieben Geißlein . Rapunzel



Friederike Haller
Vormarsch und Rückzug
Eine traurige Geschichte aus dem napoleonischen Krieg

Erika und Michael leben in einem Dorf im Süden Thüringens. Buchstäblich über Nacht bricht der Krieg über sie herein und trennt sie voneinander. Erika bangt um ihren Mann und wird selbst das Opfer der verhängnisvollen Ereignisse.


Sven Hedin
Mitten durch die wilde Mongolei
Ein Reiseepos in fünf Kapiteln und einem Nachtrag


Herakles im Asyl

über Herakles in der antiken Mythologie

"Komm hier herein", sagte der Alte, "bleib' nicht draußen stehen, du siehst, es fängt an zu regnen." Herakles musste sich bücken, um durch die Tür einzutreten. Es war sehr unordentlich in dem Raum, und der Alte machte einen Stuhl beim Tisch frei, aber als sich Herakles daraufsetzen wollte, knarrte und krachte er bedenklich, und der Alte kicherte und sagte "Du bist zu schwer, mein Sohn. Was bist du auch für ein Recke." Herakles brummte nur und ließ sich auf der steinernen Bank neben dem Herd nieder.

In einem Topf war noch etwas vom Lammbraten übrig, über den machte er sich her. "Iss nur, mein Sohn", sagte der Alte und warf einen vergnügten Blick auf den schmatzenden Jüngling. Da regnete es auch schon in Strömen, und sie schauten beide durch die offene Tür hinaus. "Willst du deinen Ochsen nicht unterstellen?", fragte Herakles mit vollem Mund. "Das hat Zeit, der Regen macht ihm nichts aus."Und wirklich stand der Ochse reglos da und glotzte aus seinen großen Augen dumpf vor sich hin, an seinen Beinen und Flanken klebte noch dicker Schlamm.

Nachdem er den Bratentopf geleert hatte, schaute sich Herakles in der Hütte um, und der Alte konnte aus seinem Blick lesen. "Du bist müde, stimmt's? Ich bin für Gäste nicht eingerichtet, wie du siehst. Und dieses schmale Lager dort in der Ecke das reicht für dich nicht aus." Herakles betrachtete es, als würde jemand da ruhen, den er kennt, aber es war leer und die Decke lag achtlos auf dem Strohpolster; der Alte wohnte allein hier. "Was machen wir da?", sagte er, und Herakles zuckte mit den Schultern, die Augen fielen ihm zu. Dann lag sein Haupt auf den Herd geneigt, der Regen hatte aufgehört, der Ochse war verschwunden.

Der Alte kam herein und sagte "Wir werden zu Naubolides gehen, ich werde dich ihm vorstellen, vielleicht kannst du dort wohnen." "Ja", sagte Herakles, der immer noch schläfrig war, "wer ist das?" "Naubolides? Er ist einer unserer besten Schiffsbaumeister", gab der Alte Auskunft. Er wollte Herakles von der Herdbank aufhelfen, aber er war zu schwer. "Wir haben viele hervorragende Schiffsbauer wie du vielleicht weißt, aber Naubolides ist der beste. Nun komm' schon, lass uns gehn."

Er hatte das Ochsengespann hinter die Hütte gebracht, wo ein Regendach war und wo der Weg zum Dorf weiterging. Herakles setzte sich auf den Karren, und der Alte trieb den Ochsen an. Mit der Nässe war die Erde für einen Moment aufgeweicht, und die großen Räder zogen zwei Rinnen in den Boden. "Wie lange lebst du hier schon, Alter?" fragte Herakles. "Was?" Er wiederholte seine Frage. Der Alte schüttelte den Kopf und kicherte. "Bei Zeus, das hat mich noch keiner gefragt. Ich weiß es nicht."

Naubolides war gerade mit einem Schiffsmodell aus Holzleisten beschäftigt, an dem er herumbastelte. Sein Gewand hatte am Rücken und an der Brust dunkle Schweißflecken, obwohl er bloß am Tisch stand und sich gar nicht heftig bewegte. Der Alte verriet Herakles dann, dass seine Arbeit allein ihn so sehr forderte, dass er ins Schwitzen geriet, auch ohne körperliche Anstrengung.

Es sei nämlich das Ersinnen und Konstruieren der Schiffe dieser Art ein Kraftakt, der mit dem eines Ringkämpfers oder eines Speerwerfers beim Wettkampf zu vergleichen ist, nur dass sich die Wirkung auf ganz andere Weise zeigt. Und im Unterschied zu einem Athleten steigert sich die Leistung eines Schiffbaumeisters mit zunehmendem Alter und wachsender Erfahrung, während sie bei jenen nach einem zeitigen Höhepunkt unaufhaltsam abnimmt. Nun schien Naubolides noch gar nicht so alt, und galt dennoch schon als der Beste seines Faches weit und breit.

Sein Tisch (übrigens nur einer von dreien, die da standen und so ähnlich aussahen) wie auch der ganze Raum waren übersät mit kleineren und größeren Modellen, manche erst begonnen, andere halbfertig, wieder andere bereits bemalt, mit allen Segeln ausgestattet und mit allerlei naturgetreuen Details versehen.

Ein solches war Naubolides eben dabei anzuleimen, wofür er eine ruhige Hand brauchte, um es genau zu platzieren, denn der Leim, nach besonderer Rezeptur hergestellt, verfestigte sich in einem Augenblick. Bei den Phaiaker war es üblich, ohne Anklopfen einzutreten. Es gab auch keine Begrüßung, und Höflichkeitsfloskeln wurden nur zu feierlichem Anlass verwendet, dann allerdings in wahrhaft phantastischer Übertreibung.

Der Alte drang darauf, Herakles vorzustellen, und dieser, noch immer von Müdigkeit wie vernebelt, tappte hinterdrein, und ehe er die ganze Pracht von Naubolides' Schiffsmuseum gewahr wurde, hatte sein rechter Fuß auch schon eins der Modelle unter sich zermalmt. "Ei, verflucht", murmelte er, "wozu braucht Ihr das Katzengerippe, Meister?" Der Alte gab einen Laut der Verwunderung von sich, und Naubolides blickte Herakles verständnislos an, während der die zerbrochenen Teile beiseite scharrte, als wollte er ein wenig aufräumen.

Obwohl alles sehr schnell gegangen war, hatte sich unterdessen der Daumen des Naubolides durch den Leim mit seinem Modell verbunden, und als er die Hand hob, um wer weiß welcher Erwiderung Ausdruck zu verleihen, da schwang er das ganze Schiff durch die Luft, dass der Alte sich vorsichtshalber duckte und Herakles bei der rasanten Bewegung die Augen verdrehte. Aber beide konnten ein Lachen kaum unterdrücken.

Naubolides zog vorsichtig an seinem Modell, doch es hing an seinem Daumen fest als wäre es angewachsen. "Was machen wir da", sagte der Alte, "da hilft nur wohl nur absägen." Naubolides schwieg und strich mit der anderen Hand an seinem Daumen entlang. "Das Schiff, meine ich natürlich", setzte der Alte hinzu. "Wie bitte?", fuhr Naubolides auf, "weißt du überhaupt, wieviel Mühe ich mir dabei gegeben habe?" "Man kann es ja reparieren."

Naubolides wurde kreidebleich, aber anscheinend nicht aus Entrüstung, sondern vor Scham. "Reparieren", rief er und schaute Herakles an, der wieder nur mit den Schultern zuckte. "Naubolides, wird es heißen, liefert ein Schiffsmodell, das schon einmal repariert werden musste! Die Leute werden sich kaputtlachen. Was für ein Schiff wird das erst werden, wenn sein Modell bereits in der Reparatur war." Der Alte winkte ab und sagte etwas, das Herakles überraschte. "So lass' doch den Leuten ihren Spott, ein andermal werden sie dich wieder preisen."

Naubolides schüttelte den Kopf. "Nicht diesmal, nicht bei diesem Schiff. Ich habe mein ganzes Können aufgewendet, es zu konstruieren." "Das sagst du jedesmal." "Die anderen hatten auch nie einen Makel." "Was? Wenn ich das recht verstehe, dann soll dieses Schiff erst dadurch vollkommen werden, dass sein Modell einmal ausgebessert wurde?" "Ähm", machte Naubolides, "habe ich das so gesagt?" "Ich entnahm es deiner Rede."

Die ganze Zeit hatte der Schiffsbauer bei seinen Gesten das Modell mit durch die Luft bewegt und es dabei mit der anderen Hand gehalten, so dass es aussah, als würde es auf hoher See über die Wellen schwanken. So ging die Unterhaltung noch eine Weile hin und her, und sie wurde zunehmend philosophisch, denn das war eine Eigenart der Phaiaker, dass sie aus jedem noch so unbedeutenden Vorfall ein Thema machten, über das sie stundenlang debattierekonnten. Miteinander reden bedeutete für diese Landsleute ungefähr das, was für andere Geschäfte machen ist ...

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