Dritte Szene Sechste Szene

Personen  |  Szenen
 


Vierte Szene


In einer Geräusche-, Klang- und Stimmencollage fegt ein Kreuzzug über die Bühne. Zum Beispiel: Kampfgetümmel, Schreie, fremdartige Sprachfetzen, Trommeln, Sturmgeheul etc. Besser keine Personen, allenfalls Waffen, Lanzen und Fahnenspitzen, Pferdehäupter, die hinter und über einem Vorhang hinausragen, der sozusagen eine Wüstensanddüne darstellt. Oder zum Schluss Sanitäter des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes, die wortlos mit Tragen zu den Gefallenen eilen. Das Ganze nicht zu lang und endlich verstummend.



 
Fünfte Szene


Lager der Kreuzritter in der Wüste. Zelte, Lagerfeuer etc. Im Hintergrund Grüppchen von Soldaten; ganz weit hinten die Türme einer Festung. Nach vorn eine Absperrung, die den kontrollierten Zugang zum Lager bildet. Trexel, Fasch und Hosenknöpper im Landsknechtaufzug als Soldaten des Graf Gleichen. Trexel schiebt Wache an der Kontroll- und Durchlassschranke.

TREXEL: Halt! Wer da? Parole? Ihr seid's Herr Graf.

GLEICHEN: Lass' mich gefälligst rein, Trexel.

TREXEL: Nicht ohne Parole, so lautet der Befehl von Euch selbst.

GLEICHEN: Was?

HOSENKNÖPPER: Trexel, du siehst doch, dass es der Graf ist.

TREXEL: Misch du dich nicht ein, Hosenknöpper, ich habe Wache und da halte ich mich an die Wachvorschrift, die lautet: niemand wird ohne Parole hereingelassen. Wie du das machst, wenn du Wache hast, ist mir wurscht.

GLEICHEN: Mein Gott, Trexel, du nimmst es aber heute wieder genau. Vor ein paar Wochen hast du noch im Alacher Forst an alten Schweineknochen rumgenagt, und jetzt spielst du dich auf wie Lancelot.

FASCH: Ihr seid ungerecht, Herr Graf. Wie könnt Ihr den Trexel für etwas schelten, das Ihr selbst uns eingebläut habt. Wolltet Ihr nicht ordentliche Soldaten aus uns machen?

HOSENKNÖPPER: Da hat der Fasch recht. Und ich finde es auch nicht besonders gut, dass Ihr jetzt von den Schweineknochen im Alacher Forst sprecht, wo wir uns seit Wochen nur von Datteln und Kamelmilch und dann und wann was von den Karawanen ernähren.

GLEICHEN: Hund und Sau, jetzt reicht's! Euch treibt die Langeweile um, dass ihr anfangt rumzugreinen wie alte Jungfern. Was ihr braucht, das ist Feuer unterm Arsch, ein richtiges Gefecht mit dem Araber, damit ihr wieder wisst, weshalb ihr überhaupt hier seid.

FASCH: Hätte gar nichts dagegen.

GLEICHEN: Jetzt nimm' endlich den blöden Spieß runter, Trexel.

TREXEL: Erst die Parole.

GLEICHEN: Die Parole, was weiß denn ich.

TREXEL: Siehst du, Hosenknöpper, der kennt nämlich die Parole nicht. Ich sehe auch, dass er aussieht wie der Graf von Gleichen, aber es könnte ja auch so ein Araberhund sein, der sich verkleidet hat. Ich lass' ihn rein, und dann haut er uns eins auf die Mütze.

GLEICHEN: Bei dir wär' ich gleich soweit. Fasch, wie lautet die verdammte Parole?

FASCH: Äh ... Schaut Hosenknöpper an.

HOSENKNÖPPER: Regenbogen.

GLEICHEN: Sehr brav, Hosenknöpper. Wollte nur mal sehen, ob ihr euch die Parole gemerkt habt. Also Regenbogen, Trexel, hörst du.

TREXEL nimmt sofort den Spieß herunter: Melde gehorsamst, Herr Graf, Armbrustschütze Trexel auf Wache, während meines Dienstes ein besonderes Vorkommnis.

GLEICHEN neugierig: Was denn?

TREXEL: Ein als Graf verkleideter feindlicher Araber wollte den Wachhabenden Trexel reinlegen. Der Wachhabende Trexel war jedoch wachsam, hat die Verkleidung erkannt und die verdächtige Person nicht hereingelassen.

GLEICHEN: Was redest du da für einen Unsinn von Verkleidung und verdächtiger Person? Siehst du nicht mehr ganz klar?

FASCH: Der Herr Graf haben uns selbst vor den gefährlichen Fata Morganas gewarnt, die einen in dieser Wüstengegend befallen können. So eine Fata Morgana könnte das gewesen sein.

HOSENKNÖPPER: Ja, und auch die bösen Dämonen, diese Dschinnis, von denen der Herr Pfalzgraf erzählt hat, die treiben hier ihr Unwesen. Es heißt, sie können sich in jede beliebige Person verwandeln.

GLEICHEN: Na Hosenknöpper, den Dschinni möchte ich sehen, der sich in dich verwandelt, zur Strafe vielleicht.

HOSENKNÖPPER: Ihr könntet ihn ja nicht sehen, weil er aussieht wie ich.

TREXEL: Hör auf, so zu reden, mir wird ganz angst und bange. Woher soll ich wissen, ob ihr wirklich noch ihr seid. Womöglich sitze ich schon mitten unter einer Horde Dschinnis.

HOSENKNÖPPER: Ja, oder du bist der Dschinni, der uns langsam zur Verzweiflung bringen will.

FASCH: Nein wirklich, Graf, was ratet Ihr uns, wie könnte man da Gewissheit bekommen?

GLEICHEN: Ob jeder tatsächlich noch er selber ist? Hm. Jeder von uns hat doch etwas an sich, wovon kein anderer weiß, was auch kein Dschinni wissen kann. Denkt mal nach.

FASCH: Was soll das sein?

TREXEL: Mensch, Fasch, wenn du's selber nicht weißt, machst du dich ja gleich zum Dschinni.

FASCH: Ich verstehe nicht, was der Graf meint, ich hab' nichts Geheimnisvolles an mir. Höchstens ...

TREXEL: Was?

FASCH: Seit letzter Woche hab' ich so ein Brennen und Jucken an einer bestimmten Stelle, davon habe ich noch niemandem erzählt. Meint Ihr, Herr Graf, das kann der Dschinni wissen?

HOSENKNÖPPER: Hast du's immer noch?

FASCH: Ja, letzte Nacht war's wie verrückt.

TREXEL: Vielleicht hat der Dschinni den Fasch schon letzte Woche angefallen.

GLEICHEN: Soviel ich weiß, werden Dschinnis nicht krank, sie haben ja eigentlich überhaupt keinen eigenen Körper.

TREXEL: Außerdem sieht das auch eher nach dem Fasch selbst aus, so wie der sich bei den Nomandenweibern rumtreibt.

FASCH: Halt's Maul, Trexel. Was ist mit dir? Wie kannst du beweisen, dass du kein Dschinni bist?

TREXEL: Ich kann's. Aber ihr müsst mir versprechen, es niemandem weiterzuerzählen. Ich hab' als Kind was gemacht, was kein verfluchter Dschinni wissen kann, weil's nie rausgekommen ist.

GLEICHEN: Was war das?

TREXEL: Ich habe die Katze vom Dorfmüller gefangen, bei lebendigem Leib überm Feuer geröstet und dann gegessen.

GLEICHEN: Igitt, das ist ja schlimmer als ein Dschinni.

FASCH: Und du, Hosenknöpper, weißt du auch was?

HOSENKNÖPPER: Ja, es war nämlich nicht die Katze vom Müller, sondern die von meinem Großvater. Dass der Oberdschinni in dich fahre, Trexel! Deinetwegen habe ich damals die Tracht Prügel abgekriegt.

FASCH druckst herum: Herr Graf? Es steht uns nicht an, Euch ... aber ...

GLEICHEN: Natürlich, ihr sollt sehen, dass ich niemand anderes bin als der Graf von Gleichen. Ich habe ein Muttermal in Form eines fliegenden Vogels. Ich zeig's Euch. Er lässt seine Hose herunter und die anderen betrachten seinen Hintern.

TREXEL: Tatsächlich.

FASCH: Es ist echt.

HOSENKNÖPPER: Kein Zweifel, auch wenn ich es eher für eine Rübe mit Beinen gehalten hätte.

Der Pfalzgraf und Ritter Raimund kommen. Graf Gleichen zeigt noch immer seinen nackten Hintern.

PFALZGRAF: Was ist denn hier los? Ist das die neue arabische Begrüßung?

HOSENKNÖPPER: Herr Pfalzgraf, wir haben uns gerade einer Dschinniüberprüfung unterzogen.

PFALZGRAF: Gehört das jetzt zur Ausbildung, Graf Gleichen?

RAIMUND: Darf ich auch mal ran?

GLEICHEN zieht seine Hose hoch: Tut mir Leid, Raimund, das ist Militärgeheimnis. Setzt Euch, verehrte Ritter. Fasch, hol' uns einen Krug Kamelmilch und frische Datteln.

Fasch geht und kommt mit dem Gewünschten wieder.

PFALZGRAF: Das ist alles, was ihr zu bieten habt?

GLEICHEN: Höre ich da Mitleid aus Eurer Rede heraus, oder ist es der blanke Hohn. Wir halten hier seit vier Wochen die Stellung und belagern die Festung El Halasch, weil Philipp von Toulouse uns hierher geschickt hat. Und nun kommt Ihr, Pfalzgraf und verwundert Euch über unsere magere Verpflegung?

RAIMUND: Man hört auch, dass ihr jede Woche eine Karawane überfallt und ausraubt.

GLEICHEN: Was können wir dafür, wenn diese Kameltreiber immer wieder denselben Weg nehmen.

PFALZGRAF: Wahrscheinlich, weil es keinen anderen gibt durch diese Gegend. Es sind übrigens nicht immer die Kameltreiber, wie Ihr wisst. Es sind auch immer wieder Transporte nach Fathum für unsere Kameraden dabei.

GLEICHEN: Davon habe ich nichts bemerkt. zu den Soldaten: Ist euch was aufgefallen?

ALLE DREI: Nein.

PFALZGRAF: Jedenfalls sind die Transporte nicht in Fathum angekommen, oder wenn, dann stark geplündert. Philipp von Toulouse ist sehr verärgert.

GLEICHEN: Was machen die in Fathum überhaupt? Sitzen sich in der Oase den Hintern breit und lassen sich von den Mädchen mit Duftöl einreiben, während wir hier in glühender Hitze uns die Zähne an dieser Lehmburg ausbeißen. Von überall hört man, wie die Kreuzritter eine Festung nach der anderen erobern und sich die Taschen mit Beute vollstopfen, und uns hat man anscheinend vergessen.

RAIMUND: Die Tatsache, dass wir hier sind, zeigt, dass es nicht so ist.

GLEICHEN: Was interessiert es mich zu erfahren, was für Laune der Toulouse hat. Er soll uns einen klaren Befehl geben und der Warterei ein Ende machen.

PFALZGRAF: Ich bin gekommen, diesen Befehl zu überbringen.

TREXEL: Dann greifen wir endlich an?

PFALZGRAF: Ja. El Halasch muss fallen.

HOSENKNÖPPER: Wann legen wir los?

PFALZGRAF: Den Zeitpunkt bestimmt Euer Kommandeur, Graf Gleichen.

GLEICHEN: Was meint ihr, Männer, sind wir bis morgen bereit?

FASCH: Keine Frage.

TREXEL: Klar.

HOSENKNÖPPER: Morgen oder nie.

GLEICHEN: Ihr hört es, Pfalzgraf, meine Truppen können El Halasch morgen angreifen.

PFALZGRAF: Hervorragend. Ich will euch auch sagen, weshalb dem Philipp von Toulouse die Sache unter den Nägeln brennt. Nach gesicherten Informationen befindet sich in El Halasch das Schatzhaus des Ahmed ed Danaf, der einer der größten Räuber und Diebe des Landes war, bevor er in den Dienst des Sultans eintrat. Was er bei seinen Raubzügen erbeutet hat, verwahrt er in mehreren Schatzhäusern an verschiedenen Orten.

HOSENKNÖPPER: Lasst uns raten, Pfalzgraf, diese verfluchte Festung ist einer der Orte.

RAIMUND: Was für kluge Männer Ihr befehligt, Graf Gleichen.

PFALZGRAF: Natürlich steht Philipp von Toulouse der Schatz zu, aber er verspricht euch zehn Prozent Anteil.

TREXEL: Wieviel ist das?

RAIMUND: Nun, wenn du alle zehn Finger nimmst, dann ist ein ganzer Finger zehn Prozent davon.

TREXEL: Aber was soll ich mit einem Finger des Philipp; ich habe selber alle zehn.

PFALZGRAF: Herrgott, das war doch nur ein Vergleich. Zu diesen zehn Prozent kommt alles, was ihr in El Halasch selber plündern könnt, also so viel, wie ihr tragen könnt.

HOSENKNÖPPER: Auch Frauen?

FASCH: Mensch Hosenknöpper, willst du dich zum Gespött machen und eine Frau tragen? Die werden uns tragen.

PFALZGRAF: Eines sage ich euch in aller Deutlichkeit: Bevor nicht Philipps Schatz in unseren Händen ist, ist es jedem von euch streng verboten, sich selbst zu bedienen. Und noch etwas: wenn ich euch so ansehe, muss ich glauben, dass ihr zu denjenigen der Kreuzfahrer gehört, die sich durch Mut, Tapferkeit und Stärke auszeichnen. Ist das so?

ALLE DREI: Ja.

PFALZGRAF: Dennoch. Sollte es geschehen, dass einen von euch die Angst überkommt und er feige wird und daran denkt, den heiligen Kampf aufzugeben und gar vor dem Feind wegrennt und die eigenen Kameraden im Stich lässt, dem sage ich: er wird dafür sofort ohne Prozess aufgehängt und wird unter der sengenden Wüstensonne verrecken, während die Aasgeier ihm die Haut von den Rippen rupfen. Die Lage ist angespannt, und keineswegs geht es überall so planmäßig voran wie hier. In anderen Truppenteilen ist es sogar schon zu Meutereien gekommen.

GLEICHEN: Meuterei?

PFALZGRAF: Ja. Der Kaiser hat deswegen Maßnahmen ergriffen, um die Ordnung der Truppe wiederherzustellen. Er hat die Schwarze Garde hergeschickt, die jeden, der sich vor dem Kampf drückt oder der mit dem Feind gemeinsame Sache macht, auf der Stelle liquidiert.

FASCH: Die Schwarze Garde? Sind das die, die bei Scharbuk das Dorf dem Erdboden gleichgemacht haben?

PFALZGRAF: Das war eine Vergeltungsaktion für die hinterhältige Ermordung Ritter Keilenburgs.

FASCH: Sie haben den Männern vor den Augen der Frauen und Kinder die Köpfe abgeschlagen, und die anderen dann in eine Scheune gesperrt und Feuer daran gelegt.

HOSENKNÖPPER: Ist das wahr?

PFALZGRAF: Das ist die Schwarze Garde. Es ist besser, wenn man gar nicht erst mit ihr zu tun bekommt. Ich denke, ihr wisst jetzt über alles Bescheid. Morgen früh um sechs wird euch Graf Gleichen den Tagesbefehl ausgeben, und dann sei Gott mit uns. Für heute Abend aber habe ich noch eine Überraschung für euch: eine extra Ration aus Philipps Verpflegungslager. Wir werden ein Schwein am Spieß braten und dazu gibt es Sauerkraut, Erbspüree und - haltet euch fest - echtes deutsches Bier vom Fass.

TREXEL: Wie habt Ihr das bloß hergeschafft, Pfalzgraf.

PFALZGRAF großspurig: Organisationstalent, meine Herren.

HOSENKNÖPPER: Ihr seid ein wahrer Tausendsassa.

FASCH: Ich habe nie unter einem besseren Pfalzgrafen gedient.

Zwei Soldaten kommen mit zwei Gestalten in langen Kapuzengewändern.

SOLDAT: Graf Gleichen! Diese beiden Araberburschen haben wir gefasst, als sie in unser Lager schleichen wollten. Die Soldaten gehen wieder.

PFALZGRAF ergreift das Wort: Wer seid ihr? Und was habt ihr hier zu suchen?

HEINRICH: Du hast gesagt, wir sollen wieder da sein, wenn es dunkel wird.

GLEICHEN: Heinrich! Egbert! Wo zum Teufel habt ihr euch rumgetrieben? Und wie kommt ihr zu diesen Arabergewändern?

HEINRICH: Wir haben drüben mit den Jungs gespielt.

RAIMUND: Mit welchen Jungs?

EGBERT: Na, mit denen aus der Festung.

GLEICHEN: Seid ihr dort drin gewesen?

HEINRICH: Nö. An der Südseite ist eine Oase, da gibt es eine Quelle und eine Wiese, die sind jeden Tag dort.

PFALZGRAF: Wer sind die?

HEINRICH: Na, die Jungs, Hassan und Ahmed und Omar ...

GLEICHEN deutet auf Egberts Hals: Egbert, was ist das? Habt ihr euch gerauft?

EGBERT: Nur zum Spaß. Wir haben denen erklärt, was Ringkampf ist, und die haben uns gezeigt, wie man jemandem das Genick brechen kann.

HEINRICH: Ganz lautlos, ohne dass der es merkt.

PFALZGRAF zu Egbert: Haben die das bei dir ausprobiert?

EGBERT kleinlaut: Nee, das ist nichts, nur 'n Fleck.

Heinrich kichert.

GLEICHEN: Warum lachst du, Heinrich?

HEINRICH: Das ist vom Küssen.

EGBERT: Halt die Klappe.

GLEICHEN: Vom Küssen? Wer hat dich da geküsst?

HEINRICH: 'n Kamel.

EGBERT: Ach, das war bloß so 'ne Wette.

GLEICHEN: Was für eine Wette?

EGBERT: Hassan und seine Jungs haben gegen uns gewettet, wer besser küssen kann, die deutschen oder die arabischen Jungs.

RAIMUND: Moment mal, wen habt ihr da geküsst?

EGBERT: Aber Ritter Raimund? Mit wem küsst man sich denn normalerweise?

HEINRICH: Jedenfalls, die Fatima hat gesagt, wir wären besser, aber Dunja war für die anderen.

GLEICHEN: Dann steht es also unentschieden?

PFALZGRAF: Zum Kuckuck, Graf Gleichen, Eure Jungs bandeln mit der Feindesbrut an. Das ist sehr beunruhigend.

GLEICHEN: Wessen Idee war das?

EGBERT: Das mit dem Küssen?

GLEICHEN: Überhaupt dorthin zu gehen.

HEINRICH: Wir gehen schon seit drei Wochen da hin.

EGBERT: Es war meine Idee. Mein Onkel hat mir aufgetragen, nach den Mohrenmädchen Ausschau zu halten, und das habe ich getan.

GLEICHEN: Der Mühlberger. Da habt Ihr's, Pfalzgraf. Alles des Mühlbergers Schuld.

PFALZGRAF: Ja, aber der ist jetzt nicht hier und braucht sich nicht dafür zu verantworten.

GLEICHEN: Wieso hast du den Kussfleck eigentlich am Hals, Egbert?

EGBERT: Nicht nur am Hals.

RAIMUND: Grundgütiger!

GLEICHEN: Hat euch jemand gesehen bei euern Spielen?

HEINRICH: Ach, das ist dort wie im Paradies, da kann man sich richtig verstecken. Den Egbert musste ich auch erst suchen, sonst wären wir schon eher gekommen.

PFALZGRAF: Was, wenn sich nun der Feind dort auch versteckt hält?

TREXEL: Im Paradies? Ihr meint die Schlange?

PFALZGRAF: Ja, du Tölpel, der Widersacher, der Antichrist.

RAIMUND: Habt ihr auch ... ich meine, Zungenkuss praktiziert?

GLEICHEN: Euer Schweigen bedeutet ja. Aber warum fragt Ihr, Ritter Raimund?

RAIMUND: Nun ja. Wenn die Zunge gespalten war wie bei einer Schlange, dann ...

PFALZGRAF: Ritter Raimund, wovon sprecht Ihr?

HOSENKNÖPPER: Ist vielleicht der Dschinni in ihn gefahren?

GLEICHEN: Die Jungs haben bloß ein bisschen mit den Mädels rumgeknutscht, ist das so furchtbar?

HEINRICH: Fatima und Sainab sind in einer Tanzgruppe, die tanzen immer da drin beim Sultan oder bei wem.

GLEICHEN: Wer ist Sainab?

HEINRICH: Die Freundin von Fatima. Die hat Egbert sich schon ausgeguckt.

EGBERT: Für den Onkel.

GLEICHEN: Ja, ja, freilich. Wir reißen uns hier den Arsch auf, entschuldigt Raimund, und der Mühlberger kriegt die Sainab, ohne einen Finger krumm zu machen.

EGBERT: Weil er's doch auch mit der Galle hat.

HEINRICH: Die haben gesagt, sie würden auch mal herkommen und Musik machen und tanzen.

EGBERT: Weil's hier immer so still ist und man hört nie jemand lachen oder singen.

PFALZGRAF: Die observieren uns.

TREXEL: Was machen sie?

FASCH: Das wär' doch gar keine so schlechte Idee, Graf von Gleichen. Der Pfalzgraf hat uns üppig Essen spendiert, da wäre es wunderbar, wenn wir ein wenig Unterhaltung dazu hätten, bevor es morgen in den Kampf geht.

PFALZGRAF: Ich weiß nicht, ob der Toulouse das gutheißen würde.

HOSENKNÖPPER: Ach, der Toulouse, der ist weit weg. Und außerdem kann mir keiner erzählen, dass der es nicht genauso macht.

PFALZGRAF: Was erlaubst du dir, über unseren Heerführer zu sagen!

GLEICHEN: Hat die Fatima gesagt, ob das was kosten würde, wenn die hier eine Vorstellung geben?

HEINRICH: Nein nichts. Die würden das aus Vergnügen machen, stimmt's Egbert?

EGBERT: Ja. Sollen wir ihnen Bescheid sagen?

PFALZGRAF unsicher: Ich bin dagegen. Was meint Ihr, Ritter Raimund?

RAIMUND auch unsicher: Ich weiß nicht. Ich habe irgendwie das Gefühl, als würde ich etwas ganz Außergewöhnliches erleben.

FASCH: Graf von Gleichen, Ihr seid der Befehlshaber hier. Macht uns die Freude, ladet die Mädchen ein. Vielleicht ist es ja für manchen von uns das letzte Fest.

GLEICHEN nach kurzem Bedenken: Also gut. Dann geht ihr beiden und sagt der Fatima und der ...

HEINRICH: Sainab.

GLEICHEN: Der Sainab, auf einmal sehr diplomatisch: dass sie herzlich gern an unserer kleinen Feier anlässlich der bevorstehenden Schlacht teilnehmen können; Essen und Trinken ist frei; Anzugsordnung ... Anzugsordnung ...ordentlich angezogen. zu den Soldaten: Und für euch gilt: niemand legt auch nur einen Finger an die Mädchen, verstanden! Es geht allein um den Kunstgenuss.

ALLE DREI: In Ordnung, Graf.

GLEICHEN zu den Jungen: Und ihr untersteht euch, weiter herumzuknutschen.

HEINRICH: Ja ja, wir sind gleich wieder da.

Heinrich und Egbert eilen davon.

GLEICHEN: Das ist der verderbliche Einfluss des Mühlbergers, dieses Schwerenöters, auf seinen Neffen. Wir müssen zusehen, dass wir das im Zaume halten. Na, jedenfalls kann der Mühlberger heute abend leider nicht dabeisein. Pfalzgraf, nun macht nicht so ein griesgrämiges Gesicht. Morgen ist alles vorbei.


 

Dritte Szene Sechste Szene

Personen  |  Szenen