Vierte und Fünfte Szene Siebente Szene

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Sechste Szene


Das Lager am Abend. Am Himmel bereits golden funkelnde Sterne; am Horizont noch eine schwache Helligkeit (wenngleich es da keine Dämmerung gibt). Fackeln beleuchten angenehm die Szenerie. Zelte im Hintergrund. An der Seite das Schwein am Spieß und Bierfässer. Die Ritter lagern im Halbkreis. Der Pfalzgraf, Raimund, Graf Gleichen, Trexel, Fasch, Hosenknöpper; weiter weg angedeutete Kameraden. Es erklingt arabische Musik, und die Tanzdarbietung ist in vollem Gange; es ist wie aus Tausendundeiner Nacht. Vier Mädchen in typischer Bauchtänzerinnentracht, verschieden farbig, tanzen synchron; es ist eine Art kleines Ballett. Die Zuhörer sind ergriffen und bestaunen ruhig die Vorstellung. Die Mädchen machen deutlich, dass dieser Tanz am Ende angelangt ist, ohne dass sie ganz aufhören. Sie geben den Männern Gelegenheit zu ihrer Darbietung. Trexel, Fasch und Hosenknöpper verstehen diesen Hinweis. Sie erheben sich und singen ihr Lied, zuletzt der Graf Gleichen. Gleichzeitig wandelt sich der Charakter der Musik, die arabische Weise wird von einer (kontrastierenden) deutschen Volksmusik abgelöst, oder zumindest unterbrochen. Die Tänzerinnen lauschen dem etwas rauhen Gesang ebenso höflich. (Das folgende Lied hat einen Vorspann, in den sich die Sänger eintakten.)

FASCH singt:

Gewohnheit ist's in diesen Breiten
Auf dem Kamele hoch zu reiten.
Doch das bereitet mir Verdruss,
Ich gehe lieber fort zu Fuß.

Breiter und gemäßigter als die Einzelstrophen, beinahe wie ein Schunkellied:

ALLE singen:

Es kommen aus Europas Gefilden
Die Kreuzesfahrer zu den Wilden
Bewohnern von Arab'jen hin,
Sie zu bekehren steht ihr Sinn.

TREXEL singt:

Gnadenlos brennt hier die Sonne;
Wüstenmarsch ist keine Wonne.
Am Wege steht kein Hinweisschild,
Man weiß nicht, welche Richtung gilt.

ALLE singen:

Der Löwe prangt in unserm Wappen,
Wir aber zieh'n auf Schusters Rappen
Für Kaiser, Papst und Vaterland
Durch den heißen Wüstensand.

HOSENKNÖPPER singt:

Zum Dattelhain dort in der Ferne
Möcht' man gelangen schrecklich gerne.
Erkennt man an dem Orte klar,
Es nur Fata Morgana war.

GLEICHEN vor den anderen:

Welcher Glauben ist gerechter?
Welcher Gott gut oder schlechter?
Dieser Streit hört niemals auf;
So nimmt Geschichte ihren Lauf.

Nimmt die Geschichte ihren Lauf.

Als Anhang erklingt noch eine Strophe nur Melodie, bei der die Ritter ziemlich ungelenke tänzerische Bewegungen machen. Dann geht die Vorstellung wieder an die Tänzerinnen über. Es ist Nacht, nur vom Fackelschein und vom Glanz der Waffen, des Schmucks der Tänzerinnen usw. erhellt. Jetzt ist die Musik emotionaler, fast dramatisch. Die Mädchen deuten nur an, während in ihrer Mitte auf einmal eine dominierende Tänzerin (im Schleierkleide) auftritt, die durch Bewegungen und Gesten insbesondere auf Raimund sehr verführerisch einwirkt. Raimund steht denn auch auf; er ist von dem Anblick fasziniert und wird von der Darbietung angelockt.

RAIMUND sehr emphatisch:

Potzblitz! Die Dame scheinet mir gewogen.
Sie blicket mich so lüstern an.
Ich fühl' mich zu ihr hingezogen,
Dass ich nicht widerstehen kann.

Wer ist die Schöne im leichten Gewande?
Die mich umschlingt mit Fesseln und Bande.
Solch Säuseln hab' ich nie gehört,
Dass es mich ganz verstört, betört.

Die anderen Ritter sind beunruhigt über Raimunds seltsames Verhalten.

GLEICHEN: Raimund, was ist mit Euch? Ihr habt Euch ja völlig in die Tänzerin vergafft. Ich denke, Ihr steht nicht auf Frauen?

RAIMUND wie entrückt:

Wie ihre Augen zärtlich necken,
Da schauert es mich kalt und heiß.
Sich ihre Arme nach mir strecken,
Schon läuft von meiner Stirn der Schweiß.

Raimund geht auf die Tänzerin zu.

Oh, dies Geschöpf muss ich erlangen.
Nimmt es mich? Nehm' ich es gefangen?
Und kostet es mein Ritterglück;
Für mich gibt es nun kein Zurück!

PFALZGRAF steht auf: Raimund! Graf Gleichen, haltet ihn auf, er ist wie besessen.

Graf Gleichen fasst Raimund am Ärmel.

HOSENKNÖPPER: Der Dschinni hat ihn erwischt.

RAIMUND will sich losreißen: Lasst mich, ich muss sie haben!

GLEICHEN: Raimund, denkt an unseren Ehrenkodex. Die fremden Weiber verletzen unsere Ritterwürde.

RAIMUND: Scheiß auf die Ritterwürde. Ja, diese hier hat mich verletzt, sie hat mich tief ins Herz getroffen!

Die geheimnisvolle Tänzerin zieht ihn wie mit unsichtbaren Fäden immer näher an sich heran. Bis zum Ende der Szene erklingt weiter leise die Musik wie eine Untermalung.

GLEICHEN kann ihn nicht mehr aufhalten: Hiergeblieben! Trexel, Fasch und Hosenknöpper, packt mit an!

Die Tänzerin und die Mädchen bewegen sich wie schwebend einmal in der Runde herum, und es ist, als würden sie die Männer auf zauberische Weise betäuben; diese bleiben stehen. Raimund ist nur auf die Tänzerin fixiert.

TREXEL schwankt: Mir wird so wunderlich.

FASCH: Die Augen fallen mir zu.

HOSENKNÖPPER: Ich bin wie versteinert.

Da entledigt sich die Tänzerin vor Raimunds Augen ihres Kleides und entpuppt sich als schöner, androgyner Mann mit kahlrasiertem Kopf und schmalem, schwarzen Bart, stark geschminktem Gesicht, fein behaarter Brust und athletischer Figur etc.; es ist Amanda. Raimund ist verzückt.

RAIMUND: Oh! Was sehe ich? Ein Mann! Wer bist du?

AMANDA sanft und mit einer Spur Wollust:

Meine Lippen tun dir kund:
Bin dein Geliebter, mein Raimund.
Spürst sehnsüchtig du mein' Hauch;
Ich frage dich: liebst du mich auch?

RAIMUND beinahe verzweifelt vor Begierde:

Oh ja, verfallen bin ich ganz, bin dein.
Ein bess'rer Reim fällt mir nicht ein.
Die bloßen Worte taugen nicht,
Drum sage ich nur schlicht:
Wer du auch sei'st, nimm' mich ganz!
Und wiege mich im Zaubertanz.

Amanda lächelt und nimmt Raimund in seine Arme; die Mädchen umhüllen die beiden mit einem Reigen. So bewegen sich alle langsam zur Seite ab. Zurück bleiben die schlafenden Ritter und das halb verzehrte Schwein am Spieß.


 

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