Dritte Szene Fünfte Szene

Personen  |  Szenen
 


Vierte Szene

Schauplatz wie zuvor.

RIPPENFELL : Wenn Herr Schatzmeister Kopekowitsch seine Karte besser studiert hätte, wüssten wir längst, wo wir dem Hirsch auflauern können, jedoch ... (Er sieht sich um und sucht den Zarewitsch vergebens.) Wo ist er hin?

KOPEKOWITSCH : Ich bin hier.

RIPPENFELL : Zum Kuckuck, ich meine den Zarewitsch. (Er ruft:) Pjotr Zarewitsch! Eure Hoheit! Wo seid Ihr? Jetzt müssen wir ihn suchen.

KOPEKOWITSCH setzt sich auf einen Baumstumpf und wischt sich den Schweiß von Stirn und Nacken : Er wird gleich wiederkommen, wozu die Eile. Er kennt sich hier genauso wenig aus, wohin sollte er laufen?

RIPPENFELL : Seien Sie nicht so leichtsinnig, Kopekowitsch. Wenn ihm etwas zustößt, sind wir dran Schuld. Er braucht sich bloß zu verletzen.

KOPEKOWITSCH : Dafür haben wir ja einen Arzt dabei.

RIPPENFELL : Ich übernehme jedenfalls nicht die Verantwortung dafür. Sie haben ihm die Flausen mit der Hexe und diesem Mädchen in den Kopf gesetzt.

KOPEKOWITSCH : Wieso nennen Sie das eigentlich alte Herzensqual. Ich finde, es sind ganz normale jugendliche Gefühle, auch ein Zarewitsch ist schließlich nur ein Mann, und wenn er noch dazu so ein hübscher Jüngling ist, um den sich alle Mädels reißen würden, dann kann man verstehen, wenn er sich die eine oder andere von ihnen her wünscht.

RIPPENFELL : Ein Glück für Sie, dass uns niemand hört, und dass nur ich Ohrenzeuge Ihres törichten Geschwätzes bin. Sie vergessen wohl, dass wir gerade deshalb auf dieser Jagdreise sind, damit der junge Zarensohn seinen fleischlichen Gelüsten nicht nachgehen kann wie es ihm gefällt.

KOPEKOWITSCH : ... Und wie es ihm in der Residenz leicht möglich wäre. Vielleicht sind dem Zaren auch die Kosten für die Bewirtung der Fürsten zu hoch geworden, die jede Woche mit ihren heiratsfähigen Töchtern bei uns vorfahren.

RIPPENFELL : Soll das ein Vorwurf gegen die Gastfreundschaft unseres Herrn sein?

KOPEKOWITSCH : Gott bewahre. Das habe ich dem Zaren selbst schon gesagt. Die fressen sich bei uns durch, und die meisten ihrer so hoch gepriesenen Töchter sind ungefähr so reizvoll wie eine Ziege beim Graskauen, und sie benehmen sich auch so.

RIPPENFELL : Wenn es so wäre, brauchte man ihn vor denen nicht zurückzu halten. (Er ruft:) Pjotr Zarewitsch!

KOPEKOWITSCH : Doktor Rippenfell, sie verlassen wohl Ihre Praxis nicht oft, was? Dem Zarewitsch sind die Fürstentöchter völlig schnurz, ganz so, wie er es eben besungen hat. Er treibt es mit dem Personal.

RIPPENFELL : Was unterstehen Sie sich da zu behaupten. Seine Hoheit hat überhaupt keine Berührung mit dem Personal.

KOPEKOWITSCH : Und ob. Er hat nicht nur Berührung damit, sondern auch Verkehr.

RIPPENFELL : Pfui, Kopekowitsch. Ich muss ernsthaft überlegen, ob ich Ihr unqualifiziertes Gerede nicht an höherer Stelle melde.

KOPEKOWITSCH : Fragen Sie vorher mal Ihre Assistentin.

RIPPENFELL : Die Adrenalinowa?

KOPEKOWITSCH : Ja, die auch. Ich meinte die Nimfomanzewa.

RIPPENFELL : Grundgütiger! Die hat er ...?

KOPEKOWITSCH : Es gibt Zeugen.

RIPPENFELL : Sie haben es vor Zeugen gemacht?

KOPEKOWITSCH : Nun ja, gewissermaßen. Die Zeugen bezeugen es gegenseitig.

RIPPENFELL : Das ist ja allerhand.

KOPEKOWITSCH : Ungefähr so viele.

RIPPENFELL : Nun, Kopekowitsch, da bin ich Ihnen dankbar für diese Informationen. Ich muss unbedingt auch in diese Richtung meinen ärztlichen Blick richten.

KOPEKOWITSCH : Natürlich. Und vergessen Sie nicht Ihre Schweigepflicht.

RIPPENFELL : Jetzt lassen Sie uns den Wildfang erst mal suchen. Pjotr Zarewitsch!


 

Dritte Szene Fünfte Szene

Personen  |  Szenen