Könige und Kaiser zur Zeit Elisabeths


   
 

Elisabeth lebte zu der Zeit, als in Mitteleuropa die Staufer zu Königen und Kaisern gekrönt wurden. Sie werden benannt nach dem schwäbischen Stammsitz Hohenstaufen, ca. 40 km westlich von Stuttgart. Der berühmteste Staufer war Kaiser Friedrich I., dem die Italiener wegen seines rötlichen Bartes den Beinamen Barbarossa gaben. Er kam auf dem Kreuzzug 1190 ums Leben, als er in dem Fluss Saleph in der kleinasiatischen Küstenebene von Seleukia (gegenüber von Zypern) ertrank. Seine beiden Söhne Philipp von Schwaben und Heinrich (der spätere Heinrich VI.) führten die Herrschaft des Vaters fort.

Heinrich wurde 1191 durch Papst Coelestin III. (1105 - 1198) in Rom zum Kaiser gekrönt. Die Kaiserkröung durch den Papst berechtigte zu dem Titel Romanorum Imperator et Semper Augustus und war die höchste weltliche Würde im christlichen Abendland. Heinrich VI. war Kaiser bis zu seinem Tod 1197.

Er hatte 1186 Konstanze (1154 - 1198), die Tochter von König Roger II. (+ 1154) geheiratet. Roger entstammte den normannischen Grafen, die seit Anfang des 11. Jahrhunderts das Königreich Sizilien beherrschten, dessen Hauptstadt Palermo war und zu dem neben der Insel Sizilien auch das Festland ("Stiefelspitze und Absatz" bis an die Grenze des römischen Kirchenstaats im Norden) gehörten. Das Königreich stand unter päpstlicher Lehenshoheit, und die sizilischen Könige machten es zu einer der reichsten Monarchien Europas.

Als der gegenwärtige sizilische König Wilhelm II. 1189 kinderlos starb, erhob Heinrich VI. Anspruch auf das Erbe Konstanzes. Dem widersetzte sich der Papst, und Heinrichs militärische Macht reichte nicht aus, seinen Anspruch durchzusetzen. Ende 1192 fiel ihm der englische König Richard Löwenherz in die Hände, der auf dem Rückweg vom Kreuzzug in der Nähe von Wien gefangengenommen worden war. Heinrich ließ ihn erst nach Zahlung eines hohen Lösegeldes wieder frei, womit er seine Streitkräfte erweitern konnte. Zugleich starb der letzte, nach Wilhelms Tod eingesetzte Normannenkönig Tankred, so dass Heinrich 1194 im Palast von Palermo auch zum König von Sizilien gekrönt wurde. Er ging rücksichtlos gegen die einheimischen Adligen vor, viele ließ er liquidieren, andere verstümmeln. Die Verwaltung legte er in die Hände seiner Vertrauten, darunter der Deutsche Markward von Annweiler (Annweiler zwischen Karlsruhe und Kaiserslautern gelegen), der später behauptete, Friedrich wäre weder Heinrichs noch Konstanzes Sohn gewesen.

Friedrich wurde 1194 in Jesi bei Ancona an der Adria geboren. Er hat jedoch zeitlebens das südlichere Apulien als seine wahre Heimat bezeichnet. Ende 1196 wurde der zweijährige Friedrich zum deutschen König gewählt. Ein Jahr später starb sein Vater Kaiser Heinrich mit 32 Jahren, wiederum ein Jahr später seine Mutter Konstanze.

1198 wurden in Deutschland von den uneinigen Fürsten zwei weitere Könige gewählt: Philipp von Schwaben (ein Bruder Heinrichs und Onkel Friedrichs) und Otto von Braunschweig (als Otto IV.), der aus dem Hause der Welfen stammt, die als Gegenspieler der Staufer galten. Der kleine Friedrich wurde ebenfalls zum König von Sizilien gekrönt; der neue Papst Innocenz III. wurde nach Konstanzes Tod sein Vormund. Unter Aufsicht Markwards von Annweiler und dessen Nachfolger wurde Friedrich in Palermo praktisch bis zu seiner Volljährigkeit (mit 14 Jahren) gefangengehalten, während über seinem Kopf hinweg die Machtkämpfe in Sizilien und im Römisch-Deutschen Reiche tobten.

1208 wurde Friedrich mit Konstanze von Aragon verheiratet. Sie war die Schwester des Königs Peter II. von Aragon und die Witwe des ungarischen Königs Emerich, der ein Bruder und Königsvorgänger von Andreas war, dem Vater von Elisabeth. Ebenfalls 1208 starb Friedrichs Onkel König Philipp von Schwaben. 1209 wurde Otto IV. von Papst Innocenz III. zum Kaiser gekrönt und er überfiel ein Jahr später Sizilien.

1211 wurde Heinrich, der Sohn von Friedrich und Konstanze geboren, der als Neunjähriger 1220 in Frankfurt am Main zum deutschen König gekrönt wurde und der sich später gegen seinen Vater auflehnte und von diesem abgesetzt wurde.

1212 wurde Friedrich in Frankfurt zum zweitenmal zum deutschen König gewählt. Kaiser Ottos IV. Stern begann zu sinken, als König Philipp II. August von Frankreich ihn 1214 besiegte. Otto IV. starb 1218 auf der Harzburg. 1220 wurde Friedrich durch den neuen Papst Honorius III. in Rom zum Kaiser gekrönt.

Elisabeths Gemahl, Landgraf Ludwig IV. von Thüringen war ein Freund Kaiser Friedrichs, der ihn zum Oberbefehlshaber eines Kreuzzuges ernannte. Elisabeth selbst ist dem Kaiser mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nie begegnet. Kaiser Friedrich hat 1236, fünf Jahre nach Elisabeths Tod, an der Erhebung ihrer sterblichen Überreste in eine eigene Kirche in Marburg teilgenommen und ihr dabei eine goldene Krone aufs Haupt gesetzt. Bedenkt man, dass Friedrich II. verhältnismäßig selten und immer nur kurzzeitig in Deutschland war, so kann seine Anwesenheit als besondere Wertschätzung gedeutet werden, die er der Heiligen Elisabeth entgegenbrachte.


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