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Der Bürgermeister erwachte mit dem Nachhall seines letzten Traumbildes: der aufgedunsene Körper der Wasserleiche trieb im Uferschlamm des Hammerteichs, das bleiche Gesicht eine Hand breit unter der Oberfläche wie der ins Wasser gefallene Vollmond. Seit einigen Nächten immer dieselbe Szene. Der Bürgermeister hatte sich beinahe daran gewöhnt, und es wirkte längst nicht mehr mit dem Schrecken des ersten Mals. Es war keine wirre Phantasie oder die Begleiterscheinung einer schlecht verdauten Speise, sondern die bloße Erinnerung an das Ereignis, das nun fast drei Wochen zurück lag.
Dabei hätte das Hammerteichfest des Jahres 1796 so schön werden können. Es wäre ein weiterer der Höhepunkte gewesen, die sich in ansehnlicher, fast schon geregelter Folge in seine Amtszeit einfügten. In gewisser Weise war es das ja auch, und bis zu dem fatalen Zwischenfall, der Gott sei Dank erst nach dem offiziellen Abschluss sich ereignete, hatte dieses Fest die vorherigen an Pracht und Freude übertroffen, wie übrigens jedes Hammerteichfest alle anderen Hammerteichfeste übertraf.
Unterm großen Jubel des Publikums war bei hereinbrechender Dunkelheit das Feuerwerk gezündet worden, mit sprühenden und zischenden Funken, Böllern wie aus Kanonen und Blitzen in allen Farben. Das hatte er sich auch etwas kosten und extra aus Schlesien liefern lassen, wo, wie es hieß, das Knallpulver sonst zur Sprengung in den Kohlengruben eingesetzt wurde.
Die Menge hatte sich bereits zerstreut und nur einige ausgelassene Grüppchen vergnügten sich noch im Park, als der Gehilfe des Bürgermeisters mit einem wackligen Eselskarren anrückte und begann, die Lichter zu löschen und einzusammeln. Da hörte man plötzlich von der Mitte des Teiches her Geschrei. Wenig später kam ein Ruderboot heran, das mit einem halben Dutzend Männern und Frauen völlig überladen war. Sie jammerten alle durcheinander und auf ihren halb beleuchteten Gesichtern flackerte das Entsetzen.
Wie sich herausstellte, war die übermütige Truppe mit dem Kahn hinaus gerudert und dort dermaßen in Stimmung geraten, dass das Boot zu schaukeln anfing und nicht eher damit aufhörte, bis einer über Bord gegangen war. Das Wasser schluckte ihn und die Nacht verdunkelte die Stelle. (Wäre die Leiche, wie es später üblich wurde, genauer untersucht worden, hätte man festgestellt, dass der Mann infolge eines Herzanfalls umgekippt war und deshalb sofort verstummte.)
Der Gehilfe des Bürgermeisters teilte Lichter und Fackeln an die Freiwilligen aus und mit mehreren Booten wurde der Teich abgesucht - vergeblich. Auch die nächsten Tage brachten keinen Erfolg. Warum die Leiche erst eine Woche später wieder auftauchte, oder besser gefragt, warum sie eine Woche lang untergetaucht war, konnte nie geklärt werden. Die Angelegenheit war nicht nur für den Ertrunkenen äußerst nachteilig, sondern schadete auch dem Ruf Georgenrodas, dessen erholsame Idylle gerade im Begriff stand, über die Landesgrenzen hinaus bekannt zu werden.
Die Leute auf dem Kahn waren Auswärtige, und der Bürgermeister sah sich mit einem detaillierten Bericht über das Unglück im Amtlichen Anzeiger konfrontiert, in dem mit spitzer Feder moniert wurde, dass das Wasser zu tief, das Boot zu klein (oder zu groß) und die Beleuchtung zu früh verloschen war. Insgeheim verschaffte es ihm eine kleine Genugtuung, dass das Opfer kein Einheimischer war, sondern aus Büsum stammte; nichts anderes als das unabwendbare Schicksal hatte einen Küstenbewohner im Hammerteich zwischen den Bergen ertrinken lassen können.
Das schwammige Gesicht verfolgte ihn noch etliche Nächte, aber es verlor schon allmählich seine Züge, und als der Bürgermeister an diesem Morgen erwachte ...
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