Richard Koenig


Geschichte eines Sommers



Katharina, die Heldin unserer Geschichte, besucht mit ihren Bekannten - unter ihnen ist ihr Bruder Henry, der sie auf der Reise nach Weimar begleitet - das "Korn'sche Haus", in dem sich eine bunte Gesellschaft zusammengefunden hat.

Nachdem Henry eine Weile den recht anstrengenden Diskussionen der Herren zugehört hat, widmet er sich den Damen der Runde.



Henry ging zu den Damen. Katharina lächelte ihm zu und hob die Augenbrauen. Er machte eine vielsagende Geste zu den Herren hinüber, die er gerade verlassen hatte. Man sprach über das Wetter, und das gefiel Henry besser als irgendwelche philosophischen Probleme und deren verehrte oder unliebsame Vertreter. Er betrachtete die Frauen mit höflicher Zurückhaltung und wandte immer derjenigen, die sprach, den Blick zu.

"Es liegt am Wetter, diese Hitze, tagelang kein Luftzug, keine Frische, die Atmosphäre steht. Selbst nachts dasselbe, als ob sich die Erde nicht mehr bewegen würde. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt so viele Nächte nacheinander ohne Zudecke geschlafen habe." "Erst gestern abend hat es geregnet. Ich war bei den Rossbergs zum Konzert, und gerade, als ich das Haus verlassen hatte, hat es angefangen, ich bin wirklich nass geworden."

"Regen nennen Sie das? Das war kein Regen, nein, Regen sieht anders aus. Regen ist ein Naturgesetz, das besteht nicht nur aus einer Handvoll Tropfen, die ausnahmsweise vom Himmel fallen. Das war höchstens eine vereinzelte Wolke, die es nicht mehr ausgehalten hat stillzustehen, vielleicht ist sie sich selber überdrüssig geworden; zufällig stand sie gerade über Ihnen." "Glauben Sie etwa nicht, dass sich das allgemeine Klima wandelt? Man sagt, dass es in letzter Zeit viel trockener ist als früher, die ganzen letzten Jahre gibt es längere Perioden von größerer Trockenheit, seit geraumer Zeit schon. Ernst Christian, Sie kennen sich doch damit aus, was ist Ihre Meinung?"

Der so Angesprochene hatte sich unterdessen ganz leise mit der Dame neben ihm unterhalten, und es schien, dass die, die ihn jetzt um eine Auskunft bat, sein heimliches Gespräch stören wollte. Aber Ernst Christian ließ sich nichts anmerken und antwortete, als habe er aufmerksam zugehört: "In der Tat, es gibt Experten, die sehen schon eine nächste Warmzeit voraus, die Atmosphäre erwärmt sich, das Eis an den Polkappen schmilzt und der Wasserspiegel der Ozeane steigt. Wenn es eintrifft, was vorausgesagt wird, dann werden manche Städte in Zukunft unter Wasser stehen."

"Mir macht dieses Wetter nichts aus, im Gegenteil, ich fühle mich heute viel frischer." "Wie meinen Sie das, die Städte werden unter Wasser stehen?" "Da sehen Sie, was Sie angerichtet haben mit ihren Weissagungen, das sind doch alles nur vage Vermutungen, nichts ist bewiesen, gar nichts bewiesen. Sie beunruhigen die Damen nur", sagte die Störerin. "Nein, lassen Sie ihn doch ausreden, Madame Rickert, Sie schimpfen immer gleich, wenn jemand etwas sagt, das Ihnen neu erscheint."

Ernst Christian bemühte sich zu erklären. "Dass Wasser bei einer gewissen Temperatur zu Eis gefriert, das steht doch fest. Aber es bleibt nur solange Eis, wie es die Umgebungstemperatur erlaubt. Steigt die Umgebungstemperatur, dann beginnt das Eis zu schmelzen, deswegen haben wir auch im Sommer keine Eiszapfen an den Dächern hängen."

Eine hübsche junge Frau, der Henry vorzugsweise seine Beachtung schenkte, sagte "Das mag stimmen, was Sie sagen, ich will das gar nicht bestreiten. Aber man kann doch einen Eiszapfen nicht mit einem Eisberg am Nordpol vergleichen, der ist zig mal so groß wie unser herzogliches Schloss. Der hat so viel innere Kälte, dass die Umgebungstemperatur gar nicht bis hinein gelangt." Sie warf Henry einen kurzen Blick zu, der vielleicht bedeuten sollte: Ich habe bemerkt, wie Sie mich beobachten. Henry war beeindruckt von dem was sie sagte und vor allem davon, wie sie ihre Hand mit einem kleinen neckischen Schwung durch die Luft wirbelte.

Eine Ältere meinte gemächlich "Das kann ich verstehen, die Hitze macht mir komischerweise gar nichts aus. Ich bin heute viel feinfühliger, es wird mir heute alles schneller klar als sonst. Deshalb verstehe ich das auch." "Sie werden das doch nicht auf eine innere Kälte zurückführen wollen." "Oh, so habe ich es nicht gemeint."

Ernst Christian schob eine Erklärung nach. "Natürlich schmilzt ein Eisberg nicht von innen heraus, aber was so groß ist, hat auch eine große Oberfläche, und an der Oberfläche schmilzt er in einem fort. Stellen Sie sich diese Oberfläche ausgebreitet vor, ein Areal ungefähr so groß wie unsere Stadt. Und darauf eine Eisschicht von nur einem Zentimeter. Man kann jedes Jahr sehen, dass eine so dünne Eisschicht schmilzt, wenn es wärmer wird."

"Sie meinen, der Eisberg verliert jedes Jahr einen Zentimeter von seiner Außenhaut?" "Ungefähr einen Zentimeter, mal mehr mal weniger." "Es kann aber auch sein, dass meine Umgebung heute empfindlicher auf mich reagiert", sagte die Ältere. "Was meinen Sie?" "Weil ich so feinfühlig bin trotz der Hitze, Pardon, der äußerlichen Erwärmung, haben wir ja gelernt. Das ist doch paradox, nicht wahr?" "Dann werden wir irgendwann überschwemmt werden?" "Nun hören Sie auf mit dem Unsinn, wir liegen so hoch, dass das Wasser nicht einmal in unseren Keller laufen würde." "In den Keller? Wir haben alle unsere Vorräte im Keller, das ist nämlich der einzige Ort, wo es noch einigermaßen kühl ist." "Fjodor Alexejewitsch, nun sagen Sie doch auch einmal was dazu. Sie sitzen hier schweigsam herum und tun so, als ob Sie über diesen Dingen schweben würden, das ist nicht gerecht."

Henry entdeckte an der Seite auf einem Divan lässig hingestreckt einen Mann mit langen, ziemlich fettglänzenden, strähnigen Haaren, unrasiert, mit einer dicken Zigarre, dessen Qualm Henry eben schon aufgefallen war, als er hinter den Frauen, die vor dem Divan standen, hochgestiegen war. "Das nennen Sie sitzen, meine Teuerste? Ich meine, er lümmelt." "Dafür ist unser Fjodor Alexejewitsch bekannt, nicht wahr?"

Fjodor Alexejewitsch machte einen tiefen Zug an der Zigarre, seine dunklen, ein wenig melancholischen Augen schienen in Bewegung zu kommen, er wollte etwas Wohlüberlegtes erwidern, doch Ernst Christian sagte: "Natürlich betrifft es die Städte, die ohnehin schon nahe am Wasser liegen, Amsterdam, Venedig, Lissabon." "Oder an einem Strom, wie Köln und Dresden." "Nein, nicht die am Strom, was hat denn ein Strom mit den Ozeanen zu tun, das ist ja nun wirklich eine reine Binnenlandangelegenheit, es ist eine Kuriosität, dass wir uns überhaupt damit befassen." "Wer denn sonst?" "Was weiß ich, die Matrosen." "Aber jeder Strom mündet irgendwo in einen Ozean."

"Ah, mir tut die Klarheit gut. Antonia, fassen Sie meine Hand, ist sie eher kalt oder warm, aber überlegen Sie, bevor Sie antworten. Der Arzt hat gesagt, ich hätte immer so kalte Hände." "Venedig? Das ist doch sozusagen schon überflutet, nach dem was man ständig hört." "Ja, anderen Städten würde es ähnlich ergehen, sie könnten zu einem neuen Venedig werden." Da sagte Fjodor Alexejewitsch, und es klang, als hätte er ein solches Projekt schon vor Jahren in Angriff genommen: "Wir könnten hier Kanäle bauen und Weimar zu einem neuen Venedig machen." "Fjodor Alexejewitsch, Sie sind umwerfend. Was für ein Gedanke. Kanäle, Brücken, Gondolieren, der Imsepark eine Lagune, wir würden Weimar mit V schreiben."

"Ich sagte doch, das Wasser würde nicht mal den Kellerboden bedecken." "Es soll ja auch nicht in den Keller, was nützt es uns da?" "Man könnte es stauen und umleiten, das wäre ein Gaudi, endlich einmal wieder eine große Aufgabe." "Oh, ich würde Euch fortan in meiner eigenen Gondel besuchen. 'Charlotte, schau mal nach draußen, siehst du meine neue Gondel, die blauweiß gestreifte mit dem roten Band, das in der Brise flattert.' Fjodor Alexejewitsch, ich würde Sie zu meinem Gondolieri machen, sie bekommen eine schicke weiße Hose und ein Matrosenhemd und einen Strohhut, und Sie müssten mich einmal am Tag nach Belvedere gondeln." "Und zurück." "I wo, dann müssten Sie ja solange warten und wären ständig bei mir. Nein zurück geht es doch bergab, da trägt mich die Strömung." "Was tun Sie denn da?" "Ich ziehe meine Handschuhe an, mir ist kühl, jawohl. Antonia, ich stelle Ihnen eine Frage und Sie müssen sagen, was Sie dabei denken: Was denken Sie dabei?" "Ich denke, es ist ungewöhnlich, bei dieser Wärme Handschuhe zu tragen." "Sehen Sie, sehen Sie, Sie haben bei Ihrer Antwort nur an mich gedacht. Der Grund, weshalb ich heute so feinfühlig bin, ist, weil meine Umgebung empfindlich auf mich reagiert." "Aber was hätte sie denn antworten sollen?" "Nein, nein, das ist schon in Ordnung. Eine spontane Antwort ist mir lieber als eine berechnende. Wann können wir denn nun mit dieser Eisschmelze rechnen." "Oh, Ernst Christian, verderben Sie uns nicht den Spaß. Vielleicht ist es ja morgen schon da, das Wasser." "Ich glaube, ich muss Sie enttäuschen, solche Prozesse dauern sehr lange, bis der Effekt eintritt." "Ja, aber da eigentlich niemand weiß, wann die Erwärmung angefangen hat, könnte es morgen schon soweit sein."

Bei der lebhaften Unterhaltung hatte man das Läuten an der Tür überhört. Anscheinend war das Dienstmädchen gerade nicht zur Stelle und die Köchin hatte den jungen Leutnant eingelassen, der den Doktor Messerschmidt zu sprechen wünschte. Er stellte sich als Bernhard Jacob vor und machte einen sehr schüchternen Eindruck.

Er war hochgewachsen und hatte ein weiches, fast kindliches Gesicht, helle lockige Haare und trug eine gepflegte Uniform, die ihm wie nach Maß geschneidert passte. Reihen goldener Knöpfe prangten auf der tiefblauen Jacke, die vorn und an den Ärmelaufschlägen mit leuchtend roten Partien besetzt war. Die helle Hose steckte in grauen Strümpfen, die eng anliegend bis über die Knie reichten und an der seitlichen Naht geschlossen waren. Auch wurden die schwarzglänzenden Lederschuhe teilweise von ihnen bedeckt. Ein breiter, weißer Schulterriemen verlief quer über die Brust und am ebenfalls weißen Gürtel hing ein Säbel, dessen Griff er umfasste, während er in der anderen Hand die geschwungene Mütze hielt. Alles war sehr schön aufeinander abgestimmt, und als Jacob den Salon betrat, flogen ihm die Blicke der Damen entgegen; einer solchen Gestalt hatte es gerade noch gemangelt. Nur Fjodor Alexejewitsch, der mit dem Rücken zur Tür lag, rührte sich nicht.

Ein Seufzer der Bewunderung ging durch den Raum, und Madame Rickert nutzte die Minute des Staunens und sprang dem Leutnant, die Hand ausstreckend, entgegen. Er wich erschrocken vor ihr zurück und erregte allgemeine Heiterkeit. "Stehe Ihnen zu Befehlen, mein General." Angeregt vom reichlichen Genuss der Erdbeerbowle wackelte die Rickert in Soldatenmanier vor ihm herum. "Was gilt's? Die Stellung des feindlichen Regiments zu occupieren, oder sind Sie gekommen (dabei machte sie eine herrische Geste in die Damenrunde), das zerstreute Korps zu sammeln?" "Doktor Messerschmidt", stammelte der Leutnant, "ich suche den Doktor."

Er schaute über alle hinweg in das andere Zimmer, wo er die Männer erspäht hatte. "Wollen Sie sich nicht wenigstens vorstellen?" sagte Antonia, sich Luft zufächelnd. Jacob erschrak wiederum, diesmal über sein stilloses Benehmen, nahm eine straffe Haltung an, so dass auch die Rickert zusammenzuckte und rief mit hoher Stimme: "Leutnant Jacob, Achtes Selchower Kürasierregiment." Dann setzte er hinzu "Habe den Auftrag, Doktor Messerschmidt betreffs einen dringenden Notfalls zu suchen." Die Rickert hatte, zu den anderen gewandt, seine Meldung mit diktierenden Handbewegungen begleitet. Dem Leutnant standen inzwischen Schweißperlen auf der Stirn. "Doktor Messerschmidt ist dort drüben", sagte die hübsche junge Frau, die vorhin Henry zugeblinzelt hatte.

Er schritt ins Nachbarzimmer, stellte sich nach der nicht eben zufriedenstellenden Begegnung mit den Damen unvermittelt vor und nannte sein Anliegen. Er kannte weder den Messerschmidt noch einen anderen der Herren. Freiherr Marchlewitz, ein alter Kämpfer, der selbst ohne Uniform den Habitus des Generals erkennen zu lassen glaubte, fragte den Leutnant aus, ohne den Grund seines eiligen Besuchs zu beachten. "Seit wann dienen Sie?"

Leutnant Jakob wusste nicht recht, was er von dem Herrn halten sollte, aber seines hohen Alters und der aufrechten Erscheinung wegen antwortete er und nannte eine Jahreszahl. "Da haben Sie ja zeitig angefangen." "Mit Vierzehn." "Bei den Selchowern, sagten Sie." "Angefangen habe ich beim Köpenicker Kurierbataillon, aber eine Verletzung zwang mich zum Wechsel ins Zweiundzwanzigste Feldjägerregiment nach Prenzlau." "Was für eine Verletzung war das?" Jakob zögerte. "Ach, keine Kriegsverletzung, wie Sie vielleicht denken." "Nun, dann wollen wir auch nicht weiter fragen", meinte Marchlewitz, als handele es sich um eine Zeugenaussage.

"Prenzlau", grübelte er mit dem Ausdruck der Vetternschaft auf dem Gesicht, die alle hohen Militärs auf der Welt verbindet, und kämpften sie selbst auf verschiedenen Seiten. "Da kennen Sie vielleicht den Hauptmann von Kleist." "Kleists gibt es viele, sogar Hauptleute, mein Herr", meinte der Leutnant und befürchtete aufgehalten zu werden. "Ja das stimmt, ich meine einen Wernher von Kleist, er war seinerzeit in Prenzlau." "Hauptmann Wernher von Kleist wurde gerade in Ehren aus dem aktiven Dienst entlassen, als ich nach Prenzlau kam." "Und wann war das?" Der Leutnant nannte ohne zu überlegen wieder eine Jahreszahl.

"Das stimmt, erstaunlich", murmelte Marchlewitz, der mit den Antworten des jungen Mannes sehr zufrieden war. "Wie kommt es, dass ein preussischer Offizier in unserer Stadt weilt, davon weiß ich gar nichts", sagte Marchlewitz, als ginge er in Gedanken alle im Herzogtum stationierten Truppen durch. "Wir sind in Apolda kantoniert, als Teil einer speziellen Operation." Damit beschloss er, die Erkundigung zu beenden. "Aha, und was für eine Operation ist das?" "Verzeihung mein Herr, ich bin aus einem dringlichen Grund hier, sind Sie Doktor Messerschmidt?" "Ich verstehe, nein, ich bin Friedrich Wilhelm Marchlewitz, General a. D."

Leutnant Jakob, der schon von einem Offizier dieses Namens gehört hatte, war für einen Moment unschlüssig, ob er die Unterhaltung fortsetzen oder einstweilen unterbrechen sollte, doch Doktor Messerschmidt meldete sich und fragte, weshalb man ihn zu sprechen wünsche. Der Leutnant erklärte in kurzen Sätzen, dass ein gewisser Herr von Warneburg nach ihm rufe, weil seine Gemahlin einen plötzlichen Fieberanfall erlitten habe und den Doktor bitte, nach ihr zu sehen." Messerschmidt nickte. "Wie kommt es, dass er Sie hierher schickt?" Der Leutnant erklärte weiter, dass er seinen Vorgesetzten bei einem Besuch des Hauses des G. begleitet habe, wo sich auch der besagte Warneburg befand. Und während dieser sogleich auf die Nachricht des Krankheitsfalles nach Hause geeilt sei, sollte er, der Leutnant, den Doktor ebenfalls dorthin bringen. "Sie versehen, scheint es, einen ausgezeichneten Dienst, Leutnant", lobte Marchlewitz, der gern noch mit ihm geplaudert hätte.

Leutnant Jakob wusste nicht, was daran besonderes sein sollte und wollte sich von den Herren verabschieden. "Wissen Sie denn, wo Herr von Warneburg wohnt?" "Nein." "Sie müssen auch gar nicht mitkommen, bleiben Sie noch ein wenig hier und vertreten mich oder unterhalten Sie die Damen, das können Sie bestimmt besser." Jakob konnte nicht erkennen, ob diese letzte Bemerkung seine Unkenntnis des Ortes betraf oder tatsächlich eine mangelnde Unterhaltsamkeit des Doktors. Der Gedanke, seinen Auftrag, der ja ein Befehl war, nur halb auszuführen, widersprach seinem Pflichtgefühl. "Es tut mir Leid, Herr Doktor Messerschmidt, wenn ich Ihrem Wunsch nicht entsprechen kann, aber ich muss Sie bis zum Warneburg'schen Domizil begleiten." "Junger Mann, ich versichere Sie, dass Sie derowegen keine Schwierigkeiten bekommen werden und sich er schaute die anderen ermunternd an die anwesenden Damen und Herren gewiss nur löblich über Sie äußern." Ein Gemurmel der Zustimmung bekräftigte seine Worte, während dem Leutnant unwohl war bei dem Gedanken, es könnte nachher, warum auch immer, jemand nachteilig über ihn berichten.

Messerschmidt ging und der Leutnant stand noch den Blick zur Tür gerichtet als wollte er ihm doch lieber folgen, da brach ein Gewitter von Fragen aus der Damen Runde los, die alle und jede für sich, den Vorgang mit der Frau von Warneburg haarklein aus seinem Munde zu erfahren wünschten. Jakob hätte in den Boden versinken mögen, und Fjodor Alexejewitsch sagte verächtlich: "Tja, mein Freund, das haben Sie nun von Ihrer Dienstbeflissenheit."

Wie denn die genaue Benennung des Krankheitsbildes gelautet habe? Ob es wirklich ein plötzlicher Fieberanfall gewesen sei oder ein Migräneanfall oder eine heftige Übelkeit? Ob genauere Umstände, Symptome, Maßnahmen mitgeteilt worden seien? Ob diese Frage fand allgemeines Interesse irgendetwas darauf hingedeutet habe, dass es sich nicht um Frau von Warneburg, sondern um das Fräulein von Warneburg gehandelt habe? Überlege er noch mal genau! Nein, er habe "gnädige Frau" verstanden, meinte der Leutnant, der von Frage zu Frage unsicherer wurde. Wie der Herr von Warneburg auf die Nachricht reagiert habe? "Ganz normal." "Normal? Um Himmels Willen, es ist doch ein Notfall?" rief Madame Rickert und lud ihre Entrüstung zu gleichen Teilen auf Jakobs und auf des Warneburg Gelassenheit ab. Wer denn die Nachricht von der plötzlichen Erkrankung gebracht habe?

Das könne er nicht genau sagen, weil er sich gerade in einem Nebenzimmer befand. Aber er müsse sich an den Boten erinnern, das sei wichtig. War es eine Frau oder ein Mann? Eine Frau, glaube er. Der Leutnant bekam ein paar Beschreibungen von Personen, die eventuell in Frage kämen, und legte sich vage auf eine fest, die aber offenbar nur größere Ratlosigkeit hervorrief. "Die Weitersbach kann es nicht gewesen sein, denn soviel ich weiß, befindet sie sich gar nicht in der Stadt", versicherte jemand. Warum er sich denn ausgerechnet in diesem Moment, als die Nachricht eintraf, im Nebenzimmer aufgehalten habe, und mit wem, fragte eine. Diese Frage brachte ihr jedoch nur missbilligende Blicke ein, weil sie überhaupt nicht hierher gehörte. Nun gut, wie er aber, wenn er im Nebenzimmer war, wissen könne, dass es sich definitiv nicht um das Fräulein von Warneburg handelt? Schon besser.

Ob irgendein, auch nur das mindeste Anzeichen bei der Nachricht oder der Reaktion des Herrn von Warneburg in Zusammenhang gebracht werden könne mit einem besonderen Zustand, in dem sich das "Fräulein von W" befinden könnte? "Wie soll ich das wissen?" meinte der Leutnant etwas patzig. "Er hat recht", sagte Antonia und beschwichtigte die Neugierigen, "es genügt, wenn er uns sagen würde, dass ein solches Anzeichen bemerkbar war, den Zusammenhang stellen wir dann schon selbst her." Damit erntete sie großes Gelächter und niemand war dem armen Leutnant böse.

"Da war noch etwas", meinte er, und ein kleiner Schauer des Erschreckens erfasste die Frauen. "Was? So reden Sie?" "Als er die Nachricht erhalten hatte, fiel dem Herrn von Warneburg ein, dass er in seiner Tasche ...", der Leutnant stockte und äußerte in militärisch korrektem Ton: "Nun ich weiß nicht, ob es mir meine Dienstordnung erlaubt, darüber Auskunft zu erteilen."

Es hätte ihn sicherlich wenig heldenhaft zu Boden geworfen, wenn einige der Blicke, die ihn jetzt trafen, tödlich gewesen wären. Aber eine merkwürdige Bewegung seines Oberkörpers, die seiner preussischen Steifheit einen fast antiken Schwung gab und sein Haupt mit der wallenden lockigen Mähne eine halbe Drehung vollführen ließ, beeindruckte die weiblichen Gemüter derart, dass einige Augenpaare aus sanfter Scheu für einen Moment sich schlossen und das aufgeregte Gezwitscher verstummte wie beim Auftritt eines prächtigen Hirsches auf der Lichtung des Waldes.

Aber das Publikum holte nur Luft. Madame Rickert, die glaubte bemerkt zu haben, dass der junge Leutnant zu dem alten General hinübergeschaut hatte, gab der Tür zum Nebenzimmer einen Stoß, behutsam wie beim Billardspiel, und alle verfolgten, wie sie langsam in den Angeln herum schwenkte und nur noch durch einen schmalen Spalt das Bramarbasieren der Männer drang. "Nun, Herr Leutnant, entledigen Sie sich doch erst einmal Ihres fürchterlichen Säbels, Sie sehen, wir alle hier sind unbewaffnet."

Der Leutnant tat wie ihm gehießen und fuhr ganz sachlich und wirklich viel gelockerter fort. "Indem er in seiner Tasche ein Medikament trug, das er selbigen Tages in der Apotheke auf Anraten des Arztes für die besagte Patientin abgeholt hatte und dessen er mittlerweile nicht mehr gedachte."

Es schien, als suchte Jakob nach seinem eigenen Vortragsstil. "Nun er aber, durch die prompte Nachricht erinnert, das Fläschchen herauszog, sich an den Kopf schlug ..." "Was? Er hat es sich an den Kopf geschlagen?" "Sich mit der Hand an den Kopf schlug und rief: 'Ach, die Medizin, wie konnte ich das vergessen'. Dann warf er noch einen flüchtigen Blick auf die Uhr das sah ich genau, denn die Uhr befand sich im selben Zimmer wie ich und verließ dasselbige eilends. Und wenn Sie mich jetzt für einen Augenblick entschuldigen, meine Damen, Danke." Damit sprang er zur Tür hinaus. "Ihr habt ihm eine Beschwernis verursacht", knurrte Fjodor Alexejewitsch, "mit eurer garstigen Penetranz." Niemand hörte auf ihn.

Während der nächsten Viertelstunde wurde natürlich über das Medikament debattiert, wobei man zu dem Schluss kam, dass man nichts Genaues sagen könne, solange man nicht wüsste, ob es sich um Tropfen, Pulver oder Tabletten gehandelt habe. Bedauerlicherweise pausierte der Leutnant länger als erwartet. Er hatte sich nämlich, nachdem er auf der Toilette Erleichterung gefunden hatte, aufgrund seines Orientierungsmangels in die Küche verirrt. Man brauchte also einen Experten, der in der Zwischenzeit die Damen über den Sachverhalt an sich, also in Absehung der wirklichen Ereignisse, informierte.

Da kam Adalbert Korn aus dem linken Nebenzimmer, wohin sich eine kleine Gruppe verzogen hatte, die den anstrengenden und zum Teil lautstarken Debatten entlaufen war.

Er hielt vier leere Bowlegläser in Händen und war im Begriff "Sie erlauben, meine Damen" sie neu zu füllen, als die Rickert, die es außerdem neidete, dass er die Luise Gerber aus ihrem Kreis weggelockt und in ein offenbar sehr angeregtes Gespräch verwickelt hatte, mit der Aufforderung festhielt: "Adalbert, Sie kommen gerade recht, Sie haben doch auch Medizin studiert, erklären Sie uns einmal folgenden Unterschied", und sie setzte ihn kurz von dem Problem in Kenntnis, natürlich ohne Namen zu nennen.

Adalbert wandte ein, dass er nicht Medizin, sondern Rechtswissenschaft studiert habe, allerdings in seiner Tätigkeit als Anwalt vor Jahren ein Gutachten für einen berühmten aber umstrittenen Homöopathen, namens Hahnemann erstellt habe, der im Gothaischen eine Heilanstalt eröffnet hatte. Diesbezüglich musste er sich auch mit der Arzneilehre beschäftigen und könne durchaus etwas darüber mitteilen.

"Tropfen", begann Adalbert, noch immer die leeren Gläser in Händen haltend, "lindern, wie man weiß, akute Beschwerden, helfen schnell, weil sie durch die unentwegt im Körper zirkulierenden Säfte binnen kürzester Zeit an die Stelle gelangen, wo sie am nötigsten gebraucht werden."

Dabei beschrieb er mit den Gläsern kreisförmige Bahnen und steigerte sich im Verlauf seiner Darstellung zu einem wahren Jongleur, indem er versuchte, sie nebenbei zu füllen, um rasch wieder ins Nebenzimmer abgehen zu können. "Sie eignen sich daher vorzüglich in Fällen, wo schnelle Hilfe geboten ist. Ein Pulver dagegen muss meist erst aufgelöst in Wasser zur Flüssigkeit gemacht und damit der Tropfenhaftigkeit angenähert werden. Aber man braucht eine höhere Dosis davon, was bedeutet, dass es niemals so punktgenau wirksam sein kann wie Tropfen. Tabletten ganz und gar verlangen, dass sie verdaut werden, sind also einer vergleichsweise längeren Verarbeitung unterworfen und wann ihre Wirkung einsetzt, kann ebendeshalb nur innerhalb einer gewissen Zeitspanne vorhergesagt werden."

Damit waren seine Gläser wieder voll, durch die ganze Schwenkerei wusste er nun nicht mehr, wem welches Glas zuzuordnen war, nahm es mit einem Achselzucken hin und empfahl sich.

Die Damen zogen ihre Schlußfolgerungen. Wenn es also Tabletten in Warneburgs Arzneifläschchen waren, dann dürfte ihre Verabreichung zwar dringend, und seine Säumigkeit nicht zu entschuldigen sein, aber die Erkrankung, da sie durch die Tabletten lediglich erträglich gemacht würde, von einem äußerst hartnäckigen Grundübel hervorgerufen sein, und ihr Verlauf, trotzdem er im ganzen absehbar sei, noch einige Überraschungen bereithalten; wie es ja das überfallartige Erscheinen des jungen Leutnants mit seinem Hilfeersuchen gezeigt hatte.

Und da man wusste, dass Frau von Warneburg auch in der Vergangenheit bereits an heftigen Beschwerden laborierte, lag die Vermutung nahe, in ihr die bedauernswerte Patientin zu erkennen zu können. Tropfen leisteten bei ihr ganz und gar den verkehrtesten Dienst, würden stattdessen auf etwas hindeuten, das nicht ursächlich zu heilen erforderlich wäre, sondern dessen lästige Begleitsymptome beseitigt würden.

"Also eigentlich gar keine richtige Krankheit", meinte Antonia. "Und was ist mit dem Pulver?", warf eine nachdenklich ein. "Wie meinen Sie das?", fragte die Rickert, der die Frage, mehr noch der Ton missfiel. "Na, das Pulver, von dem die Rede war." "Niemand hat ernstlich von dem Pulver gesprochen, wir haben es ja nur erwähnt, weil es in die Aufzählung mit hinein gehört."

Dieser Rechtfertigungsgrund schien sehr konstruiert und verstärkte nur die Unbehaglichkeit, die plötzlich unter einer Decke des Schweigens hervorkroch. Die Dame mit den Handschuhen erhob sich und öffnete das Fenster weit. "Puh, es ist schwül geworden."

Als der Leutnant Jakob wieder erschien, waren die Frauen immer noch geteilter Meinung, und so machte er unauffällig einen Bogen um sie und ging in das andere Zimmer, obwohl er nicht recht wusste, was er bei der Veranstaltung nun mit sich anfangen sollte. Würde er gehen, ohne wenigstens eine Rückmeldung von dem Doktor bekommen zu haben, könnte er ungewollt neue Verwirrung verursachen, wenn er sozusagen eigenmächtig seinen Posten verließe. Andererseits hatte der Doktor nicht versprochen zurückzukehren, und er war wohl auch nicht verpflichtet, eine Nachricht zu geben.

Da sah der junge Leutnant das Fräulein, das auch Henry aufgefallen war, das sich ebenfalls von den Damen entfernt hatte und zusammen mit Fjodor Alexejewitsch am Cembalo stand, offenbar hatten die beiden die Absicht zu musizieren. Um wieder Anschluss zu finden, fragte der Leutnant ein bisschen töricht, ob man jetzt gleich etwas zu hören bekäme, doch Fjodor Alexejewitsch schaute ihn geringschätzig an, während sich von der Zigarre, die zwischen seinen Lippen klebte, dicker Qualm verbreitete.

Der Leutnant musste husten, und das Fräulein lachte, aber es war ein nettes Lachen. "Entschuldigen Sie, Herr Hauptmann, er hat keine Manieren." Fjodor Alexejewitsch sagte nichts; er hatte eine Transversflöte, die auf dem Cembalo gelegen hatte, in der Mangel und versuchte, das Kopfstück zu lockern, aber er ging damit um, als wäre es die Pflugschar eines russischen Bauern. "Es klingt nicht mehr richtig", sagte das Fräulein. "Darf ich mal?" sagte der Leutnant. "Verstehen Sie etwas davon?" "Ein wenig." Fjodor gab ihm das Instrument etwas widerwillig und sagte schnell "Dann kann ich euch ja alleine lassen", und ließ sie in einer Wolke stehen.

Der Leutnant begutachtete die Flöte, das Fräulein sagte "Aber es ist kein Schießgewehr." Er lächelte, dann sagte er "Ich bin auch kein Hauptmann, sondern nur Leutnant." "Ach ja, stimmt", erwiderte sie und fügte hinzu "Ich bin das Fräulein Beatrice." Sie hielt ihm ihre schmale Hand hin, zog sie jedoch gleich wieder zurück. "Lassen Sie, ich möchte Sie nicht unterbrechen." "Warum wollte der Herr das Kopfstück los machen?" "Weiß nicht." "Das ist nicht nötig." "Nein? Ein Glück, es ging nämlich nicht." Von der Damengruppe her schallte ein Ruf nach dem Leutnant, offenbar wollte man noch etwas erfahren.

Er schaute hinüber, Fräulein Beatrice sagte "Lassen Sie die nur rufen." "Es ist diese Walzenschraube." "Bitte?" "Hier, sehen Sie, diese kleine Schraube, die ist locker, dadurch schließt die Klappe nicht mehr richtig." Das Fräulein sagte scherzhaft zu der Flöte: "Halt die Klappe, du dummes Ding." Sie mussten beide lachen.

"Woher wissen Sie das alles?" "Mein Onkel war bei Johann Quantz angestellt, bei dem Flötenmeister Friedrichs des Großen, er ist sehr alt geworden." "Wer?" "Mein Onkel. Verzeihung, ich drücke mich manchmal etwas unklar aus." "Aber gar nicht. Wie Sie das mit der Schraube erklärt haben, ich glaube, das hätte keiner besser gekonnt." Der Leutnant errötete. Das Fräulein drehte an einer Locke ihrer dichten blonden Frisur.

"Na ja, die Ursache zu finden ist das eine, sie zu beheben ein anderes." "Wie meinen Sie das schon wieder?" "Man bräuchte einen ganz kleinen Schraubendreher, um sie festzuziehen. Sehen Sie, hier diesen ..." "Oh, bitte, kommen Sie mir nicht so nahe." Der Leutnant schreckte zurück, sie sagte "Diese Damen da beobachten alles, sie warten nur auf irgendeine peinliche Situation." "Ich bitte vielmals um Verzeihung. Ich muss jetzt sowieso ..." Er wollte die Flöte aufs Cembalo legen. Das Fräulein sagte "Aber nein, warten Sie, ich möchte nur nicht, dass Sie Unannehmlichkeiten bekommen, ich meine, immerhin sind Sie doch im Dienst." "Das ist wahr. Und das hier - er deutete auf die Flöte - geht mich auch gar nichts an."

Sie schwieg. Er schaute zu den Damen hinüber und straffte unmerklich seine Haltung. Sie sagte schnell "Nun haben Sie mich neugierig gemacht." "Was sagten Sie?" "Es interessiert mich wirklich, was mit der Klammer los ist." "Mit der Schraube?" "Ja, richtig, die Schraube war's, nicht die Klammer." Er wahrte den Abstand. "Dieser Schlitz hier, dafür passt nur ein kleines Werkzeug." Sie musste wieder lachen. "Was ist? Habe ich mich blamiert? Das ist hier wahrhaftig nicht mein Feld, gnädiges Fräulein", sagte er etwas unwillig. "Nein, nein, ich musste bloß lachen wegen dem Ausdruck." Er schüttelte verständnislos den Kopf. "Ist das nicht ein bisschen ordinär?" "Ach so, Sie meinen den Schl... So sagt man nun mal dazu; kann sein, dass es eine Fachbezeichnung gibt, aber die kenne ich nicht." "Aber Ihr Onkel." "Ja, der." "Ist leider nicht da. So sind wir auf uns allein gestellt." "Ja. Inmitten einer Batterie argwöhnischer Beobachter." Sie lachten.

"Ah, ich habe eine Idee, ich bin gleich zurück", rief Fräulein Beatrice so keck, dass der Leutnant zusammenzuckte. Sie kam zurück und gab ihm ein kleines metallenes Ding. "Aus meinem Necessaire, vielleicht nützt es Ihnen." "Was ist das? Ein Messer?" Er fuhr über die Klinge, aber sie war aufgerauht, und die Schneide vollkommen stumpf, die Spitze abgerundet. "Eine Fingernagelfeile, eine ganz moderne Erfindung." "Eine Fingernagelfeile", murmelte er, klemmte die Flöte unter den Arm und strich mit der Feile über seinen Daumennagel. Sie sagte "Nein, nicht so, vorn an der Kante muss man feilen." "Und wozu soll das gut sein?" "Wozu? Wann haben Sie denn zuletzt eine Damenhand aus der Nähe gesehen?" fragte sie spöttisch. "Ich wurde leider auf Distanz gehalten", meinte er ebenso. "Das war gut pariert, Herr Leutnant. Nun, geht es damit? Vielleicht kriegen wir sie ja heute noch zum Klingen." "Ach so, ja, freilich. Schauen Sie, Fräulein ..." "Beatrice. Beatrice Vermenon." "Fräulein Beatrice, es funktioniert, sind Sie sicher, dass es für Fingernägel gedacht ist." "Sie meinen, es ist in Wahrheit ein Schraubenschlitzdreher?"

Er zog diese und alle anderen Schrauben gleich mit fest. Dann sagte sie unvermittelt "Haben Sie schon mal einen Feind erlegt?" Er schaute sie an. "Nein." "Ein Glück." "Warum?" Sie überlegte einen Moment. "Es wäre ihm bestimmt übel ergangen." Er schüttelte wieder den Kopf. "Fräulein Beatrice, welche Vorstellung haben Sie vom Militär?" "Gar keine. Ich wollte eigentlich auch was anderes sagen." "Nämlich?" "Ich finde, es passt nicht zu Ihnen, andere Menschen totzuschießen." "Woraus schließen Sie das?" "Nun hören Sie auf mit der Nachfragerei, es mag Ihnen genügen, wenn ich Ihnen meine Impression verrate, das ist schon viel." "Das stimmt, ich nehme es zur Kenntnis. So, das wär's."

Er setzte die Flöte an den Mund. "Halt, warten Sie", sagte Beatrice. "Was ist? Ich will sie nur ausprobieren, ich kann auch gar nicht richtig spielen." "Dann sollten wir es vielleicht nicht hier drin ausprobieren, die würden womöglich drüber lachen." Sie machte eine Kopfbewegung zu den anderen hin. "Und wo sonst?" "Draußen im Garten." "Es gibt einen Garten?" Sie sah ihn komisch an. "Sie sind ein Soldat und kennen nicht das Gelände, auf dem Sie sich bewegen?" "Ich bin zum ersten Mal hier." "Dann werde ich Ihnen zeigen, wo man sich besonders gut vor dem Feind verstecken kann." Sie blieb stehen und setzte hinzu: "Wenn Sie wollen."





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