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Neunte Szene

Graf Gleichen, Yasemin, Egbert und Heinrich auf dem Weg zu Amandas Reich; sie machen kurze Rast. Wüste Gegend; in der Ferne ziehen dunkle Wolken auf.

EGBERT : Herr Graf von Gleichen?

GLEICHEN : Was ist, Egbert?

EGBERT : Heinrich, Yasemin und ich haben beschlossen, nach Hause zurückzukehren.

GLEICHEN : Wohin nach Hause?

EGBERT verwundert : Nach Deutschland, nach Thüringen.

GLEICHEN : Jetzt?

EGBERT : So bald wie möglich.

GLEICHEN : Das liegt nicht in eurer Entscheidung, der Krieg ist noch nicht vorbei, Jerusalem noch nicht in unsrer Hand.

EGBERT : Ja, aber das ist uns egal, wir verzichten auf Jerusalem.

GLEICHEN : So so. Ihr könnt euch nicht einfach aus dem Staub machen, ihr habt gehört, was der Pfalzgraf gesagt hat: jede unerlaubte Entfernung von der Truppe ist Verrat, ein Verbrechen, das hart bestraft wird.

EGBERT : Ihr werdet ihm doch nichts davon sagen?

GLEICHEN : Und du, Heinrich, willst auch zurück?

HEINRICH zögernd : Ja.

GLEICHEN : Aber du willst auch zum Ritter geschlagen werden.

HEINRICH : Ja.

GLEICHEN : Also, dann musst du dich entscheiden, entweder das eine oder das andere.

EGBERT : Heißt das, Ihr würdet uns gehen lassen?

GLEICHEN : Natürlich nicht. Und habe ich das richtig verstanden, das Mädchen will auch mit?

EGBERT : Yasemin? Ja.

HEINRICH : Sie ist Egberts Verlobte. Na ja, beinahe.

GLEICHEN : Du willst den Ingersleben zum Manne haben?

Yasemin nickt und umfasst Egberts Arm.

GLEICHEN : Ihr seid viel zu jung für so was.

EGBERT wie über ein Geheimnis sprechend : Eigentlich sollte ich Yasemin ja für meinen Onkel mitbringen, aber ...

GLEICHEN horcht auf : Was aber?

EGBERT spöttisch und berechnend : Ich sehe nicht ein, weshalb der Onkel die Yasemin zum Geschenk erhalten soll, wo er doch überhaupt nichts dafür geleistet hat.

GLEICHEN : Das ist völlig richtig, der Mühlberger hat sie am allerwenigsten verdient.

EGBERT : Aber er würde sie kriegen, es sei denn ...

HEINRICH : Es sei denn, sie wäre schon dem Egbert versprochen.

EGBERT : Ihr könntet uns Euren Segen geben, Graf Gleichen.

Egbert und Yasemin umarmen sich.

GLEICHEN : Ich? Bin ich der Feldpfarrer? Eben war noch von Verlobung die Rede, jetzt geht's schon ans Heiraten.

EGBERT : Unter diesen Umständen hättet Ihr das Recht uns zu trauen.

HEINRICH : Ich bin Trauzeuge.

GLEICHEN : Heiliger Strohsack! Mit was man es hier zu tun bekommt. Und alles bleibt an mir hängen, ich soll es richten.

HEINRICH : Weil du der Graf von Gleichen bist, Papa. Und dem fällt immer was ein.

GLEICHEN : Ja, mein Sohn. Und jetzt fällt mir auch was ein. Ihr kommt gefälligst mit und helft mir, den Raimund zu befreien. Und danach wirst du dir vom Pfalzgraf den Ritterschlag geben lassen. Und ich werde dafür sorgen, dass ihr beide den Bund schließen könnt, entweder hier oder sobald ihr zu Hause seid.

Egbert und Yasemin schauen sich selig an, drücken sich und geben sich einen Kuss.

HEINRICH : Dann schickst du uns heim?

GLEICHEN : Ja, aber nicht illegal, ich werde meinen eigenen Sohn doch nicht ins Unglück stürzen. Es gehen jede Woche von Akkon Schiffe nach Italien ab. Ich werde mit dem Pfalzgrafen reden, dass ihr einen offiziellem Auftrag bekommt, irgendeine Fracht begleiten oder so.

HEINRICH : Und du, Papa?

GLEICHEN : Ich werde wohl noch ein paar Tage hierbleiben müssen und beim Angriff auf El Halasch mitmachen.

HEINRICH : Aber wenn dir was passiert? Ich meine, wenn du ...

GLEICHEN mit einer Spur Unsicherheit : Ach, was soll mir passieren? Da habe ich schon schlimmere Sachen überlebt. So, und jetzt holen wir zuerst den Raimund aus dem Loch.

YASEMIN : Herr Graf? Nehmt das hier.

GLEICHEN : Was ist das?

YASEMIN : Ein Amulett, es wird Euch beschützen. Es heißt, Amandas Reich wird von Dämonen bewacht, die jeden Eindringling töten wollen. Mit diesem Amulett könnt Ihr sie vielleicht abwehren.

GLEICHEN betrachtet das Amulett und hängt es dann um den Hals : Das ist sehr lieb von dir, Yasemin. Danke. So, aber nun los, ich befürchte, dort drüben braut sich ein schwerer Sturm zusammen, diese schwarze Wolke kommt direkt auf uns zu.


 

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