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Elisabeth von Thüringen wurde 1207 auf der Burg Sárospatak geboren und starb 1231 im hessischen Marburg. Sárospatak liegt im Einzugsgebiet der Theiß an einer alten, nach Galizien führenden Heerstraße. Elisabeths Vater war der ungarische König Andreas II. (1176 - 1235). Ihre Mutter war Gertrud von Andechs-Meranien (+ 1213). Elisabeth hatte drei Brüder und eine Schwester.
Der ungarische König Emerich, der ältere Bruder von Andreas, war 1204 gestorben, und Andreas war König geworden. Die Reihe der ungarischen Vorfahren Elisabeths ist über mehr als dreizehn Generationen hinweg bekannt. Sie geht auf den ersten ungarischen Fürsten Álmos zurück, der von Reiterhirtenstämmen der südrussischen Steppe zum Oberhaupt gewählt und als ein Abkömmling des legendären Hunnenkönigs Attila betrachtet wurde. Das Fürstengeschlecht des Andreas bekam seinen Namen von Álmos' Sohn Árpád (2.Hälfte des 9. Jh.) und wird daher das Árpádenhaus genannt.
Der erste christliche König Ungarns war der 1001 gekrönte Stephan I. (997 - 1038). Die Hauptstadt des Königreichs war lange Zeit Székesfehérvár (Stuhlweißenburg), südwestlich von Budapest. Unter Stephans Regierung wurde das Erzbistum Gran gegründet, das somit zu den großen europäischen Erzbistümern der katholischen Kirche gehörte. Gran / Esztergom liegt an der Donau an einer ehemaligen Handelsstraße Regensburg-Kiew und war kirchliche Metropole Ungarns. Es wurde im 13. Jahrhundert von den Mongolen angegriffen, die über die ungarische Tiefebene (Theiß - Donau) von Osten hereinbrachen. Etliche ungarische Könige waren mit Töchtern aus europäischen Fürstenhäusern verheiratet. Das Königreich erstreckte sich zeitweise im Südwesten direkt bis an die Adria. Kein europäisches Fürstenhaus hat so viele Heilige aufzuweisen.
Emerich, der Onkel Elisabeths, war mit Konstanze, der Tochter des Königs von Aragon (an der nordöstlichen Mittelmeerküste Spaniens) verheiratet, die dann, nach Emerichs Tod, den StauferKaiser Friedrich II., einen der bedeutendsten Politiker des Mittelalters, heiratete.
Elisabeths Vater Andreas war verheiratet mit Gertrud, der Tochter des Grafen Berthold von Andechs-Meranien (westbayerisches Alpenvorland und Südtirol). Die Andechser gehörten zu den führenden Grafenfamilien Bayerns. Im Laufe der Zeit konnten sie ihre Herrschaft nach Oberfranken, in das Passauer Donaugebiet, über die Markgrafschaft Istrien sowie nach Meranien (Küstengebiet um Fiume) ausdehnen. Gertruds Bruder Berthold war Erzbischof von Kalocza (Südungarn) und später Patriarch von Aquileia (zwischen Venedig und Triest). Der Bruder Ekbert war Bischof in Bamberg (Franken). Ihre Schwester Agnes wurde die Frau von Philipp II. August, König von Frankreich. Der Verwandtenkreis von Gertruds Familie erstreckte sich u.a. auf die Piasten-Könige in Schlesien, die Staufer, die Przemisliden von Mähren, die Herzöge von Brabant, Österreich, Ungarn, Bulgarien.
Gertruds Großvater mütterlicherseits war der Graf Dedo V., welcher den wenig schmeichelhaften Beinamen "der Fette" trug. Er war ein Wettiner, dessen Sohn (Gertruds Onkel) mit einer Tochter eines Thüringer Landgrafen verheiratet war. Dedos Neffe Dietrich ehelichte ebenfalls eine Thüringerin, und zwar des späteren Landgrafen Ludwigs IV. Schwester Jutta. Der aus dieser Ehe hervorgegangene Sohn Heinrich der Erlauchte trat nach dem Tod des letzten direkten Thüringer Landgrafen Heinrich Raspe das Erbe der Landgrafschaft an und begründete damit die Regentschaft der Wettiner in Thüringen. Mit dieser Aufzählung soll angedeutet werden, dass zwischen dem ungarischen und den thüringischen Herrscherhaus auch vor Elisabeth bereits enge Beziehungen bestanden.
1211 kam Elisabeth an den Thüringer Landgrafenhof des Hermann I. (+ 1217), um dort mit dessen Sohn Ludwig (1200 - 1227) verheiratet zu werden. Der bedeutende Biograph der Elisabeth, der Erfurter Dominikaner Dietrich von Apolda berichtet, dass eine thüringische Gesandtschaft am ungarischen Königshof empfangen wurde, um die zukünftige Braut abzuholen. Elisabeth wurde reich ausgestattet, die Gesandten bekamen Gold- und Silbergegenstände, Schmuck, Seidenstoffe und eine beträchtliche Summe Geld.
Die Anfänge des Thüringer Grafengeschlechts (nach ihren ersten Vertretern auch die Ludowinger genannt) liegen etwa im 11. Jahrhundert, als Ludwig der Bärtige von Franken nach Thüringen kam und im Gothaer Land, in der Gegend um Friedrichroda und Waltershausen, begann, den Ausgangspunkt für seine territoriale und politische Herrschaft zu begründen. Die Ludowinger waren also vergleichsweise ein junges Fürstenhaus, das aber im Laufe der folgenden zweihundert Jahre trotz geringer Ausdehnung zu großer Macht und Einfluss im Deutschen Reich gelangte.
Hermann I., Elisabeths Schwiegervater, war der Ururenkel des Bärtigen. Ein Wohnsitz der Thüringer Landgrafen war die Wartburg bei Eisenach, die Ende des 11. Jahrhunderts zuerst erwähnt wird und durch ihren romanischen Hauptbau, den sog. Palas, schon damals berühmt war. Andere Burgen der Thüringer (wo sich auch Elisabeth aufhielt) waren im Westen die Creuzburg an der Werra, im Osten die Neuenburg bei Freyburg an der Unstrut sowie die Burg bei Weißensee in der Nähe der Thüringer Pforte.
Nach dem Tod des StauferKaisers Heinrich VI. (+ 1197), dem Sohn von Kaiser Friedrich Barbarossa, gab es zwischen den beiden Fürstengeschlechtern der Welfen mit Otto IV. und den Staufern mit Philipp von Schwaben einen erbitterten Kampf um die Königs- und Kaisernachfolge, aus der Otto IV. zunächst als Sieger hervorging, bis schließlich, mit Hilfe des Papstes Innozenz III. der Staufer Friedrich II. (1194 - 1250) zum Kaiser gekrönt wurde. Er war der Sohn von Heinrich VI. und Konstanze, der Tochter aus dem Königreich Sizilien, welches damals eines der blühendsten Königreiche in Europa war und welchem der deutsche und römische Kaiser stets verbunden blieb. Friedrich nannte später Elisabeths Mann, den Landgrafen Ludwig IV. seinen Blutsverwandten. (Ludwigs Großvater war mit Jutta verheiratet, die eine Stiefschwester von Friedrichs Großvater, Kaiser Barbarossa, gewesen war.)
In der Zeit vor Friedrichs Krönung wechselte der Landgraf Hermann I. mehrmals die politischen Seiten, je nach dem, wo er für sich den größten Vorteil sah. In der Auseinandersetzung zwischen Kaiser und Königen, Reichsfürsten und Kirche gelang es ihm, seine Landgrafschaft zu stabilisieren und auszuweiten. Die oftmals skrupellose Politik der Landgrafen lässt sich mit ihrem eisernen Willen erklären, mit dem sie (als eigentlich Fremdstämmige) ihre Landgrafschaft unter allen Umständen behaupteten. Auch die Vermählung (1221) des Sohnes Ludwig mit Elisabeth ist von politischen Erwägungen geprägt, wofür auch die Tatsache spricht, dass die Heirat vorher abgesprochen wurde und beschlossene Sache war, bevor die Ehepartner überhaupt einander vorgestellt waren.
Der Thüringer Landgrafenhof unter Hermann I. galt als kulturfreundlicher Ort. Am bekanntesten (neben dem Bau der Wartburg) ist der sog. Sängerkrieg, der angeblich zur Zeit Hermanns und seiner Frau Sophie stattgefunden hat. Auch wenn die historische Überlieferung dafür keine echten Zeugnisse liefert, ist der Sängerkrieg auf der Wartburg dennoch zu einem kulturellen Ereignis des Mittelalters von erstem Rang geworden. An ihm haben Wolfram von Eschenbach und Walther von der Vogelweide, Heinrich von Ofterdingen sowie die Sänger Reinmar von Zweter, Biterolf und Heinrich der Schreiber teilgenommen.
Richard Wagner hat den Stoff aufgegriffen und in seinem "Tannhäuser" gestaltet, in dem auch Motive aus dem Elisabeth Leben sowie aus anderen Sagen und Mythen in kunstvoller Weise verarbeitet werden.
Laut Überlieferung kam es zum Streit zwischen Heinrich von Ofterdingen und den anderen Sängern, die schließlich sogar dessen Tod forderten. Er bat die Landgräfin um Schutz, und es wurde beschlossen, dass der weise Zauberer Klingsohr aus Ungarn als Schiedsrichter auftreten soll. Derselbe Klingsohr ist es, der nach einer anderen Geschichte dem ungarischen Königspaar einst die Geburt der Elisabeth vorhergesagt hatte.
Alles deutet darauf hin, dass Elisabeth und Ludwig, der ab 1217 die Landgrafschaft übernommen hatte, eine gute Ehe geführt haben. Zeitgenössische Berichte preisen die Ernsthaftigkeit, Frömmigkeit und Keuschheit(!) Ludwigs. Obwohl er Thüringen nur zehn Jahre lang regierte, ließ er es in dieser Zeit nicht an handfester Politik fehlen. Er versuchte, den Einfluss des Mainzer Erzbischofs in Thüringen zurückzudrängen und bemühte sich um die Markgrafschaft Meißen, wobei er einen Kriegszug bis an die Oder unternahm. Ludwig IV. war offenbar ein loyaler Anhänger von Kaiser Friedrich II., für den er bei verschiedenen Angelegenheiten tätig war und der ihn dann sogar zum Oberbefehlshaber des Kreuzfahrerheeres einsetzte.
Ludwig hat die caritativen Bemühungen seiner Frau Elisabeth stets unterstützt und es scheint, als wäre die Kritik an ihrem Verhalten als Landgräfin immer von Außenstehenden gekommen, die es auf beide, den Fürsten und seine Gemahlin, gleichermaßen abgesehen hatte. Als 1226 eine Hungersnot in Thüringen ausbrach, versorgte Elisabeth die Bedürftigen mit den Vorräten aus den landgräflichen Speichern. (Ludwig befand sich zu der Zeit beim Kaiser in Italien.) Man kann leicht nachvollziehen, dass solche Maßnahmen in den Augen der politischen Gegner und Neider einer Landesherrin nicht standesgemäß waren.
Aber selbst in den Sagen, in welchen, wie z.B. in der berühmten Sage vom Rosenwunder, das Verhältnis zwischen Ludwig und Elisabeth geschildert wird, treten beide als Menschen auf, die große Achtung voreinander haben und deren Beziehung zueinander etwas wahrhaft Ethisches und Unverbrüchliches hat.
Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Der älteste Sohn Hermann (1222 - 1241) trat später die Nachfolge seines Vaters an. Die Tochter Sophie (1224 - 1284) heiratete den Herzog Heinrich von Lothringen und Brabant. Sie und ihr Sohn Heinrich (1244 - 1308), der spätere Landgraf von Hessen übernahmen nach dem Aussterben der Thüringer Landgrafen den hessischen Besitz aus der Erbmasse. Die zweite Tochter Gertrud (1227 - 1297) wurde als Kind in das Kloster Altenberg (bei Wetzlar) gegeben, wo sie ihr ganzes Leben lang blieb und für das Wohl des Prämonstratenserinnen Klosters wirkte.
Von Elisabeth gibt es keine Selbstzeugnisse, wie sie beispielsweise von den Mystikerinnen des Mittelalters bekannt sind, in denen Reflexionen und Erlebnisse tiefer Religiosität festgehalten wurden. Sie hat sich auch zu keiner Glaubensgemeinschaft bekannt und ist nicht (anders als ihre Schwiegermutter Sophie den Zisterzienserinnen) einem Orden beigetreten. Inwieweit sie mit der Bewegung der Bettelorden oder "Minderbrüder" der Franziskaner und Dominikaner, welche zu der Zeit rasche Verbreitung fand, tatsächlich vertraut war oder mit ihnen sympathisierte, lässt sich nur vage vermuten; Franziskaner waren damals in Eisenach nachweislich präsent, und Elisabeth hat deren Unterstützung in Anspruch genommen.
Franziskus von Assisi (1182 - 1226) war zumindest in seiner zweiten Lebenshälfte ein Zeitgenosse Elisabeths und wurde wie sie relativ bald nach dem Tod heiliggesprochen. Es gibt eine Legende, nach der Franziskus der Elisabeth ein Bußgewand geschenkt hat, das sich heute als Reliquie in der Pfarrkirche von Oberwalluf befindet.
Das Leben der Landgräfin und ihr Handeln hat stets große Beachtung gefunden; sehr früh schon gab es Geschichten und echte Volkspoesie, die darüber erzählten. Es war in erster Linie ihre Hinwendung zu den Armen und Kranken und ihre Wohltätigkeit, welche die Menschen in ihrer Umgebung, aber auch darüber hinaus beeindruckten. Von ihren guten Taten, die in mehreren Lebensbeschreibungen genannt werden (z.B. im sog. Krumauer Bilderkodex) seien hier nur einige aufgezählt:
» sie pflegt Kranke, wäscht sie und schneidet ihnen die Haare
» sie besucht arme Wöchnerinnen
» sie versorgt Mütter mit Kleidung für ihre Kinder, gibt ihnen Milch, die sie selbst gemolken hat
» sie spinnt eigenhändig Wolle, webt Tuch und gibt es den Bedürftigen
» sie gibt den Bettlern und Hungernden Brot
» sie legt einen Aussätzigen (Leprakranken) in ihr eigenes Bett
Daneben war es auch ihre Ehe mit Ludwig und das Schicksal, das beiden widerfuhr, worüber frühzeitig gedichtet wurde, so etwa in dem sog. Wienhäuser Liederbuch, das eine Ballade darüber enthält. Die Menschen des Mittelalters müssen davon berührt gewesen sein, sie bewahrten das Andenken an Elisabeth und Ludwig stets im Herzen und gaben es weiter bis auf den heutigen Tag.
1226 legte Elisabeth ein Gelübde ab, das sie verpflichtete, nicht wieder zu heiraten, falls sie Witwe wird. Vielen Leuten konnte das nur recht sein, darunter auch Ludwigs Brüdern, die bei einer Wiederverheiratung der Schwägerin ihren Anspruch auf den Landgrafenthron wahrscheinlich endgültig hätten aufgeben müssen. Aber auch für ihren Beichtvater und Vertrauten in religiösen Fragen, Konrad von Marburg, war Elisabeths Versprechen (zumal es mit einem Gehorsamsgelübde ihm gegenüber verknüpft war) eine Voraussetzung dafür, dass er sie künftig seinem Willen unterwerfen konnte.
1227 brach Ludwig zu einem Kreuzzug auf, den Kaiser Friedrich II. dem Papst zugesagt hatte und an den dieser ihn schon seit Jahren gemahnte. In einem damit verbundenen Schreiben des Papstes Honorius III. (1150 - 1227) an Ludwig redet er ihn mit: Nobili viro Langrauio Thuringie an, was seine gehobene Stellung und sein Ansehen unter den deutschen Fürsten verdeutlicht. Dem Landgrafen wurden für seine Teilnahme ein beträchtlicher Geldbetrag sowie die Belehnung mit der Markgrafschaft Meißen in Aussicht gestellt.
Elisabeth, die gerade schwanger war, verabschiedete ihren Gemahl im Juni 1227 in Schmalkalden / Thüringen. Bereits sechs Wochen später befanden sich die Kreuzfahrer in Süditalien. Dort breitete sich in "mörderischer Gegend" und "verseuchter Luft" (Kaiser Friedrich) unter ihnen eine Epidemie aus, an der neben vielen anderen Ludwig und der Kaiser erkrankten. Während letzterer sich erholte und schließlich den Kreuzzug bis nach Jerusalem führte, starb Ludwig im September 1227 in Otranto an der Südspitze Italiens. Einen Monat später gebar Elisabeth ihr drittes Kind. Ludwigs sterbliche Überreste wurden auf dem Rückweg in seine Heimat übergeführt und im Hauskloster Reinhardsbrunn bestattet. Er bekam den Beinamen "der Heilige".
Nach dem Verlust ihres Mannes begann für Elisabeth eine qualvolle Zeit. Ludwigs Brüder Heinrich Raspe (1202 - 1247) und Konrad (1206 - 1240) rissen sofort die Landgrafenherrschaft an sich. Konrad wurde später Hochmeister des Deutschen Ordens in Marburg. Landgraf Heinrich Raspe wurde zum Gegenkönig zu dem Sohn des Kaisers gewählt. Mit Hilfe des Konrad von Marburg gelang es den Brüdern, Elisabeth um ihr Witwenerbe zu betrügen und sie aus ihrem eigenen Haus zu vertreiben. Mit ihren drei Kindern und den engsten Vertrauten fand sie zunächst bei den Franziskanern in Eisenach ein Obdach.
Konrad von Marburg hatte sich mit Zustimmung des Papstes zum "defensor", zum Beschützer der Fürstenwitwe gemacht, was quasi eine totale Vormundschaft bedeutete, durch die Elisabeth ihm restlos ausgeliefert war. Unter dem Anschein seiner Fürsorge und religiösen Anleitung gelang es ihm, Elisabeth weitgehend zu isolieren und zum Objekt seiner krankhaften Besessenheit zu machen. Er ist vom Papst zum Inquisitor für die Ketzerverfolgung in Deutschland eingesetzt worden und wurde zwei Jahre nach Elisabeths Tod ermordet, wahrscheinlich von Anhängern eines Grafen, den er beschuldigt hatte.
Elisabeth bekam in Marburg ein Grundstück zugewiesen, wo sie ein kleines Hospital für die Kranken- und Armenpflege betreiben konnte, das dem Franziskus, der 1228 heiliggesprochen worden war, geweiht wurde. Die Repressalien, unter denen Elisabeth zu leiden hatte sowie die Selbstaufopferung, mit der sie alle seelischen und physischen Qualen ertrug, führten zu einem lebensbedrohlichen Zustand und sie starb 1231 mit kaum vierundzwanzig Jahren.
Konrad von Marburg betrieb mit allen Kräften ihre Heiligsprechung. An ihrem Grab waren Wunderheilungen geschehen, so wurde z.B. ein blinder Junge sehend; ein Pilger, der auf Krücken herkam, konnte fortan ohne sie laufen. Auch soll aus ihrem aufgebahrten Leichnam wundersames Öl ausgetreten sein. Nach ihrer Heiligsprechung zu Pfingsten 1235 erfolgte die Erhebung ihrer Gebeine aus dem Erdgrab in eine geweihte Wallfahrtskirche, die sog. translatio. Sie wurde im Beisein des Kaisers Friedrich II. vollzogen, der einst Elisabeths Gemahl freundschaftlich verbunden war.
Wie bei vielen Heiligen haben auch die Reliquien der Elisabeth eine wechselvolle Geschichte. Bereits für die Translation war der Kopf vom Rumpf abgetrennt und präpariert worden, so dass, einem Bericht zufolge, der Kaiser den Schädel krönen konnte. Später wurde der Schädel in einem schmuckvollen Behältnis aufbewahrt, einem sog. Kopfreliquiar. Als der Elisabeth Schrein in der Marburger Wallfahrtskirche 1539 auf Geheiß des Landgrafen Philipp geöffnet wurde, waren Elisabeths sterbliche Überreste bereits nicht mehr vollzählig. Eine der ersten Personen, die davon Teile entwendeten, war Elisabeths Tochter Sophie, die eine Rippe als Reliquie benutzte, um darauf in einer Rechtsstreitigkeit einen Schwur zu leisten, wie das zu jener Zeit üblich war. Im Laufe der Jahre und Jahrhunderte kursierten Finger-, Arm-, Rippen- und sogar Fleischreliquien, abgesehen von den zahlreichen Kleiderstücken, die der Heiligen gehört haben sollen.
Die oben erwähnte Maßnahme des Hessischen Landgrafen war Bestandteil einer Kampagne der Reformation, die jeden Heiligenkult ablehnte. Danach wurden die Überreste überallhin verstreut. Der Schädel befindet sich heute im Elisabethinen Kloster in Wien. Jedoch wurde 1931 in Brüssel ein Schädel aufgefunden, der ebenfalls von Elisabeth stammen soll. Viele andere Reliquiare sind in kirchlichen und fürstlichen Schatzkammern in ganz Europa und sogar in Lateinamerika (Bogota) zu bestaunen. In Marburg, dem Sterbeort der Heiligen Elisabeth, ist aller Wahrscheinlichkeit nach von ihrem sterblichen Leib nichts mehr vorhanden.
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