special effects

 
 

Vier Prämiengewinne, die am vergangenen Sonnabend beim Hamburger Presseball verlost wurden, sind bisher nicht abgeholt worden: ein Breitwandfernseher (Losnummer H 125), eine Ostseekreuzfahrt (M 341), ein Gutschein für eine Lebensversicherung (E 022), ein Aquarell von Rolf Diener (G 125). Die Gewinner können sich beim Presseball-Büro melden. Telefon: 347 34 88.

Anrufer : Hallo, ist da die Hamburger Zeitung? Hier ist der ... was? Ja, ja, mach ich schon noch. Hier is' der Stötzer, Willy, ich ruf' an wegen der Versicherung.

Sekretärin : Haben Sie die E 022?

Anrufer : Was? Ne, der Stötzer Willy, aus Hinterhermsdorf, warten Sie mal, junges Fräulein. (Gespräch im Hintergrund) Ja, wir haben den E 022, für mich und meine Frau, Stötzer Erika, geborene Auerhahn. Wir wollten bloß fragen, ob wir die Versicherung auch umtauschen können gegen den Fernseher. Das ist doch 'n Breitbildfernseher, das stimmt doch noch?

Sekretärin : Nein, tut mir Leid, das geht nicht. Sind Sie denn sicher, dass Sie überhaupt ... von wo rufen Sie denn an, Herr ...

Anrufer : Stötzer aus Hinterhermsdorf, das hier ist meine Frau. Wir haben noch nie was gewonnen. Was? Ach so, ja die Küchenmaschine bei der Blumenfirma, da bei den Holländern. Na das war auch so'n Reinfall. Das muss ich Ihnen jetzte mal sagen, da stand groß und breit, es wäre eene, eine vollautomatische Handküchenmaschine. Und dann war das so ein Quirl, also so zwei Quirls nebeneinander, wo man selber drehen musste ... (in den Hintergrund) was? Na ja weiß ich doch, dass die das nicht interessiert, aber da dürfen 'se das eben nicht machen. Fräulein, sind Sie noch dran? Sie können ja nichts dafür, Sie sitzen da ja jetzt auch nur am Telefon, aber wenn 'se sowas machen, brauchen 'se sich nicht zu wundern, wenn sich jemand aufregt. Was? Ich reg' mich doch gar nicht auf. Ach Fräulein, meine Frau, die Erika, die regt mich langsam auf. Erst passiert sowas immer, und dann muss ich ran und muss die Sache ausbaden. Dann heißt's immer: Willy mach' mal, so sind die Frauen, ich meine, nichts gegen Sie, Fräulein.

Sekretärin : Herr Stötzer, haben Sie denn am Hamburger Presseball teilgenommen?

Anrufer : Ich hab' schon jahrelang bei den Holländern Blumen bestellt, seit gleich nach der Wende, als das losging. Da haben die doch überall so ein Katalog verschickt, an einen persönlich, Willy Stötzer, Glaubitzer Weg 25a, in Hinterhermsdorf, wo die meine Adresse her hatten, weiß ich bis heute nich ... was? Ja, weiß ich selber, also nich Glaubitzer Weg, das war unsere frühere Adresse, dann sind wir umgezogen. Jetzt wohnen wir: Schkeuditzer Straße 111. Haben Sie das eigentlich schon geändert, Fräulein ... ich hab' mir Ihren Namen vorhin nich gemerkt.

Sekretärin : Ranke-Herrmann, Herr Stölzel es geht hier um die Prämiengewinne aus der Presseball-Verlosung, ich bin mir nicht ganz sicher, ob Sie darüber Bescheid wissen ...

Anrufer : Na klar weiß ich Bescheid. Die denken immer alle, wir hier im Osten leben hinterm Mond und hätten den Quirl noch nich erfunden... was? Das war doch jetzt nich beleidigend gemeint ... Fräulein

Sekretärin : Ranke-Herrmann

Anrufer : Fräulein Herrmann, war das jetzt beleidigend?

Sekretärin : Das zu beurteilen liegt nicht in meiner Kompetenz, Herr Stölzel. Wir haben hier einen Prämiengewinn auf die Nummer E 022, der von dem Gewinner gefälligst abgeholt werden möchte. Ich weiß gar nicht recht, wie Sie an uns geraten sind.

Anrufer : Na über die Telefonnummer natürlich, die steht doch da.

Sekretärin : Und haben Sie diese Prämiengewinn-Nummer?

Anrufer : Na ja, das isses doch gerade, was ich Ihnen erklären will. Also bei allem Respekt, Fräulein Herrmann, mit den Holländern konnte ich mich auch ganz gut verständigen am Telefon, obwohl ich kein Wort Holländisch kann. Die waren nämlich auch gar nicht in Holland, dort waren nur die Produktionsanlagen. Im ersten Jahr hab' ich fünfundzwanzig Thujabäumchen bestellt und ... was? Ja, also ich kürze das mal ab, und jedesmal haben wir angeblich was gewonnen und immer den Hauptgewinn, immer den Breitbildfernseher. Wir hatten ja immer noch den alten Baluga, den sowjetischen, na jetzt kann man ja wieder russischen sagen. Und bei dem Los mussten wir drei kreisrunde Felder aufrubbeln, am besten mit'm Geldstück, und da kamen dann so Bildchen zum Vorschein, also 'n Kleeblatt oder ... was? Ach ne, das mit den Bildchen war woanders, ich glaub' beim Möbelhaus. Also dann standen da so Nummern da und die konnte man vergleichen mit dem Hauptgewinn und - ich kürz mal ab - jedesmal hatten wir den Hauptgewinn gewonnen. Fräulein Herrmann, ich sag Ihnen was, von Rechts wegen müsste bei uns jetzt in jedem Zimmer ein Fernseher stehen.

Sekretärin : Dann müssen Sie bitte bei dieser holländischen Blumenfirma anrufen, ich kann Ihnen da nicht weiterhelfen.

Anrufer : Ne ne, Moment mal. Hier steht schwarz auf weiß, man soll sich bei Ihnen im Büro melden.

Sekretärin : Ja, aber das betrifft nur die Prämiengewinner vom Presseball, wir sind hier kein Pflanzenversand, Herr Stölzel.

Anrufer : Stötzer bitte schön.

Sekretärin : Was?

Anrufer : Willy Stötzer aus Hinterhermsdorf. Sie haben doch den Breitbildfernseher, Losnummer ... Moment ... H 125, den der Gewinner abholen soll. (Pause) Ich kann ja nun schlecht erst nach Hamburg kommen, und meine Frau auch nich, die hat nämlich einen Bandscheibenvorfall noch aus DDR-Zeiten, weil se die nämlich falsch behandelt haben. Sie wissen gar nicht, wie das war, da war ... was? Ja ja, das sag' ich ja jetzte. Und der Herr Schmitz von Ihrem Büro hat ausdrücklich gesagt, wir sollen anrufen und die Empfangbestätigung quittieren, dass das auch alles ordnungsgemäß geregelt wird, na wir hätten früher gesagt, damit das alles seinen sozialistischen Gang geht.

Sekretärin : Was denn für ein Herr Schmitz?

Anrufer : Na, der Herr Schmitz, der hier war und uns das mit der Versicherung mitgeteilt hat.

Sekretärin : Tut mir Leid, es gibt bei uns keinen Herrn Schmitz.

Anrufer : Vielleicht kennen Sie ihn bloß nicht, Fräulein Herrmann, das ist doch ziemlich groß, dort wo Sie arbeiten.

Sekretärin : Das stelle ich nicht in Abrede, aber wenn der Herr Schmitz mit der Abwicklung der Prämiengewinne befasst wäre, würde ich ihn kennen.

Anrufer : Wir haben hier auch seine Visitenkarte, Wendelin G. Schmitz, Generalvertreter steht drauf.

Sekretärin : Und der Herr Schmitz hat Ihnen gesagt, Sie hätten einen Prämiengewinn bei uns gewonnen?

Anrufer : Er hat es uns nicht nur gesagt, er hat es uns versichert. Sie glauben mir wohl nicht?

Sekretärin : (schweigt)

Anrufer : Wir haben hier die Polise, da steht ... Moment ... Lebensversicherung nach Tarif E 022. Es ist sogar eine Verbundene Lebensversicherung hat er gesagt, für meine Frau auch mit. Dafür haben wir auch beide unterschrieben.

Sekretärin : Und wie kommen Sie darauf, dass wir etwas damit zu tun haben?

Anrufer : Also Entschuldigung Fräulein Herrmann, ich dachte, das wüssten Sie selber. Der Herr Schmitz hat gesagt, wir sollen uns bei Ihnen melden wegen der Erledigung der Regular... der Rekapi... also wegen der Abholung, so wie es auch in der Zeitung veröffentlicht worden ist. Ich habe auch die Zeitung hier liegen. Er hat gesagt, er könnte natürlich nicht die Versicherung selber übergeben, bei der Summe, das kann er ja nicht mit sich herumtragen durch halb Deutschland.

Sekretärin : Ja, ja. Ich würde Sie bitten, Herr Stötzer, rufen Sie den Herrn Schmitz an und klären Sie alles Weitere mit ihm. Auf der Visitenkarte steht doch bestimmt seine Telefonnummer.

Anrufer : Ja ... was? Ach so, meine Frau fragt, wo die Ostseekreuzfahrt eigentlich lang geht.

Sekretärin : Die Ostseekreuzfahrt? Was weiß ich, durch die Ostsee.

Anrufer : Was? Auch bis nach Leningrad? (In den Hintergrund) Mensch, das heißt doch jetzt wieder Sankt Petersburg. Auch bis nach Sankt Petersburg?

Sekretärin : Na ja, liegt denn Petersburg in der Ostsee? Dann geht's auch dahin. (etwas spöttisch) Haben Sie etwa auch die Ostseekreuzfahrt gewonnen?

Anrufer : (arglos) Ne ne, schön wär's, meine Frau wollte schon immer mal da hin, wegen die Weißen Nächte. Aber über 'n Umtausch von dem Gewinn woll'n Sie nich so gern reden, Fräulein Herrmann, das hab' ich vorhin schon gemerkt, oder?

Sekretärin : Rufen Sie einfach den Herrn Schmitz an. Ich bin sicher, er findet eine Lösung. Tschüss und alles Gute dann noch, Herr Stölzel. (legt auf)

Anrufer : Ja Tschüss, und Danke nochmal. (legt auf und telefoniert gleich weiter)

Sekretärin : Hallo? Herr Stölzel, was gibt es denn noch?

Anrufer : Frau Herrmann?

Sekretärin : Ja, was ist denn noch, Sie sollten doch den Herrn Schmitz anrufen.

Anrufer : Das hab' ich auch gemacht.

Sekretärin : Nein, Sie haben mich noch mal angerufen. Sie müssen die Nummer auf der Visitenkarte wählen.

Anrufer : Das hab' ich auch gemacht, und da bin ich jetzt wieder bei Ihnen gelandet. Sie kennen ihn also doch.


 

Seitenanfang Bibelfest