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Faust auf blumigem Rasen gebettet, ermüdet, unruhig, schlafsuchend. Dämmerung. Geisterkreis schwebend bewegt, anmutige kleine Gestalten.
ARIEL Gesang, von Äolsharfen begleitet:
Wenn der Blüten Frühlingsregen
Die ihr dies Haupt umschwebt im luft'gen Kreise, CHOR einzeln, zu zweien und vielen, abwechselnd und gesammelt:
Wenn sich lau die Lüfte füllen Ungeheures Getöse verkündet das Herannahen der Sonne. ARIEL:
Horchet! Horcht dem Sturm der Horen! FAUST:
Des Lebens Pulse schlagen frisch lebendig,
Hinaufgeschaut! - Der Berge Gipfelriesen
So ist es also, wenn ein sehnend Hoffen |
| Szenen |
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Staatsrat in Erwartung des Kaisers. Trompeten. Hofgesinde aller Art, prächtig gekleidet, tritt vor.
Der Kaiser gelangt auf den Thron, zu seiner Rechten der Astrologe.
KAISER:
Ich grüße die Getreuen, Lieben, JUNKER:
Gleich hinter deiner Mantelschleppe ZWEITER JUNKER:
Sogleich mit wunderbarer Schnelle MEPHISTOPHELES am Thron knieend:
Was ist verwünscht und stets willkommen? KAISER:
Für diesmal spare deine Worte! Mephistopheles steigt hinauf und stellt sich zur Linken. GEMURMEL DER MENGE:
Ein neuer Narr - Zu neuer Pein - KAISER:
Und also, ihr Getreuen, Lieben, KANZLER:
Die höchste Tugend, wie ein Heiligenschein,
Der raubt sich Herden, der ein Weib, Pause
Entschlüsse sind nicht zu vermeiden; HEERMEISTER:
Wie tobt's in diesen wilden Tagen! SCHATZMEISTER:
Wer wird auf Bundsgenossen pochen! MARSCHALK:
Welch Unheil muss auch ich erfahren! KAISER nach einigem Nachdenken zu Mephistopheles: Sag, weißt du Narr nicht auch noch eine Not? MEPHISTOPHELES:
Ich? Keineswegs. Den Glanz umher zu schauen, GEMURMEL:
Das ist ein Schalk - Der's wohl versteht - MEPHISTOPHELES:
Wo fehlt's nicht irgendwo auf dieser Welt? KANZLER:
Natur und Geist - so spricht man nicht zu Christen. MEPHISTOPHELES:
Daran erkenn' ich den gelehrten Herrn! KAISER:
Dadurch sind unsre Mängel nicht erledigt, MEPHISTOPHELES:
Ich schaffe, was ihr wollt, und schaffe mehr; SCHATZMEISTER:
Für einen Narren spricht er gar nicht schlecht, KANZLER:
Der Satan legt euch goldgewirkte Schlingen: MARSCHALK:
Schafft' er uns nur zu Hof willkommne Gaben, HEERMEISTER:
Der Narr ist klug, verspricht, was jedem frommt; MEPHISTOPHELES:
Und glaubt ihr euch vielleicht durch mich betrogen, GEMURMEL:
Zwei Schelme sind's - Verstehn sich schon - ASTROLOGE spricht, was Mephistopheles ihm einflüstert:
Die Sonne selbst, sie ist ein lautres Gold, KAISER:
Ich höre doppelt, was er spricht, GEMURMEL:
Was soll uns das? - Gedroschner Spaß - MEPHISTOPHELES:
Da stehen sie umher und staunen, GEMURMEL:
Mir liegt's im Fuß wie Bleigewicht - KAISER:
Nur eilig! Du entschlüpfst nicht wieder, MEPHISTOPHELES:
Den Weg dahin wüsst' allenfalls zu finden - KAISER:
Die lass' ich dir! Was will das Düstre frommen? MEPHISTOPHELES:
Nimm Hack' und Spaten, grabe selber, KAISER: Nur gleich, nur gleich! Wie lange soll es währen! ASTROLOGE wie oben:
Herr, mäßige solch dringendes Begehren, KAISER:
So sei die Zeit in Fröhlichkeit vertan! Trompeten erschallen. Der Hofstaat geht. MEPHISTOPHELES:
Wie sich Verdienst und Glück verketten, |
| Szenen |
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Weitläufiger Saal mit Nebengemächern verziert und aufgeputzt zur Mummenschanz
HEROLD:
Denkt nicht, ihr seid in deutschen Grenzen - GÄRTNERINNEN Gesang, begleitet von Mandolinen:
Euren Beifall zu gewinnen,
Tragen wir in braunen Locken
Denn wir halten es verdienstlich,
Allerlei gefärbten Schnitzeln
Niedlich sind wir anzuschauen, HEROLD:
Lasst die reichen Körbe sehen, GÄRTNERINNEN:
Feilschet nun am heitern Orte, OLIVENZWEIG MIT FRÜCHTEN:
Keinen Blumenflor Beneid' ich, ÄHRENKRANZ golden:
Ceres' Gaben, euch zu putzen, PHANTASIEKRANZ:
Bunte Blumen, Malven ähnlich, PHANTASIESTRAUSS:
Meinen Namen euch zu sagen, ROSENKNOSPEN Ausforderung:
Mögen bunte Phantasien
Wenn der Sommer sich verkündet, Unter grünen Laubgängen putzen die Gärtnerinnen zierlich ihren Kram auf. GÄRTNER Gesang, begleitet von Theorben:
Blumen sehet ruhig sprießen,
Bieten bräunliche Gesichter
Kommt, von allerreifsten Früchten
Sei's erlaubt, uns anzupaaren
Unter lustigen Gewinden, Unter Wechselgesang, begleitet von Gitarren und Theorben, fahren beide Chöre fort, ihre Waren stufenweis in die Höhe zu schmücken und auszubieten. Mutter und Tochter. MUTTER:
Mädchen, als du kamst ans Licht,
Welches Fest man auch ersann, Gespielinnen jung und schön, gesellen sich hinzu, ein vertrauliches Geplauder wird laut. Fischer und Vogelsteller mit Netzen, Angeln und Leimruten, auch sonstigem Geräte treten auf, mischen sich unter die schönen Kinder. Wechselseitige Versuche, zu gewinnen, zu fangen, zu entgehen und festzuhalten, geben zu den angenehmsten Dialogen Gelegenheit. HOLZHAUER ungestüm und ungeschlacht:
Nur Platz! Nur Blöße! PULCINELLE täppisch, fast läppisch:
Ihr seid die Toren, PARASITEN schmeichelnd-lüstern:
Ihr wackern Träger TRUNKENER unbewusst:
Sei mir heute nichts zuwider!
Schrie mein Weibchen doch entrüstet,
Saget nicht, daß ich verirrt bin,
Wie und wo ich mich vergnüge, CHOR:
Jeder Bruder trinke, trinke! Der Herold kündigt verschiedene Poeten an, Naturdichter, Hof und Rittersänger, zärtliche sowie Enthusiasten. Im Gedräng von Mitwerbern aller Art lässt keiner den andern zum Vortrag kommen. Einer schleicht mit wenigen Worten vorüber. SATIRIKER:
Wisst ihr, was mich Poeten Die Nacht- und Grabdichter lassen sich entschuldigen, weil sie so eben im interessantesten Gespräch mit einem frisch erstandenen Vampyren begriffen seien, woraus eine neue Dichtart sich vielleicht entwickeln könnte; der Herold muss es gelten lassen und ruft in dessen die griechische Mythologie hervor, die, selbst in moderner Maske, weder Charakter noch Gefälliges verliert. Die Grazien treten auf. AGLAIA:
Anmut bringen wir ins Leben; HEGEMONE:
Leget Anmut ins Empfangen, EUPHROSYNE:
Und in stiller Tage Schranken Die Parzen treten auf. ATROPOS:
Mich, die Älteste, zum Spinnen
Daß er euch gelenk und weich sei,
Wolltet ihr bei Lust und Tänzen KLOTHTO:
Wisst, in diesen letzten Tagen
Zerrt unnützeste Gespinste
Doch auch ich im Jugendwalten
Und so bin ich gern gebunden, LACHESIS:
Mir, die ich allein verständig,
Fäden kommen, Fäden weifen,
Könnt' ich einmal mich vergessen, HEROLD:
Die jetzo kommen, werdet ihr nicht kennen,
Die Furien sind es, niemand wird uns glauben,
Zwar sind sie tückisch, doch am heutigen Tage, Die Furien treten auf. ALEKTO:
Was hilft es euch? Ihr werdet uns vertrauen,
Bis wir ihm sagen dürfen, Aug' in Auge:
So wissen wir die Braut auch zu bedrängen: MEGÄRA:
Das ist nur Spaß! Denn, sind sie erst verbunden,
Und niemand hat Erwünschtes fest in Armen,
Mit diesem allen weiß ich zu gebaren TISIPHONE:
Gift und Dolch statt böser Zungen
Muss der Augenblicke Süßtes
Singe keiner vom Vergeben! HEROLD:
Belieb' es euch, zur Seite wegzuweichen, FURCHT:
Dunstige Fackeln, Lampen, Lichter
Fort, ihr lächerlichen Lacher!
Hier! Ein Freund ist Feind geworden,
Ach wie gern in jeder Richtung HOFFNUNG:
Seid gegrüßt, ihr lieben Schwestern! KLUGHEIT:
Zwei der größten Menschenfeinde,
Den lebendigen Kolossen
Droben aber auf der Zinne
Rings umgibt sie Glanz und Glorie, ZOILO-THERSITES:
Hu! Hu! Da komm' ich eben recht, HEROLD:
So treffe dich, du Lumpenhund, GEMURMEL:
Frisch! Dahinten tanzt man schon. HEROLD:
Seit mir sind bei Maskeraden KNABE WAGENLENKER:
Halt!
Fühlet den gewohnten Zügel, HEROLD:
Wüsste nicht, dich zu benennen; KNABE WAGENLENKER: So probier's! HEROLD:
Man muss gestehn: KNABE WAGENLENKER:
Das lässt sich hören! Fahre fort, HEROLD:
Der Augen schwarzer Blitz, die Nacht der Locken, KNABE WAGENLENKER:
Und dieser, der als Prachtgebilde HEROLD:
Er scheint ein König reich und milde, KNABE WAGENLENKER:
Hiebei darfst du nicht stehen bleiben, HEROLD:
Das Würdige beschreibt sich nicht. KNABE WAGENLENKER:
Plutus, des Reichtums Gott genannt! HEROLD: Sag von dir selber auch das Was und Wie! KNABE WAGENLENKER:
Bin die Verschwendung, bin die Poesie; HEROLD:
Das Prahlen steht dir gar zu schön, KNABE WAGENLENKER:
Hier seht mich nur ein Schnippchen schlagen. immerfort umherschwippend
Nehmt goldne Spange für Hals und Ohr; HEROLD:
Wie greift und hascht die liebe Menge! KNABE WAGENLENKER:
Zwar Masken, merk' ich, weißt du zu verkünden, zu Plutus gewendet:
Hast du mir nicht die Windesbraut PLUTUS:
Wenn's nötig ist, daß ich dir Zeugnis leiste, KNABE WAGENLENKER zur Menge:
Die größten Gaben meiner Hand, WEIBERGEKLATSCH:
Da droben auf dem Viergespann DER ABGEMAGERTE:
Vom Leibe mir, ekles Weibsgeschlecht! HAUPTWEIB:
Mit Drachen mag der Drache geizen; WEIBER IN MASSE:
Der Strohmann! Reich ihm eine Schlappe! HEROLD:
Bei meinem Stabe! Ruh gehalten! Plutus steigt vom Wagen.
Er tritt herab, wie königlich! PLUTUS zum Lenker:
Nun bist du los der allzulästigen Schwere, KNABE WAGENLENKER:
So acht' ich mich als werten Abgesandten, Er geht, wie er kam. PLUTUS:
Nun ist es Zeit, die Schätze zu entfesseln! WECHSELGESCHREI DER MENGE:
Seht hier, oh hin! Wie's reichlich quillt, HEROLD:
Was soll's, ihr Toren, soll mir das? PLUTUS:
Dein Stab ist wohl dazu bereit, GESCHREI UND GEDRÄNGE:
Oh weh! Es ist um uns getan. PLUTUS:
Schon ist der Kreis zurückgedrängt, HEROLD:
Du hast ein herrlich Werk vollbracht, PLUTUS:
Noch braucht es, edler Freund, Geduld - GEIZ:
So kann man doch, wenn es beliebt, HEROLD:
Was fängt der an, der magre Tor! PLUTUS:
Er ahnet nicht, was uns von außen droht; GETÜMMEL UND GESANG:
Das wilde Heer, es kommt zumal PLUTUS:
Ich kenn' euch wohl und euren großen Pan! WILDGESANG:
Geputztes Volk du, Flitterschau! FAUNEN:
Die Faunenschar SATYR:
Der Satyr hüpft nun hinterdrein GNOMEN:
Da trippelt ein die kleine Schar, RIESEN:
Die wilden Männer sind s' genannt, NYMPHEN IM CHOR sie umschließen den großen Pan:
Auch kommt er an! DEPUTATION DER GNOMEN an den großen Pan:
Wenn das glänzend reiche Gute
Wölben wir in dunklen Grüften
Nun entdecken wir hieneben
Dies vermagst du zu vollenden, PLUTUS zum Herold :
Wir müssen uns im hohen Sinne fassen HEROLD den Stab anfassend, welchen Plutus in der Hand behält:
Die Zwerge führen den großen Pan
Was aber, hör' ich, wird uns kund
Schon geht der Wald in Flammen auf, PLUTUS:
Schrecken ist genug verbreitet, |
| Szenen |
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Morgensonne. Der Kaiser, Hofleute. Faust, Mephistopheles, anständig, nicht auffallend, nach Sitte gekleidet; beide knien.
FAUST: Verzeihst du, Herr, das Flammengaukelspiel? KAISER zum Aufstehn winkend:
Ich wünsche mir dergleichen Scherze viel. - MEPHISTOPHELES:
Das bist du, Herr! Weil jedes Element KAISER:
Die luft'gen Räume, die erlass' ich dir: MEPHISTOPHELES: Und, höchster Herr! Die Erde hast du schon. KAISER:
Welch gut Geschick hat dich hieher gebracht, MARSCHALK tritt eilig auf:
Durchlauchtigster, ich dacht' in meinem Leben HEERMEISTER folgt eilig:
Abschläglich ist der Sold entrichtet, KAISER:
Wie atmet eure Brust erweitert! SCHATZMEISTER der sich einfindet: Befrage diese, die das Werk getan. FAUST: Dem Kanzler ziemt's, die Sache vorzutragen. KANZLER der langsam herankommt:
Beglückt genug in meinen alten Tagen. - Er liest:
Zu wissen sei es jedem, der's begehrt: KAISER:
Ich ahne Frevel, ungeheuren Trug! SCHATZMEISTER:
Erinnre dich! Hast selbst es unterschrieben; KAISER:
Und meinen Leuten gilt's für gutes Gold? MARSCHALK:
Unmöglich wär's, die Flüchtigen einzulassen; MEPHISTOPHELES:
Wer die Terrassen einsam abspaziert, FAUST:
Das Übermaß der Schätze, das, erstarrt, MEPHISTOPHELES:
Ein solch Papier, an Gold und Perlen Statt, KAISER:
Das hohe Wohl verdankt euch unser Reich; SCHATZMEISTER:
Soll zwischen uns kein fernster Zwist sich regen, Er geht mit Faust. KAISER:
Beschenk' ich nun bei Hofe Mann für Mann, PAGE: Empfangend. Ich lebe lustig, heiter, guter Dinge. EIN ANDRER gleichfalls: Ich schaffe gleich dem Liebchen Kett und Ringe. KÄMMERER annehmend: Von nun an trink ich doppelt bessre Flasche. EIN ANDRER gleichfalls: Die Würfel jucken mich schon in der Tasche. BANNERHERR mit Bedacht: Mein Schloss und Feld, ich mach' es schuldenfrei. EIN ANDRER gleichfalls: Es ist ein Schatz, den leg' ich Schätzen bei. KAISER:
Ich hoffte Lust und Mut zu neuen Taten; NARR herbeikommend: Ihr spendet Gnaden, gönnt auch mir davon! KAISER: Und lebst du wieder, du vertrinkst sie schon. NARR: Die Zauberblätter! Ich versteh's nicht recht. KAISER: Das glaub' ich wohl, denn du gebrauchst sie schlecht. NARR: Da fallen andere; weiß nicht, was ich tu'. KAISER: Nimm sie nur hin, sie fielen dir ja zu. Er geht. NARR: Fünftausend Kronen wären mir zu Handen! MEPHISTOPHELES: Zweibeiniger Schlauch, bist wieder auferstanden? NARR: Geschieht mir oft, doch nicht so gut als jetzt. MEPHISTOPHELES: Du freust dich so, daß dich's in Schweiß versetzt. NARR: Da seht nur her, ist das wohl Geldes wert? MEPHISTOPHELES: Du hast dafür, was Schlund und Bauch begehrt. NARR: Und kaufen kann ich Acker, Haus und Vieh? MEPHISTOPHELES: Versteht sich! Biete nur, das fehlt dir nie. NARR: Und Schloss, mit Wald und Jagd und Fischbach? MEPHISTOPHELES:
Traun! NARR: Heut abend wieg' ich mich im Grundbesitz! - Er geht. MEPHISTOPHELES allein: Wer zweifelt noch an unsres Narren Witz! |
| Szenen |
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Faust und Mephistopheles.
MEPHISTOPHELES:
Was ziehst du mich in diese düstern Gänge? FAUST:
Sag mir das nicht, du hast's in alten Tagen MEPHISTOPHELES: Unsinnig war's, leichtsinnig zu versprechen. FAUST:
Du hast, Geselle, nicht bedacht, MEPHISTOPHELES:
Du wähnst, es füge sich sogleich; FAUST:
Da haben wir den alten Leierton! MEPHISTOPHELES:
Das Heldenvolk geht mich nichts an, FAUST: Sprich, und ohne Säumnis! MEPHISTOPHELES:
Ungern entdeck' ich höheres Geheimnis. FAUST aufgeschreckt: Mütter! MEPHISTOPHELES: Schaudert's dich? FAUST:
Die Mütter! Mütter! - 's klingt so MEPHISTOPHELES:
Das ist es auch. Göttinnen, ungekannt FAUST: Wohin der Weg? MEPHISTOPHELES:
Kein Weg! Ins Unbetretene, FAUST:
Du spartest, dächt' ich, solche Sprüche; MEPHISTOPHELES:
Und hättest du den Ozean durchschwammen, FAUST:
Du sprichst als erster aller Mystagogen, MEPHISTOPHELES:
Ich rühme dich, eh' du dich von mir trennst, FAUST: Das kleine Ding! MEPHISTOPHELES: Erst fass ihn an und schätz ihn nicht gering. FAUST: Er wächst in meiner Hand! Er leuchtet, blitzt! MEPHISTOPHELES:
Merkst du nun bald, was man an ihm besitzt? FAUST schaudernd:
Den Müttern! Trifft's mich immer wie ein Schlag! MEPHISTOPHELES:
Bist du beschränkt, daß neues Wort dich stört? FAUST:
Doch im Erstarren such' ich nicht mein Heil, MEPHISTOPHELES:
Versinke denn! Ich könnt' auch sagen: steige! FAUST begeistert:
Wohl, fest ihn fassend fühl' ich neue Stärke, MEPHISTOPHELES:
Ein glühnder Dreifuß tut dir endlich kund, Faust macht eine entschieden gebietende Attitüde mit dem Schlüssel. MEPHISTOPHELES ihn betrachtend:
So ist's recht! FAUST: Und nun was jetzt? MEPHISTOPHELES:
Dein Wesen strebe nieder; Faust stampft und versinkt. MEPHISTOPHELES:
Wenn ihm der Schlüssel nur zum besten frommt! |
| Szenen |
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Kaiser und Fürsten, Hof in Bewegung.
KÄMMERER zu Mephistopheles:
Ihr seid uns noch die Geisterszene schuldig; MARSCHALK:
Soeben fragt der Gnädigste danach; MEPHISTOPHELES:
Ist mein Kumpan doch deshalb weggegangen; MARSCHALK:
Was ihr für Künste braucht, ist einerlei: BLONDINE zu Mephistopheles:
Ein Wort, mein Herr! Ihr seht ein klar Gesicht, MEPHISTOPHELES:
Schade! So ein leuchtend Schätzchen BRAUNE:
Die Menge drängt heran, Euch zu umschranzen. MEPHISTOPHELES: Erlaubet einen Tritt von meinem Fuß. BRAUNE: Nun, das geschieht wohl unter Liebesleuten. MEPHISTOPHELES:
Mein Fußtritt, Kind, hat Größres zu bedeuten. BRAUNE schreiend:
Weh! Weh! Das brennt! Das war ein harter Tritt, MEPHISTOPHELES:
Die Heilung nehmt Ihr mit. DAME herandringend:
Lasst mich hindurch! Zu groß sind meine Schmerzen, MEPHISTOPHELES:
Bedenklich ist es, aber höre mich. DAME: Ist doch kein Gift? MEPHISTOPHELES entrüstet:
Respekt, wo sich's gebührt! PAGE: Ich bin verliebt, man hält mich nicht für voll. MEPHISTOPHELES beiseite: Ich weiß nicht mehr, wohin ich hören soll. zum Pagen:
Müsst Euer Glück nicht auf die Jüngste setzen. Andere drängen sich herzu.
Schon wieder Neue! Welch ein harter Strauß! umherschauend:
Die Lichter brennen trübe schon im Saal, |
| Szenen |
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Dämmernde Beleuchtung. Kaiser und Hof sind eingezogen.
HEROLD:
Mein alt Geschäft, das Schauspiel anzukünden, Posaunen erklingen. ASTROLOGE:
Beginne gleich das Drama seinen Lauf, MEPHISTOPHELES aus dem Souffleurloch auftauchend:
Von hier aus hoff' ich allgemeine Gunst, zum Astrologen:
Du kennst den Takt, in dem die Sterne gehn, ASTROLOGE:
Durch Wunderkraft erscheint allhier zur Schau, ARCHITEKT:
Das wär antik! Ich wüsst' es nicht zu preisen, ASTROLOGE:
Empfangt mit Ehrfurcht sterngegönnte Stunden; Faust steigt auf der andern Seite des Proszeniums herauf. ASTROLOGE:
Im Priesterkleid, bekränzt, ein Wundermann, FAUST großartig:
In eurem Namen, Mütter, die ihr thront ASTROLOGE:
Der glüh'nde Schlüssel rührt die Schale kaum, Paris hervortretend. DAME: Oh! Welch ein Glanz aufblühender Jugendkraft! ZWEITE: Wie ein Pfirsich frisch und voller Saft! DRITTE: Die fein gezognen, süß geschwollnen Lippen! VIERTE: Du möchtest wohl an solchem Becher nippen? FÜNFTE: Er ist gar hübsch, wenn auch nicht eben fein. SECHSTE: Ein bisschen könnt' er doch gewandter sein. RITTER:
Den Schäferknecht glaub' ich allhier zu spüren, ANDERER:
Eh nun! Halb nackt ist wohl der Junge schön, DAME: Er setzt sich nieder, weichlich, angenehm. RITTER: Auf seinem Schoße wär Euch wohl bequem? ANDERE: Er lehnt den Arm so zierlich übers Haupt. KÄMMERER: Die Flegelei! Das find' ich unerlaubt! DAME: Ihr Herren wisst an allem was zu mäkeln. KÄMMERER: In Kaisers Gegenwart sich hinzuräkeln! DAME: Er stellt's nur vor! Er glaubt sich ganz allein. KÄMMERER: Das Schauspiel selbst, hier sollt' es höflich sein. DAME: Sanft hat der Schlaf den Holden übernommen. KÄMMERER: Er schnarcht nun gleich; natürlich ist's, vollkommen! JUNGE DAME entzückt:
Zum Weihrauchsdampf was duftet so gemischt, ÄLTERE:
Fürwahr! Es dringt ein Hauch tief ins Gemüte, ÄLTESTE:
Es ist des Wachstums Blüte, Helena hervortretend. MEPHISTOPHELES:
Das wär' sie denn! Vor dieser hätt' ich Ruh'; ASTROLOGE:
Für mich ist diesmal weiter nichts zu tun, FAUST:
Hab' ich noch Augen? Zeigt sich tief im Sinn MEPHISTOPHELES aus dem Kasten: So fasst Euch doch und fallt nicht aus der Rolle! ÄLTERE DAME: Groß, wohlgestaltet, nur der Kopf zu klein. JÜNGERE: Seht nur den Fuß! Wie könnt' er plumper sein! DIPLOMAT:
Fürstinnen hab' ich dieser Art gesehn, HOFMANN: Sie nähert sich dem Schläfer listig mild. DAME: Wie hässlich neben jugendreinem Bild! POET: Von ihrer Schönheit ist er angestrahlt. DAME: Endymion und Luna! Wie gemalt! POET:
Ganz recht! Die Göttin scheint herabzusinken, DUENNA: Vor allen Leuten! Das ist doch zu toll! FAUST: Furchtbare Gunst dem Knaben! - MEPHISTOPHELES: Ruhig! still! Lass das Gespenst doch machen, was es will. HOFMANN: Sie schleicht sich weg, leichtfüßig; er erwacht. DAME: Sie sieht sich um! Das hab' ich wohl gedacht. HOFMANN: Er staunt! Ein Wunder ist's, was ihm geschieht. DAME: Ihr ist kein Wunder, was sie vor sich sieht. HOFMANN: Mit Anstand kehrt sie sich zu ihm herum. DAME:
Ich merke schon, sie nimmt ihn in die Lehre; RITTER: Lasst mir sie gelten! Majestätisch fein! - DAME: Die Buhlerin! Das nenn' ich doch gemein! PAGE: Ich möchte wohl an seiner Stelle sein! HOFMANN: Wer würde nicht in solchem Netz gefangen? DAME:
Das Kleinod ist durch manche Hand gegangen, ANDERE: Vom zehnten Jahr an hat sie nichts getaugt. RITTER:
Gelegentlich nimmt jeder sich das Beste; GELEHRTER:
Ich seh' sie deutlich, doch gesteh' ich frei: ASTROLOGE:
Nicht Knabe mehr! Ein kühner Heldenmann, FAUST:
Verwegner Tor! MEPHISTOPHELES: Machst du's doch selbst, das Fratzengeisterspiel! ASTROLOGE:
Nur noch ein Wort! Nach allem, was geschah, FAUST:
Was Raub! Bin ich für nichts an dieser Stelle! ASTROLOGE:
Was tust du, Fauste! Fauste! Mit Gewalt Explosion, Faust liegt am Boden. Die Geister gehen in Dunst auf. MEPHISTOPHELES der Faust auf die Schulter nimmt:
Da habt ihr's nun! Mit Narren sich beladen, Finsternis, Tumult. |
| Szenen |
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Ehemals Faust's Studierzimmer, unverändert. Mephistopheles hinter einem Vorhang hervortretend. Indem er ihn aufhebt und zurücksieht, erblickt man Faust hingestreckt auf einem altmodischen Bett.
MEPHISTOPHELES:
Hier lieg, Unseliger! Verführt sich umschauend:
Blick' ich hinauf, hierher, hinüber, Er schüttelt den herabgenommenen Pelz; Zikaden, Käfer und Farfarellen fahren heraus. CHOR DER INSEKTEN:
Willkommen! Willkommen, MEPHISTOPHELES:
Wie überraschend mich die junge Schöpfung freut! Er schlüpft in den Pelz.
Komm, decke mir die Schultern noch einmal! Er zieht die Glocke, die einen geltenden, durchdringenden Ton er schallen lässt, wovon die Hallen erheben und die Türen aufspringen. FAMULUS den langen finstern Gang herwankend:
Welch ein Tönen! Welch ein Schauer! MEPHISTOPHELES winkend: Heran, mein Freund! Ihr heißet Nikodemus. FAMULUS: Hochwürdiger Herr, so ist mein Nam' - Oremus. MEPHISTOPHELES: Das lassen wir! FAMULUS: Wie froh, daß Ihr mich kennt! MEPHISTOPHELES:
Ich weiß es wohl, bejahrt und noch Student, FAMULUS:
Verzeiht, hochwürdiger Herr, wenn ich Euch sage, MEPHISTOPHELES:
Wo hat der Mann sich hingetan? FAMULUS:
Ach! Sein Verbot ist gar zu scharf, MEPHISTOPHELES:
Sollt' er den Zutritt mir verneinen? Der Famulus geht, Mephistopheles setzt sich gravitätisch nieder.
Kaum hab' ich Posto hier gefasst, BACCALAUREUS den Gang herstürmend:
Tor und Türe find' ich offen!
Diese Mauern, diese Wände
Doch was soll ich heut erfahren!
Aus den alten Bücherkrusten
Nahend seh' ich's mit Erstaunen,
Wenn, alter Herr, nicht Lethes trübe Fluten MEPHISTOPHELES:
Mich freut, daß ich Euch hergeläutet. BACCALAUREUS:
Mein alter Herr! Wir sind am alten Orte; MEPHISTOPHELES:
Wenn man der Jugend reine Wahrheit sagt, BACCALAUREUS:
Ein Schelm vielleicht! - denn welcher Lehrer spricht MEPHISTOPHELES:
Zum Lernen gibt es freilich eine Zeit; BACCALAUREUS:
Erfahrungswesen! Schaum und Dunst! MEPHISTOPHELES nach einer Pause:
Mich deucht es längst. Ich war ein Tor, BACCALAUREUS:
Das freut mich sehr! Da hör' ich doch Verstand; MEPHISTOPHELES:
Ich suchte nach verborgen-goldnem Schatze, BACCALAUREUS:
Gesteht nur, Euer Schädel, Eure Glatze MEPHISTOPHELES gemütlich: Du weißt wohl nicht, mein Freund, wie grob du bist? BACCALAUREUS: Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist. MEPHISTOPHELES der mit seinem Rollstuhle immer näher an den Bühnenrand rückt, zum Publikum:
Hier oben wird mir Licht und Luft benommen; BACCALAUREUS:
Anmaßlich find' ich, daß zur schlechtsten Frist MEPHISTOPHELES: Der Teufel hat hier weiter nichts zu sagen. BACCALAUREUS: Wenn ich nicht will, so darf kein Teufel sein. MEPHISTOPHELES zur Seite: Der Teufel stellt dir nächstens doch ein Bein. BACCALAUREUS:
Dies ist der Jugend edelster Beruf! Er geht. MEPHISTOPHELES:
Original! Fahr hin in deiner Pracht! zu dem jüngeren Publikum, das nicht applaudiert:
Ihr bleibt bei meinem Worte kalt, |
| Szenen |
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Im Stil des Mittelalters, aufwendige, unhandliche Apparate zu phantastischen Zwecken.
WAGNER am Herd:
Die Glocke tönt, die fürchterliche, MEPHISTOPHELES eintretend: Willkommen! Es ist gut gemeint. WAGNER ängstlich:
Willkommen zu dem Stern der Stunde! MEPHISTOPHELES leiser: Was gibt es denn? WAGNER leiser: Es wird ein Mensch gemacht. MEPHISTOPHELES:
Ein Mensch? Und welch verliebtes Paar WAGNER:
Behüte Gott! Wie sonst das Zeugen Mode war, zum Herd gewendet:
Es leuchtet! Seht! Nun lässt sich wirklich hoffen, zum Herd gewendet:
Es wird! Die Masse regt sich klarer! MEPHISTOPHELES:
Wer lange lebt, hat viel erfahren, WAGNER wie bisher immer aufmerksam auf die Phiole schauend:
Es steigt, es blitzt, es häuft sich an, mit Entzücken die Phiole betrachtend:
Das Glas erklingt von lieblicher Gewalt, HOMUNCULUS in der Phiole zu Wagner:
Nun Väterchen! wie steht's? Es war kein Scherz. zu Mephistopheles:
Du aber, Schalk, Herr Vetter, bist du hier WAGNER:
Nur noch ein Wort! Bisher musst' ich mich schämen, MEPHISTOPHELES:
Halt ein! Ich wollte lieber fragen: HOMUNCULUS: Was gibt's zu tun? MEPHISTOPHELES auf eine Seitentüre deutend: Hier zeige deine Gabe! WAGNER immer in die Phiole schauend: Fürwahr, du bist ein allerliebster Knabe! Die Seitentür öffnet sich, man sieht Faust auf dem Lager hingestreckt. HOMUNCULUS erstaunt: Bedeutend! - Die Phiole entschlüpft aus Wagners Händen, schwebt über Faust und beleuchtet ihn. HOMUNCULUS:
Schön umgeben! - Klar Gewässer MEPHISTOPHELES:
Was du nicht alles zu erzählen hast! HOMUNCULUS:
Das glaub' ich. Du aus Norden, umherschauend:
Verbräunt Gestein, bemodert, widrig, MEPHISTOPHELES: Der Ausweg soll mich freuen. HOMUNCULUS:
Befiehl den Krieger in die Schlacht, MEPHISTOPHELES: Dergleichen hab' ich nie vernommen. HOMUNCULUS:
Wie wollt' es auch zu euren Ohren kommen? MEPHISTOPHELES:
Wohin denn aber soll die Fahrt sich regen? HOMUNCULUS:
Nordwestlich, Satan, ist dein Lustrevier, MEPHISTOPHELES:
Oh weh! Hinweg! Und lasst mir jene Streite HOMUNCULUS:
Den Menschen lass ihr widerspenstig Wesen, MEPHISTOPHELES:
Manch Brockenstückchen wäre durchzuproben, HOMUNCULUS:
Du bist ja sonst nicht blöde; MEPHISTOPHELES lüstern:
Thessalische Hexen! Wohl! das sind Personen, HOMUNCULUS:
Den Mantel her, WAGNER ängstlich: Und ich? HOMUNCULUS:
Eh nun, WAGNER betrübt:
Leb wohl! Das drückt das Herz mir nieder. MEPHISTOPHELES:
Nun zum Peneios frisch hinab! zum Publikum gewandt:
Am Ende hängen wir doch ab |
| Szenen |
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Finsternis.
ERICHTHO:
Zum Schauderfeste dieser Nacht, wie öfter schon,
Wachfeuer glühen, rote Flammen spendende,
Doch über mir! welch unerwartet Meteor? Sie entfernt sich. Die Luftfahrer kommen von oben. HOMUNCULUS:
Schwebe noch einmal die Runde MEPHISTOPHELES:
Seh' ich, wie durchs alte Fenster HOMUNCULUS:
Sieh! Da schreitet eine Lange MEPHISTOPHELES:
Ist es doch, als wär ihr bange; HOMUNCULUS:
Lass sie schreiten! setz ihn nieder, FAUST den Boden berührend: Wo ist sie? HOMUNCULUS:
Wüssten's nicht zu sagen, MEPHISTOPHELES:
Auch ich bin hier an meinem Teil; HOMUNCULUS: So soll es blitzen, soll es klingen. Das Glas dröhnt und leuchtet gewaltig. Nun frisch zu neuen Wunderdingen! FAUST allein:
Wo ist sie? Frage jetzt nicht weiter nach ... Er entfernt sich. |
| Szenen |
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MEPHISTOPHELES umherspürend:
Und wie ich diese Feuerchen durchschweife, GREIF schnarrend:
Nicht Greisen! Greifen! Niemand hört es gern, MEPHISTOPHELES:
Und doch, nicht abzuschweifen, GREIF wie oben und immer so fort:
Natürlich! Die Verwandtschaft ist erprobt, AMEISEN von der kolossalen Art:
Ihr sprecht von Gold, wir hatten viel gesammelt, GREIFE: Wir wollen sie schon zum Geständnis bringen. ARIMASPEN:
Nur nicht zur freien Jubelnacht. MEPHISTOPHELES hat sich zwischen die Sphinxe gesetzt:
Wie leicht und gern ich mich hierher gewöhne, SPHINX:
Wir hauchen unsre Geistertöne, MEPHISTOPHELES:
Mit vielen Namen glaubt man mich zu nennen - SPHINX: Wie kam man drauf? MEPHISTOPHELES: Ich weiß es selbst nicht wie. SPHINX:
Mag sein! Hast du von Sternen einige Kunde? MEPHISTOPHELES aufschauend:
Stern schießt nach Stern, beschnittner Mond scheint helle, SPHINX:
Sprich nur dich selbst aus, wird schon Rätsel sein. ERSTER GREIF schnarrend: Den mag ich nicht! ZWEITER GREIF stärker schnarrend: Was will uns der? BEIDE GREIFE: Der Garstige gehöret nicht hierher! MEPHISTOPHELES brutal:
Du glaubst vielleicht, des Gastes Nägel krauen SPHINX milde:
Du magst nur immer bleiben, MEPHISTOPHELES:
Du bist recht appetitlich oben anzuschauen, SPHINX:
Du Falscher kommst zu deiner bittern Buße, Sirenen präludieren in der Höhe. MEPHISTOPHELES:
Wer sind die Vögel, in den Ästen SPHINX:
Gewahrt euch nur! Die Allerbesten SIRENEN:
Ach was wollt ihr euch verwöhnen SPHINXE sie verspottend in derselben Melodie:
Nötigt sie, herabzusteigen! SIRENEN:
Weg das Hassen! Weg das Neiden! MEPHISTOPHELES:
Das sind die saubern Neuigkeiten, SPHINXE:
Sprich nicht vom Herzen! Das ist eitel; FAUST herantretend:
Wie wunderbar! das Anschaun tut mir Gnüge, auf die Sphinxe bezüglich: Vor solchen hat einst Ödipus gestanden; auf die Sirenen bezüglich: Vor solchen krümmte sich Ulyss in hänfnen Banden; auf die Ameisen bezüglich: Von solchen ward der höchste Schatz gespart, auf die Greife bezüglich:
Von diesen treu und ohne Fehl bewahrt. MEPHISTOPHELES:
Sonst hättest du dergleichen weggeflucht, FAUST zu den Sphinxen:
Ihr Frauenbilder müsst mir Rede stehn: SPHINXE:
Wir reichen nicht hinauf zu ihren Tagen, SIRENEN:
Sollte dir's doch auch nicht fehlen! SPHINX:
Lass dich, Edler, nicht betrügen. Faust entfernt sich. MEPHISTOPHELES verdrießlich:
Was krächzt vorbei mit Flügelschlag? SPHINX:
Dem Sturm des Winterwinds vergleichbar, MEPHISTOPHELES wie verschüchtert: Noch andres Zeug zischt zwischen drein. SPHINX:
Vor diesen sei Euch ja nicht bange! MEPHISTOPHELES: Ihr bleibt doch hier? Daß ich euch wiederfinde. SPHINXE:
Ja! Mische dich zum luftigen Gesinde. |
| Szenen |
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Peneios, umgeben von Gewässern und Nymphen.
PENEIOS:
Rege dich, du Schilfgeflüster! FAUST an den Fluss tretend:
Hör' ich recht, so muss ich glauben: NYMPHEN zu Faust:
Am besten geschäh' dir, FAUST:
Ich wache ja! Oh lasst sie walten, NYMPHEN:
Leget, Schwestern, euer Ohr FAUST:
Ist mir doch, als dröhnt' die Erde, CHIRON: Was gibt's? Was ist's? FAUST: Bezähme deinen Schritt! CHIRON: Ich raste nicht. FAUST: So bitte! Nimm mich mit! CHIRON:
Sitz auf! So kann ich nach Belieben fragen: FAUST aufsitzend:
Wohin du willst. Für ewig dank' ich's dir ... CHIRON:
Das lassen wir an seinem Ort! FAUST:
Den Arzt, der jede Pflanze nennt, CHIRON:
Ward neben mir ein Held verletzt, FAUST:
Du bist der wahre große Mann, CHIRON:
Du scheinest mir geschickt zu heucheln, FAUST:
So wirst du mir denn doch gestehn: CHIRON:
Im hehren Argonautenkreise FAUST: Von Herkules willst nichts erwähnen? CHIRON:
Oh weh! Errege nicht mein Sehnen ... FAUST:
So sehr auch Bildner auf ihn pochen, CHIRON:
Was? Frauenschönheit will nichts heißen, FAUST: Du trugst sie? CHIRON: Ja, auf diesem Rücken. FAUST:
Bin ich nicht schon verwirrt genug? CHIRON:
Sie fasste so mich in das Haar, FAUST:
Oh ganz und gar CHIRON:
Die Frage lässt sich leicht gewähren. FAUST: Erst zehen Jahr! CHIRON:
Ich seh, die Philologen, FAUST:
So sei auch sie durch keine Zeit gebunden! CHIRON:
Mein fremder Mann! Als Mensch bist du entzückt; FAUST:
Geheilt will ich nicht sein, mein Sinn ist mächtig; CHIRON:
Versäume nicht das Heil der edlen Quelle! FAUST:
Sag an! Wohin hast du, in grauser Nacht, CHIRON:
Hier trotzten Rom und Griechenland im Streite, MANTO inwendig träumend:
Von Pferdes Hufe CHIRON:
Ganz recht! MANTO erwachend: Willkommen! Ich sah', du bleibst nicht aus. CHIRON: Steht dir doch auch dein Tempelhaus! MANTO: Streifst du noch immer unermüdet? CHIRON:
Wohnst du doch immer still umfriedet, MANTO:
Ich harre, mich umkreist die Zeit. CHIRON:
Die verrufene Nacht MANTO: Den lieb' ich, der Unmögliches begehrt. Chiron ist schon weit weg. MANTO:
Tritt ein, Verwegner, sollst dich freuen! Sie steigen hinab. |
| Szenen |
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Wie zuvor.
SIRENEN:
Stürzt euch in Peneios' Flut! Erdbeben. SIRENEN:
Schäumend kehrt die Welle wieder,
Fort! ihr edlen frohen Gäste, SEISMOS in der Tiefe brummend und polternd:
Einmal noch mit Kraft geschoben, SPHINXE:
Welch ein widerwärtig Zittern,
Nun erhebt sich ein Gewölbe SEISMOS:
Das hab' ich ganz allein vermittelt, SPHINXE:
Uralt, müsste man gestehen, GREIFE:
Gold in Blättchen, Gold in Flittern CHOR DER AMEISEN:
Wie ihn die Riesigen GREIFE:
Herein! Herein! Nur Gold zu Hauf! PYGMÄEN:
Haben wirklich Platz genommen, DAKTYLE:
Hat sie in einer Nacht PYGMÄEN-ÄLTESTE:
Eilet, bequemen
Ihr Imsen alle, GENERALISSIMUS:
Mit Pfeil und Bogen IMSEN UND DAKTYLE:
Wer wird uns retten! DIE KRANICHE DES IBYKUS:
Mordgeschrei und Sterbeklagen! Sie zerstreuen sich krächzend in den Lüften. MEPHISTOPHELES in der Ebene:
Die nordischen Hexen wusst' ich wohl zu meistern, LAMIEN Mephistopheles nach sich ziehend:
Geschwind, geschwinder! MEPHISTOPHELES stillstehend:
Verflucht Geschick! Betrogne Mannsen! LAMIEN innehaltend:
Halt! Er besinnt sich, zaudert, steht; MEPHISTOPHELES fortschreitend:
Nur zu! Und lass dich ins Gewebe LAMIEN anmutigst:
Kreisen wir um diesen Helden! MEPHISTOPHELES:
Zwar bei ungewissem Schimmer EMPUSE eindringlich:
Auch nicht mich! als eine solche LAMIEN:
Die ist in unserm Kreis zuviel, EMPUSE zu Mephisto:
Begrüßt von Mühmichen Empuse, MEPHISTOPHELES:
Hier dacht ich lauter Unbekannte EMPUSE:
Entschieden weiß ich gleich zu handeln, MEPHISTOPHELES:
Ich merk', es hat bei diesen Leuten LAMIEN:
Lass diese Garstige, sie verscheucht, MEPHISTOPHELES:
Auch diese Mühmchen zart und schmächtig, LAMIEN:
Versuch es doch! Sind unsrer viele. MEPHISTOPHELES: Die Schönste hab' ich mir erlesen ... sie umfassend: Oh weh mir! Welch ein dürrer Besen! Eine andere ergreifend: Und diese? ... Schmähliches Gesicht! LAMIEN: Verdienst du's besser? Dünk es nicht. MEPHISTOPHELES:
Die Kleine möcht' ich mir verpfänden... LAMIEN:
Fahrt auseinander, schwankt und schwebet MEPHISTOPHELES sich schüttelnd:
Viel klüger, scheint es, bin ich nicht geworden; sich zwischen dem Gestein verirrend:
Wo bin ich denn? Wo will's hinaus? OREAS vom Naturfels:
Herauf hier! Mein Gebirg ist alt, MEPHISTOPHELES:
Sei Ehre dir, ehrwürdiges Haupt, HOMUNCULUS:
Ich schwebe so von Stell' zu Stelle MEPHISTOPHELES:
Das tu auf deine eigne Hand. HOMUNCULUS: Ein guter Rat ist auch nicht zu verschmähn. MEPHISTOPHELES: So fahre hin! Wir wollen's weiter sehn. Sie trennen sich. ANAXAGORAS zu Thales:
Dein starrer Sinn will sich nicht beugen; THALES:
Die Welle beugt sich jedem Winde gern, ANAXAGORAS: Durch Feuerdunst ist dieser Fels zu Handen. THALES: Im Feuchten ist Lebendiges erstanden. HOMUNCULUS zwischen beiden:
Lasst mich an eurer Seite gehn. ANAXAGORAS:
Hast du, oh Thales, je in einer Nacht THALES:
Nie war Natur und ihr lebendiges Fließen ANAXAGORAS:
Hier aber war's! Platonisch grimmig Feuer, THALES:
Was wird dadurch nun weiter fortgesetzt? ANAXAGORAS:
Schnell quillt der Berg von Myrmidonen, zum Homunculus:
Nie hast du Großem nachgestrebt, HOMUNCULUS: Was sagt mein Thales? THALES:
Will's nicht raten; ANAXAGORAS nach einer Pause feierlich:
Konnt' ich bisher die Unterirdischen loben, Pause.
Bin ich zu schnell erhört?
Und größer, immer größer nahet schon
So wär' es wahr, daß dich thessalische Frauen Er wirft sich aufs Angesicht. THALES:
Was dieser Mann nicht alles hört' und sah! HOMUNCULUS:
Schaut hin nach der Pygmäen Sitz! THALES:
Sei ruhig! Es war nur gedacht. Sie entfernen sich. MEPHISTOPHELES an der Gegenseite kletternd:
Da muss ich mich durch steile Felsentreppen, DRYAS:
In deinem Lande sei einheimisch klug, MEPHISTOPHELES:
Man denkt an das, was man verließ; DRYAS:
Die Phorkyaden! Wage dich zum Ort MEPHISTOPHELES:
Warum denn nicht! - Ich sehe was, und staune! PHORKYAS:
Gebt mir das Auge, Schwestern, daß es frage, MEPHISTOPHELES:
Verehrteste! Erlaubt mir, euch zu nahen PHORKYADEN: Er scheint Verstand zu haben, dieser Geist. MEPHISTOPHELES:
Nur wundert's mich, daß euch kein Dichter preist. PHORKYADEN:
Versenkt in Einsamkeit und stillste Nacht, MEPHISTOPHELES:
Wie sollt' es auch? Da ihr, der Welt entrückt, PHORKYADEN:
Schweige still und gib uns kein Gelüsten! MEPHISTOPHELES:
In solchem Fall hat es nicht viel zu sagen, EINE: Wie, dünkt's euch, ging' es an? DIE ANDERN: Versuchen wir's! - Doch ohne Aug' und Zahn. MEPHISTOPHELES:
Nun habt ihr grad das Beste weggenommen; EINE:
Drück du ein Auge zu, 's ist leicht geschehn, MEPHISTOPHELES: Viel Ehr! Es sei! PHORKYADEN: Es sei! MEPHISTOPHELES als Phorkyas im Profil:
Da steh' ich schon, PHORKYADEN: Des Chaos Töchter sind wir unbestritten. MEPHISTOPHELES: Man schilt mich nun, oh Schmach, Hermaphroditen. PHORKYADEN:
Im neuen Drei der Schwestern welche Schöne! MEPHISTOPHELES:
Vor aller Augen muss ich mich verstecken, |
| Szenen |
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Mond im Zenit verharrend.
SIRENEN auf den Klippen umher gelagert, flötend und singend:
Haben sonst bei nächtigem Grauen NEREIDEN UND TRITONEN als Meerwunder:
Tönet laut in schärfern Tönen, SIRENEN:
Wissen's wohl, in Meeresfrische NEREIDEN UND TRITONEN:
Ehe wir hieher gekommen, Sie entfernen sich. SIRENEN:
Fort sind sie im Nu!
Bleibe auf deinen Höhn, THALES am Ufer zu Homunculus:
Ich führte dich zum alten Nereus gern; HOMUNCULUS:
Probieren wir's und klopfen an! NEREUS:
Sind's Menschenstimmen, die mein Ohr vernimmt? THALES:
Und doch, oh Greis des Meers, vertraut man dir; NEREUS:
Was Rat! Hat Rat bei Menschen je gegolten? THALES:
Dem weisen Mann gibt solch Betragen Qual; NEREUS:
Verderbt mir nicht den seltensten Humor! Er entfernt sich zum Meer hin. THALES:
Wir haben nichts durch diesen Schritt gewonnen, Thales und Homunculus entfernen sich. SIRENEN oben auf den Felsen:
Was sehen wir von weiten NEREIDEN UND TRITONEN:
Was wir auf Händen tragen, SIRENEN:
Klein von Gestalt, NEREIDEN UND TRITONEN:
Wir bringen die Kabiren, SIRENEN:
Wir stehen euch nach; NEREIDEN UND TRITONEN:
Drei haben wir mitgenommen, SIRENEN:
Ein Gott den andern Gott NEREIDEN UND TRITONEN: Sind eigentlich ihrer sieben. SIRENEN: Wo sind die drei geblieben? NEREIDEN UND TRITONEN:
Wir wüssten's nicht zu sagen, SIRENEN:
Wir sind gewohnt, NEREIDEN UND TRITONEN:
Wie unser Ruhm zum höchsten prangt, SIRENEN:
Die Helden des Altertums wiederholt als Allgesang:
Wenn sie das goldne Vlies erlangt, Nereiden und Tritonen ziehen vorüber. HOMUNCULUS:
Die Ungestalten seh' ich an THALES:
Das ist es ja, was man begehrt: PROTEUS unbemerkt:
So etwas freut mich alten Fabler! THALES: Wo bist du, Proteus? PROTEUS bauchrednerisch, bald nah, bald fern: Hier! Und hier! THALES:
Den alten Scherz verzeih' ich dir; PROTEUS als aus der Ferne: Leb' wohl! THALES leise zu Homunculus:
Er ist ganz nah. Nun leuchte frisch! HOMUNCULUS:
Ergieß' ich gleich des Lichtes Menge, PROTEUS in Gestalt einer Riesenschildkröte: Was leuchtet so anmutig schön? THALES den Homunculus verhüllend:
Gut! Wenn du Lust hast, kannst du's näher sehn. PROTEUS edel gestaltet: Weltweise Kniffe sind dir noch bewusst. THALES: Gestalt zu wechseln, bleibt noch deine Lust. Er hat den Homunculus enthüllt. PROTEUS erstaunt: Ein leuchtend Zwerglein! Niemals noch gesehn! THALES:
Es fragt um Rat und möchte gern entstehn. PROTEUS:
Du bist ein wahrer Jungfernsohn, THALES leise:
Auch scheint es mir von andrer Seite kritisch: PROTEUS:
Da muss es desto eher glücken; HOMUNCULUS:
Hier weht gar eine weiche Luft, PROTEUS:
Das glaub' ich, allerliebster Junge! THALES: Ich gehe mit. HOMUNCULUS: Dreifach merkwürd'ger Geisterschritt! Telchinen von Rhodus auf Hippokampen und Meerdrachen, Neptuns Dreizack im Gebrauch. CHOR:
Wir haben den Dreizack Neptunen geschmiedet, SIRENEN:
Euch, dem Helios Geweihten, TELCHINEN:
Allieblichste Göttin am Bogen da droben! PROTEUS:
Lass du sie singen, lass sie prahlen! Er verwandelt sich.
Schon ist's getan! THALES:
Gib nach dem löblichen Verlangen, Homunculus besteigt den Proteus-Delphin. PROTEUS:
Komm geistig mit in feuchte Weite, THALES:
Nachdem es kommt; 's ist auch wohl fein, PROTEUS zu Thales:
So einer wohl von deinem Schlag! SIRENEN auf den Felsen:
Welch ein Ring von Wölkchen ründet NEREUS zu Thales tretend:
Nennte wohl ein nächtiger Wanderer THALES:
Auch ich halte das fürs Beste, PSYLLEN UND MARSEN auf Meerstieren, Meerkälbern und -widdern:
In Cyperns rauhen Höhlegrüften, SIRENEN:
Leicht bewegt, in mäßiger Eile, DORIDEN im Chor an Nereus vorbeiziehend, sämtlich auf Delphinen:
Leih uns, Luna, Licht und Schatten, zu Nereus:
Knaben sind's, die wir gerettet NEREUS:
Hoch ist der Doppelgewinn zu schätzen: DORIDEN:
Lobst du, Vater, unser Walten, NEREUS:
Mögt euch des schönen Fanges freuen, DORIDEN:
Ihr, holde Knaben, seid uns wert, DIE JÜNGLINGE:
Wenn ihr uns nur so ferner labt, Galatee auf dem Muschelwagen nähert sich. NEREUS: Du bist es, mein Liebchen! GALATEE:
Oh Vater! das Glück! NEREUS:
Vorüber schon, sie ziehen vorüber THALES:
Heil! Heil! Aufs neue! ECHO Chorus der sämtlichen Kreise: Du bist's, dem das frischeste Leben entquellt. NEREUS:
Sie kehren schwankend fern zurück, HOMUNCULUS:
In dieser holden Feuchte PROTEUS:
In dieser Lebensfeuchte NEREUS:
Welch neues Geheimnis in Mitte der Scharen THALES:
Homunculus ist es, von Proteus verführt ... SIRENEN:
Welch feuriges Wunder verklärt uns die Wellen, ALL-ALLE!:
Heil den mildgewogenen Lüften! |
| Szenen |
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Helena tritt auf und Chor gefangener Trojanerinnen. Panthalis, Chorführerin.
HELENA:
Bewundert viel und viel gescholten, Helena, CHOR:
Verschmähe nicht, o herrliche Frau, HELENA:
Genug! mit meinem Gatten bin ich hergeschifft CHOR:
Erquicke nun am herrlichen Schatz, HELENA:
Sodann erfolgte des Herren ferneres Herrscherwort: CHOR:
Was geschehen werde, sinnst du nicht aus; HELENA:
Sei's, wie es sei! Was auch bevorsteht, mir geziemt, Sie geht. CHOR:
Werfet, oh Schwestern, ihr PANTHALIS als Chorführerin:
Verlasset nun des Gesanges freudumgebnen Pfad HELENA welche die Türflügel offen gelassen hat, bewegt:
Der Tochter Zeus' geziemet nicht gemeine Furcht, CHORFÜHRERIN:
Entdecke deinen Dienerinnen, edle Frau, HELENA:
Was ich gesehen, sollt ihr selbst mit Augen sehn, Phorkyas auf der Schwelle zwischen den Türpfosten auftretend. CHOR:
Vieles erlebt' ich, obgleich die Locke
Durch das umwölkte, staubende Tosen
Ach! Sie standen noch, Ilios'
Flüchtend sah ich durch Rauch und Glut
Sah ich's, oder bildete
Welche von Phorkys'
Wagest du Scheusal
Doch uns Sterbliche nötigt, ach,
Ja, so höre denn, wenn du frech PHORKYAS:
Alt ist das Wort, doch bleibet hoch und wahr der Sinn, HELENA:
Wer gegenwarts der Frau die Dienerinnen schilt, PHORKYAS:
Den Hausgenossen drohen bleibt ein großes Recht, CHORFÜHRERIN: Wie hässlich neben Schönheit zeigt sich Hässlichkeit. PHORKYAS: Wie unverständig neben Klugheit Unverstand. Von hier an erwidern die Choretiden, einzeln aus dem Chor heraustretend. CHORETIDE 1: Von Vater Erebus melde, melde von Mutter Nacht. PHORKYAS: So sprich von Scylla, leiblich dir Geschwisterkind. CHORETIDE 2: An deinem Stammbaum steigt manch Ungeheur empor. PHORKYAS: Zum Orkus hin! Da suche deine Sippschaft auf. CHORETIDE 3: Die dorten wohnen, sind dir alle viel zu jung. PHORKYAS: Tiresias, den Alten, gehe buhlend an. CHORETIDE 4: Orions Amme war dir Ur-Urenkelin. PHORKYAS: Harpyen, wähn' ich, fütterten dich im Unflat auf. CHORETIDE 5: Mit was ernährst du so gepflegte Magerkeit? PHORKYAS: Mit Blute nicht, wonach du allzulüstern bist. CHORETIDE 6: Begierig du auf Leichen, ekle Leiche selbst! PHORKYAS: Vampyren-Zähne glänzen dir im frechen Maul. CHORFÜHRERIN: Das deine stopf' ich, wenn ich sage, wer du seist. PHORKYAS: So nenne dich zuerst; das Rätsel hebt sich auf. HELENA:
Nicht zürnend, aber traurend schreit' ich zwischen euch, PHORKYAS:
Wer langer Jahre mannigfaltigen Glücks gedenkt, HELENA:
Entführte mich, ein zehnjährig schlankes Reh, PHORKYAS:
Durch Kastor und durch Pollux aber bald befreit, HELENA:
Doch stille Gunst vor allen, wie ich gern gesteh', PHORKYAS:
Doch Vaterwille traute dich an Menelas, HELENA:
Die Tochter gab er, gab des Reichs Bestellung ihm. PHORKYAS:
Doch als er fern sich Kretas Erbe kühn erstritt, HELENA:
Warum gedenkst du jener halben Witwenschaft, PHORKYAS:
Auch jene Fahrt, mir freigebornen Kreterin HELENA:
Als Schaffnerin bestellt' er dich sogleich hieher, PHORKYAS:
Die du verließest, Ilios' umtürmter Stadt HELENA:
Gedenke nicht der Freuden! allzuherben Leids PHORKYAS:
Doch sagt man, du erschienst ein doppelhaft Gebild, HELENA:
Verwirre wüsten Sinnes Aberwitz nicht gar. PHORKYAS:
Dann sagen sie: aus hohlem Schattenreich herauf HELENA:
Ich als Idol, ihm dem Idol verband ich mich. Sie sinkt dem Halbchor in die Arme. CHOR:
Schweige, schweige!
Denn der Bösartige, wohltätig erscheinend,
Nun denn, statt freundlich mit Trost reich begabten,
Schweige, schweige! Helena hat sich erholt und steht wieder in der Mitte. PHORKYAS:
Tritt hervor aus flüchtigen Wolken, hohe Sonne dieses Tags, HELENA:
Tret' ich schwankend aus der Ode, die im Schwindel mich umgab, PHORKYAS:
Stehst du nun in deiner Großheit, deiner Schöne vor uns da, HELENA:
Eures Haders frech Versäumnis auszugleichen, seid bereit; PHORKYAS:
Alles ist bereit im Hause, Schale, Dreifuß, scharfes Beil HELENA: Nicht bezeichnet' es der König. PHORKYAS: Sprach's nicht aus? Oh Jammerwort! HELENA: Welch ein Jammer überfällt dich? PHORKYAS: Königin, du bist gemeint! HELENA: Ich? PHORKYAS: Und diese. CHOR: Weh und Jammer! PHORKYAS: Fallen wirst du durch das Beil. HELENA: Grässlich! Doch geahnt; ich Arme! PHORKYAS: Unvermeidlich scheint es mir. CHOR: Ach! Und uns? Was wird begegnen? PHORKYAS:
Sie stirbt einen edlen Tod; Helena und Chor stehen erstaunt und erschreckt in bedeutender, wohlvorbereiteter Gruppe.
Gespenster! - Gleich erstarrten Bildern steht ihr da, Klatscht in die Hände; darauf erscheinen an der Pforte vermummte Zwerggestalten, welche die ausgesprochenen Befehle alsobald mit Behändigkeit ausführen.
Herbei, du düstres, kugelrundes Ungetüm! CHORFÜHRERIN:
Die Königin stehet sinnend an der Seite hier, PHORKYAS:
Ist leicht gesagt: von der Königin hängt allein es ab, CHOR:
Ehrenwürdigste der Parzen, weiseste Sibylle du, HELENA:
Lass diese bangen! Schmerz empfind' ich, keine Furcht; CHOR:
Sprich und sage, sag uns eilig: wie entrinnen wir den grausen, PHORKYAS:
Habt ihr Geduld, des Vortrags langgedehnten Zug CHOR: Geduld genug! Zuhörend leben wir indes. PHORKYAS:
Dem, der zu Hause verharrend edlen Schatz bewahrt HELENA:
Wozu dergleichen wohlbekannte Sprüche hier? PHORKYAS:
Geschichtlich ist es, ist ein Vorwurf keineswegs. HELENA:
Ist dir denn so das Schelten gänzlich einverleibt, PHORKYAS:
So viele Jahre stand verlassen das Talgebirg, HELENA: Das konnten sie vollführen? Ganz unmöglich scheint's. PHORKYAS: Sie hatten Zeit, vielleicht an zwanzig Jahre sind's. HELENA: Ist einer Herr? Sind's Räuber viel, Verbündete? PHORKYAS:
Nicht Räuber sind es, einer aber ist der Herr. HELENA: Wie sieht er aus? PHORKYAS:
Nicht übel! Mir gefällt er schon. CHOR: Was sind Wappen? PHORKYAS:
Ajax führte ja CHOR: Sage, gibt's auch Tänzer da? PHORKYAS:
Die besten! Goldgelockte, frische Bubenschar. HELENA:
Du fällst PHORKYAS:
Du sprichst das letzte, sagst mit Ernst vernehmlich: Ja! CHOR:
Oh sprich HELENA:
Wie? Sollt' ich fürchten, daß der König Menelas PHORKYAS:
Hast du vergessen, wie er deinen Deiphobus, HELENA: Das tat er jenem, meinetwegen tat er das. PHORKYAS:
Um jenes willen wird er dir das gleiche tun. Trompeten in der Ferne; der Chor fährt zusammen.
Wie scharf der Trompete Schmettern Ohr und Eingeweid' CHOR: Hörst du nicht die Hörner schallen? siehst der Waffen Blitze nicht? PHORKYAS: Sei willkommen, Herr und König, gerne geb' ich Rechenschaft. CHOR: Aber wir? PHORKYAS:
Ihr wisst es deutlich, seht vor Augen ihren Tod, Pause HELENA:
Ich sann mir aus das Nächste, was ich wagen darf. CHOR:
Oh wie gern gehen wir hin, Nebel verbreiten sich, umhüllen den Hintergrund, auch die Nähe nach Belieben.
Wie? aber wie?
Schwestern, schaut euch um!
Doch, aber doch
Alles deckte sich schon
Ja auf einmal wird es düster, ohne Glanz entschwebt der Nebel |
| Szenen |
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Umgeben von reichen phantastischen Gebäuden des Mittelalters.
CHORFÜHRERIN:
Vorschnell und töricht, echt wahrhaftes Weibsgebild! HELENA:
Wo bist du, Pythonissa? Heiße, wie du magst; CHORFÜHRERIN:
Vergebens blickst du, Königin, allseits um dich her; CHOR:
Aufgeht mir das Herz! Oh, seht nur dahin,
Aber die schönsten, Alles vom Chor Ausgesprochene geschieht nach und nach. Faust. Nachdem Knaben und Knappen in langem Zug herabgestiegen, erscheint er oben an der Treppe in ritterlicher Hofkleidung des Mittelalters und kommt langsam würdig herunter. CHORFÜHRERIN ihn aufmerksam beschauend:
Wenn diesem nicht die Götter, wie sie öfter tun, FAUST herantretend, einen Gefesselten zur Seite:
Statt feierlichsten Grußes, wie sich ziemte, HELENA:
So hohe Würde, wie du sie vergönnst, TURMWÄRTER LYNKEUS:
Lass mich knieen, lass mich schauen,
Harrend auf des Morgens Wonne,
Zog den Blick nach jener Seite,
Augenstrahl ist mir verliehen
Wüßt' ich irgend mich zu finden?
Aug' und Brust ihr zugewendet,
Ich vergaß des Wächters Pflichten, HELENA:
Das Übel, das ich brachte, darf ich nicht FAUST:
Erstaunt, oh Königin, seh' ich zugleich LYNKEUS mit einer Kiste, und Männer, die ihm andere nachtragen:
Du siehst mich, Königin, zurück!
Was war ich erst? Was bin ich nun?
Von Osten kamen wir heran,
Der erste fiel, der zweite stand,
Wir drängten fort, wir stürmten fort,
Wir schauten - eilig war die Schau;
Ich aber liebte, zu erspähn
Den Schätzen war ich auf der Spur,
Und Haufen Goldes waren mein,
Nun schwanke zwischen Ohr und Mund
Und so den allergrößten Schatz
So viele Kisten schlapp' ich her,
Denn du bestiegest kaum den Thron,
Das alles hielt ich fest und mein,
Verschwunden ist, was ich besaß, FAUST:
Entferne schnell die kühn erworbne Last, LYNKEUS:
Schwach ist, was der Herr befiehlt, Er geht. HELENA zu Faust:
Ich wünsche dich zu sprechen, doch herauf FAUST:
Erst knieend lass die treue Widmung dir HELENA:
Vielfache Wunder seh' ich, hör' ich an, FAUST:
Gefällt dir schon die Sprechart unsrer Völker, HELENA: So sage denn, wie sprach' ich auch so schön? FAUST:
Das ist gar leicht, es muss von Herzen gehn. HELENA: Wer mitgenießt. FAUST:
Nun schaut der Geist nicht vorwärts, nicht zurück, HELENA: Ist unser Glück. FAUST:
Schatz ist sie, Hochgewinn, Besitz und Pfand; HELENA: Meine Hand. CHOR:
Wer verdächt' es unsrer Fürstin,
Fraun, gewöhnt an Männerliebe,
Nah und näher sitzen sie schon
Aufgepolsterter Herrlichkeit. HELENA:
Ich fühle mich so fern und doch so nah, FAUST:
Ich atme kaum, mir zittert, stockt das Wort; HELENA:
Ich scheine mir verlebt und doch so neu, FAUST:
Durchgrüble nicht das einzigste Geschick! PHORKYAS heftig eintretend:
Buchstabiert in Liebesfibeln, FAUST:
Verwegne Störung! widerwärtig dringt sie ein; Signale, Explosionen von den Türmen, Trompeten und Trommeln, kriegerische Musik, Durchmarsch gewaltiger Heereskraft. FAUST:
Nein, gleich sollst du versammelt schauen zu den Heerführern, die sich von den Kolonnen absondern und herantreten:
Mit angehaltnem stillen Wüten,
In Stahl gehüllt, vom Strahl umwittert,
An Pylos traten wir zu Lande,
Drängt ungesäumt von diesen Mauern
Herzoge soll ich euch begrüßen,
Germane du! Korinthus' Buchten
Nach Elis ziehn der Franken Heere,
Dann wird ein jeder häuslich wohnen,
All-einzeln sieht sie euch genießen Faust steigt herab, die Fürsten schließen einen Kreis um ihn, Befehl und Anordnung näher zu vernehmen. CHOR:
Wer die Schönste für sich begehrt,
Unsern Fürsten Lob' ich drum,
Denn wer entreißet sie jetzt FAUST:
Die Gaben, diesen hier verliehen -
Und sie beschützen um die Wette,
Das Land, vor aller Länder Sonnen,
Als mit Eurotas' Schilfgeflüster
Dies Land, allein zu dir gekehret,
Und duldet auch auf seiner Berge Rücken
Die Quelle springt, vereinigt stürzen Bäche,
Verteilt, vorsichtig abgemessen schreitet
Pan schützt sie dort, und Lebensnymphen wohnen
Alt-Wälder sind's! Die Eiche starret mächtig,
Und mütterlich im stillen Schattenkreise
Hier ist das Wohlbehagen erblich,
Und so entwickelt sich am reinen Tage
So war Apoll den Hirten zugestaltet, neben ihr sitzend:
So ist es mir, so ist es dir gelungen;
Nicht feste Burg soll dich umschreiben!
Gelockt, auf sel'gem Grund zu wohnen, |
| Szenen |
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Der Schauplatz verwandelt sich völlig. An eine Reihe von Felsenhöhlen lehnen sich geschlossne Lauben. Schattiger Hain bis an die rings umgebende Felsensteile hinan. Faust und Helena werden nicht gesehen. Der Chor liegt schlafend verteilt umher.
PHORKYAS:
Wie lange Zeit die Mädchen schlafen, weiß ich nicht; CHOR:
Rede nur, erzähl', erzähle, was sich Wunderlichs begeben! PHORKYAS:
Kaum die Augen ausgerieben, Kinder, langeweilt ihr schon? CHOR: Wie, da drinnen? PHORKYAS:
Abgesondert CHOR:
Tust du doch, als ob da drinnen ganze Weltenräume wären, PHORKYAS:
Allerdings, ihr Unerfahrnen! das sind unerforschte Tiefen: CHOR:
Nennst du ein Wunder dies, Kretas Erzeugte?
Alles, was je geschieht
So auch er, der Behendeste, Ein reizendes, reinmelodisches Saitenspiel erklingt aus der Höhle. Alle merken auf und scheinen bald innig gerührt. Von hier an bis zur bemerkten Pause durchgängig mit vollstimmiger Musik. PHORKYAS:
Höret allerliebste Klänge,
Niemand will euch mehr verstehen, Sie zieht sich nach den Felsen zurück. CHOR:
Bist du, fürchterliches Wesen, Helena, Faust, Euphorion in dem oben beschriebenen Kostüm. EUPHORION:
Hört ihr Kindeslieder singen, HELENA:
Liebe, menschlich zu beglücken, FAUST:
Alles ist sodann gefunden: CHOR:
Wohlgefallen vieler Jahre EUPHORION:
Nun lasst mich hüpfen, FAUST:
Nur mäßig! Mäßig! EUPHORION:
Ich will nicht länger HELENA:
Oh denk! Oh denke, CHOR:
Bald löst, ich fürchte, HELENA UND FAUST:
Bändige! Bändige EUPHORION:
Nur euch zu Willen durch den Chor sich schlingend und ihn zum Tanze fortziehend:
Leichter umschweb' ich hie HELENA:
Ja, das ist wohlgetan; FAUST:
Wäre das doch vorbei! Euphorion und Chor tanzend und singend bewegen sich in verschlungenem Reihen. CHOR:
Wenn du der Arme Paar Pause. EUPHORION:
Ihr seid so viele CHOR:
Willst du uns fangen, EUPHORION:
Nur durch die Haine! HELENA UND FAUST:
Welch ein Mutwill'! Welch ein Rasen! CHOR einzeln schnell eintretend:
Uns ist er vorbeigelaufen; EUPHORION ein junges Mädchen hereintragend:
Schlepp' ich her die derbe Kleine MÄDCHEN:
Lass mich los! In dieser Hülle Sie flammt auf und lodert in die Höhe.
Folge mir in leichte Lüfte, EUPHORION die letzten Flammen abschüttelnd:
Felsengedränge hier Er springt immer höher felsauf. HELENA, FAUST UND CHOR:
Wolltest du den Gemsen gleichen? EUPHORION:
Immer höher muss ich steigen, CHOR:
Magst nicht in Berg und Wald EUPHORION:
Träumt ihr den Friedenstag? CHOR:
Wer im Frieden EUPHORION:
Welche dies Land gebar CHOR:
Seht hinauf, wie hoch gestiegen! EUPHORION:
Keine Wälle, keine Mauern, CHOR:
Heilige Poesie, EUPHORION:
Nein, nicht ein Kind bin ich erschienen, HELENA UND FAUST:
Kaum ins Leben eingerufen, EUPHORION:
Und hört ihr donnern auf dem Meere? HELENA, FAUST UND CHOR:
Welch Entsetzen! Welches Grauen! EUPHORION:
Sollt' ich aus der Ferne schauen? DIE VORIGEN:
Übermut und Gefahr, EUPHORION:
Doch! - Und ein Flügelpaar Er wirft sich in die Lüfte, die Gewande tragen ihn einen Augenblick, sein Haupt strahlt, ein Lichtschweif zieht nach. CHOR:
Ikarus! Ikarus! Ein schöner Jüngling stürzt zu der Eltern Füßen, man glaubt in dem Toten eine bekannte Gestalt zu erblicken; doch das Körperliche verschwindet sogleich, die Aureole steigt wie ein Komet zum Himmel auf, Kleid, Mantel und Lyra bleiben liegen. HELENA UND FAUST:
Der Freude folgt sogleich EUPHORIONS STIMME aus der Tiefe:
Lass mich im düstern Reich, Pause. CHOR Trauergesang:
Nicht allein! - Wo du auch weilest,
Ach! Zum Erdenglück geboren,
Doch du ranntest unaufhaltsam
Wem gelingt es? - Trübe Frage, Völlige Pause. Die Musik hört auf. HELENA zu Faust:
Ein altes Wort bewährt sich leider auch an mir: Sie umarmt Faust, das Körperliche verschwindet, Kleid und Schleier bleiben in seinen Armen. PHORKYAS zu Faust:
Halte fest, was dir von allem übrigblieb. Helenas Gewande lösen sich in Wolken auf, umgeben Faust, heben ihn in die Höhe und ziehen mit ihm vorüber. Phorkyas nimmt Euphorions Kleid, Mantel und Lyra von der Erde, tritt ins Proszenium, hebt die Hüllen in die Höhe und spricht. PHORKYAS:
Noch immer glücklich aufgefunden! Sie setzt sich im Proszenium an eine Säule nieder. PANTHALIS:
Nun eilig, Mädchen! Sind wir doch den Zauber los, CHOR:
Königinnen freilich, überall sind sie gern; PANTHALIS:
Wer keinen Namen sich erwarb noch Edles will, Sie geht. ALLE:
Zurückgegeben sind wir dem Tageslicht, EIN TEIL DES CHORS:
Wir in dieser tausend Äste Flüsterzittern, Säuselschweben EIN ANDRER TEIL:
Wir, an dieser Felsenwände weithinleuchtend glattem Spiegel EIN DRITTER TEIL:
Schwestern! Wir, bewegtern Sinnes, eilen mit den Bächen weiter; EIN VIERTER TEIL:
Wallt ihr andern, wo's beliebet; wir umzingeln, wir umrauschen Der Vorhang fällt. Phorkyas im Proszenium richtet sich riesenhaft auf, tritt aber von den Kothurnen herunter, lehnt Maske und Schleier zurück und zeigt sich als Mephistopheles, um, insofern es nötig wäre, im Epilog das Stück zu kommentieren. |
| Szenen |
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Starre, zackige Felsengipfel. Eine Wolke zieht herbei, lehnt sich an, senkt sich auf eine vorstehende Platte herab. Sie teilt sich.
FAUST tritt hervor:
Der Einsamkeiten tiefste schauend unter meinem Fuß,
Doch mir umschwebt ein zarter Lichter Nebelstreif Ein Siebenmeilenstiefel tappt auf. Ein anderer folgt alsbald. Mephistopheles steigt ab. Die Stiefel schreiten eilig weiter. MEPHISTOPHELES:
Das heiß' ich endlich vorgeschritten! FAUST:
Es fehlt dir nie an närrischen Legenden; MEPHISTOPHELES ernsthaft:
Als Gott der Herr - ich weiß auch wohl, warum - FAUST:
Gebirgesmasse bleibt mir edel-stumm, MEPHISTOPHELES:
Das sprecht Ihr so! Das scheint Euch sonnenklar; FAUST:
Es ist doch auch bemerkenswert zu achten, MEPHISTOPHELES:
Was geht mich's an! Natur sei, wie sie sei! FAUST: Und doch! Ein Großes zog mich an. Errate! MEPHISTOPHELES:
Das ist bald getan. FAUST:
Das kann mich nicht zufriedenstellen. MEPHISTOPHELES:
Dann baut' ich, grandios, mir selbst bewusst, FAUST: Schlecht und modern! Sardanapal! MEPHISTOPHELES:
Errät man wohl, wornach du strebtest? FAUST:
Mitnichten! Dieser Erdenkreis MEPHISTOPHELES:
Und also willst du Ruhm verdienen? FAUST:
Herrschaft gewinn' ich, Eigentum! MEPHISTOPHELES:
Doch werden sich Poeten finden, FAUST:
Von allem ist dir nichts gewährt. MEPHISTOPHELES:
Geschehe denn nach deinem Willen! FAUST:
Mein Auge war aufs hohe Meer gezogen; MEPHISTOPHELES zum Publikum:
Da ist für mich nichts Neues zu erfahren, FAUST leidenschaftlich fortfahrend:
Sie schleicht heran, an abertausend Enden,
Und es ist möglich! - Flutend wie sie sei, Trommeln und kriegerische Musik im Rücken der Zuschauer, aus der Ferne, von der rechten Seite her. MEPHISTOPHELES: Wie leicht ist das! Hörst du die Trommeln fern? FAUST: Schon wieder Krieg! Der Kluge hört's nicht gern. MEPHISTOPHELES:
Krieg oder Frieden. Klug ist das Bemühen, FAUST:
Mit solchem Rätselkram verschone mich! MEPHISTOPHELES:
Auf meinem Zuge blieb mir nicht verborgen: FAUST:
Ein großer Irrtum. Wer befehlen soll, MEPHISTOPHELES:
So ist er nicht. Er selbst genoss, und wie! FAUST:
Es ging - es hinkte, fiel, stand wieder auf, MEPHISTOPHELES:
Und solchen Zustand durfte niemand schelten, FAUST: Das klingt sehr pfäffisch. MEPHISTOPHELES:
Pfaffen waren's auch, FAUST: Er jammert mich; er war so gut und offen. MEPHISTOPHELES:
Komm, sehn wir zu! Der Lebende soll hoffen. Sie steigen über das Mittelgebirg herüber und beschauen die Anordnung des Heeres im Tal. Trommeln und Kriegsmusik schallt von unten auf. MEPHISTOPHELES:
Die Stellung, seh' ich, gut ist sie genommen; FAUST:
Was kann da zu erwarten sein? MEPHISTOPHELES:
Kriegslist, um Schlachten zu gewinnen! FAUST:
Schon manches hast du durchgemacht, MEPHISTOPHELES:
Nein, du gewinnst sie! Dieses Mal FAUST:
Das wäre mir die rechte Höhe, MEPHISTOPHELES:
Lass du den Generalstab sorgen, FAUST:
Was seh' ich dort, was Waffen trägt? MEPHISTOPHELES:
Nein! Aber, gleich Herrn Peter Squenz, Die drei Gewaltigen treten auf. MEPHISTOPHELES:
Da kommen meine Burschen ja! zum Publikum:
Es liebt sich jetzt ein jedes Kind RAUFEBOLD jung, leicht bewaffnet, bunt gekleidet:
Wenn einer mir ins Auge sieht, HABEBALD männlich, wohlbewaffnet, reich gekleidet:
So leere Händel, das sind Possen, HALTEFEST bejahrt, stark bewaffnet, ohne Gewand:
Damit ist auch nicht viel gewonnen! Sie steigen alle zusammen tiefer. |
| Szenen |
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Trommeln und kriegerische Musik von unten. Des Kaisers Zelt wird aufgeschlagen. Kaiser, Obergeneral, Trabanten.
OBERGENERAL:
Noch immer scheint der Vorsatz wohlerwogen, KAISER:
Wie es nun geht, es muss sich zeigen; OBERGENERAL:
Schau hier, mein Fürst, auf unsre rechte Flanke! KAISER:
Mir bleibt nichts übrig, als zu loben; OBERGENERAL:
Hier, auf der Mittelwiese flachen Räumlichkeiten, KAISER:
Den schönen Blick hab' ich zum erstenmal. OBERGENERAL:
Von unsrer Linken hab' ich nichts zu melden, KAISER:
Dort ziehn sie her, die falschen Anverwandten, OBERGENERAL:
Ein treuer Mann, auf Kundschaft ausgeschickt ERSTER KUNDSCHAFTER:
Glücklich ist sie uns gelungen, KAISER:
Sich selbst erhalten bleibt der Selbstsucht Lehre, OBERGENERAL:
Der zweite kommt, nur langsam steigt er nieder, ZWEITER KUNDSCHAFTER:
Erst gewahrten wir vergnüglich KAISER:
Ein Gegenkaiser kommt mir zum Gewinn: Die Herolde werden abgefertigt zur Herausforderung des Gegenkaisers. Faust geharnischt, mit halbgeschlossenem Helm. Die drei Gewaltigen gerüstet und gekleidet wie oben. FAUST:
Wir treten auf und hoffen, ungescholten; KAISER:
Vernommen hab' ich's, und ich glaube dir; FAUST:
Der Nekromant von Norcia, der Sabiner, KAISER:
Am Freudentag, wenn wir die Gäste grüßen, FAUST:
Wie es auch sei, das Große zu vollenden, KAISER:
Das ist mein Zorn, so möcht' ich ihn behandeln, HEROLDE kommen zurück:
Wenig Ehre, wenig Geltung FAUST:
Dem Wunsch gemäß der Besten ist's geschehn, KAISER: Auf das Kommando leist' ich hier Verzicht. zum Oberfeldherrn: In deinen Händen, Fürst, sei deine Pflicht. OBERGENERAL:
So trete denn der rechte Flügel an! FAUST:
Erlaube denn, daß dieser muntre Held Er deutet zur Rechten. RAUFEBOLD tritt vor:
Wer das Gesicht mir zeigt, der kehrt's nicht ab Er geht. OBERGENERAL:
Der Phalanx unsrer Mitte folge sacht, FAUST auf den Mittleren deutend:
So folge denn auch dieser deinem Wort! HABEBALD tritt hervor:
Dem Heldenmut der Kaiserscharen EILEBEUTE Marketenderin, sich an ihn anschmiegend:
Bin ich auch ihm nicht angeweibt, Beide gehen. OBERGENERAL:
Auf unsre Linke, wie vorauszusehn, FAUST winkt nach der Linken:
So bitte, Herr, auch diesen zu bemerken; HALTEFEST tritt vor:
Dem linken Flügel keine Sorgen! Er geht. MEPHISTOPHELES von oben herunterkommend:
Nun schauet, wie im Hintergrunde leise zu den Wissenden:
Woher das kommt, müsst ihr nicht fragen. laut:
Hört, wie sie sich voraus erbosen, Furchtbarer Posaunenschall von oben, im feindlichen Heere merkliche Schwankung. FAUST:
Der Horizont hat sich verdunkelt, MEPHISTOPHELES:
Die rechte Flanke hält sich kräftig; KAISER:
Erst sah ich einen Arm erhoben, FAUST:
Vernahmst du nichts von Nebelstreifen, KAISER:
Doch wie bedenklich! Alle Spitzen FAUST:
Verzeih, oh Herr, das sind die Spuren KAISER:
Doch sage: wem sind wir verpflichtet, MEPHISTOPHELES:
Wem als dem Meister, jenem hohen, KAISER:
Sie jubelten, mich pomphaft umzuführen; FAUST:
Freiherzige Wohltat wuchert reich; KAISER:
Ein Adler schwebt im Himmelhohen, FAUST:
Gib acht: gar günstig scheint es mir. KAISER:
Nunmehr, in weitgedehnten Kreisen, FAUST:
Nun merke, wie der leidige Greif, KAISER:
Sei's, wie gedeutet, so getan! MEPHISTOPHELES zum rechten Flügel:
Dringend wiederholten Streichen KAISER an der linken Seite zu Faust:
Schau! Mir scheint es dort bedenklich, Pause. MEPHISTOPHELES:
Da kommen meine beiden Raben, KAISER:
Was sollen diese leidigen Vögel? MEPHISTOPHELES zu den Raben:
Setzt euch ganz nah zu meinen Ohren. FAUST zum Kaiser:
Von Tauben hast du ja vernommen, MEPHISTOPHELES:
Es meldet sich ein schwer Verhängnis: KAISER:
So bin ich endlich doch betrogen! MEPHISTOPHELES:
Nur Mut! Noch ist es nicht missglückt. OBERGENERAL der indessen herangekommen:
Mit diesen hast du dich vereinigt, KAISER:
Behalt ihn bis zu bessern Stunden, zu Mephistopheles:
Den Stab kann ich dir nicht verleihen, Er geht mit dem Obergeneral ins Zelt. MEPHISTOPHELES:
Mag ihn der stumpfe Stab beschützen! FAUST: Was ist zu tun? MEPHISTOPHELES:
Es ist getan! -
Nun, schwarze Vettern, rasch im Dienen, Pause. FAUST:
Den Wasserfräulein müssen unsre Raben MEPHISTOPHELES:
Das ist ein wunderbarer Gruß, FAUST:
Schon rauscht ein Bach zu Bächen mächtig nieder, MEPHISTOPHELES:
Ich sehe nichts von diesen Wasserlügen, Die Raben sind wiedergekommen.
Ich werd' euch bei dem hohen Meister loben; Die Raben fliegen weg. Es geschieht, wie vorgeschrieben.
Den Feinden dichte Finsternisse! FAUST:
Die hohlen Waffen aus der Säle Grüften MEPHISTOPHELES:
Ganz recht! Sie sind nicht mehr zu zügeln; Kriegstumult im Orchester, zuletzt übergehend in militärisch heitere Weisen. |
| Szenen |
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Thron, reiche Umgebung. Habebald und Eilebeute.
EILEBEUTE: So sind wir doch die ersten hier! HABEBALD: Kein Rabe fliegt so schnell als wir. EILEBEUTE:
Oh, welch ein Schatz liegt hier zuhauf! HABEBALD:
Steht doch der ganze Raum so voll! EILEBEUTE:
Der Teppich wär' mir eben recht, HABEBALD:
Hier hängt von Stahl ein Morgenstern, EILEBEUTE:
Den roten Mantel goldgesäumt, HABEBALD die Waffe nehmend:
Damit ist es gar bald getan, EILEBEUTE:
Das hat ein mörderisch Gewicht! HABEBALD:
Geschwinde duck' dich! Musst dich bücken! EILEBEUTE:
Oh weh! Oh weh, nun ist's vorbei! Das Kistchen stürzt und springt auf. HABEBALD:
Da liegt das rote Gold zuhauf - EILEBEUTE kauert nieder:
Geschwinde nur zum Schoß hinein! HABEBALD: Und so genug! Und eile doch! Eilebeute steht auf.
Oh weh, die Schürze hat ein Loch! TRABANTEN unseres Kaisers:
Was schafft ihr hier am heiligen Platz? HABEBALD:
Wir trugen unsre Glieder feil TRABANTEN:
Das passet nicht in unsern Kreis: HABEBALD:
Die Redlichkeit, die kennt man schon, zu Eilebeute:
Mach fort und schleppe, was du hast, Sie gehen. ERSTER TRABANT:
Sag, warum gabst du nicht sogleich ZWEITER:
Ich weiß nicht, mir verging die Kraft, DRITTER:
Mir ward es vor den Augen schlecht, VIERTER:
Wie ich es nicht zu sagen weiß: Kaiser und vier Fürsten treten auf. Die Trabanten entfernen sich. KAISER:
Es sei nun, wie ihm sei! uns ist die Schlacht gewonnen, zum ersten:
Dein war, oh Fürst, des Heers geordnet kluge Schichtung, ERZMARSCHALL:
Dein treues Heer, bis jetzt im Inneren beschäftigt, KAISER zum zweiten:
Der sich als tapfrer Mann auch zart gefällig zeigt, ERZKÄMMERER:
Des Herren großen Sinn zu fördern, bringt zu Gnaden: KAISER:
Zwar fühl' ich mich zu ernst, auf Festlichkeit zu sinnen, zum dritten:
Dich wähl' ich zum Erztruchseß! Also sei fortan ERZTRUCHSESS:
Streng Fasten sei für mich die angenehmste Pflicht, KAISER zum vierten:
Weil unausweichlich hier sich's nur von Festen handelt, ERZSCHENK:
Mein Fürst, die Jugend selbst, wenn man ihr nur vertraut, KAISER:
Was ich euch zugedacht in dieser ernsten Stunde, Der Erzbischof ( Erzkanzler ) tritt auf. KAISER:
Wenn ein Gewölbe sich dem Schlussstein anvertraut, ERZBISCHOF:
Im Namen aller sei dir tiefster Dank gebracht! KAISER:
Euch fünfen will ich noch erhöhtere Würde geben. ERZKANZLER:
Mit Stolz in tiefster Brust, mit Demut an Gebärde, KAISER:
Und also sei, zum Schluss, was wir bisher betätigt, ERZKANZLER:
Dem Pergament alsbald vertreu' ich wohlgemut, KAISER:
Und so entlass' ich euch, damit den großen Tag Die weltlichen Fürsten entfernen sich. Der Erzbischof bleibt und spricht pathetisch. ERZBISCHOF:
Der Kanzler ging hinweg, der Bischof ist geblieben, KAISER: Was hast du Bängliches zur frohen Stunde? Sprich! ERZBISCHOF:
Mit welchem bittern Schmerz find' ich, in dieser Stunde, KAISER:
Durch meinen schweren Fehl bin ich so tief erschreckt; ERZBISCHOF:
Erst! Der entweihte Raum, wo man sich so versündigt, KAISER:
Mag ein so großes Werk den frommen Sinn verkündigen, ERZBISCHOF: Als Kanzler fördr' ich nun Schluss und Formalität. KAISER:
Ein förmlich Dokument, der Kirche das zu eignen, ERZBISCHOF hat sich verabschiedet, kehrt aber am Ausgang um:
Dann widmest du zugleich dem Werke, wie's entsteht, Er geht. KAISER:
Die Sünd' ist groß und schwer, womit ich mich beladen; ERZBISCHOF abermals zurückkehrend, mit tiefster Verbeugung:
Verzeih, oh Herr! Es ward dem sehr verrufnen Mann KAISER verdrießlich: Das Land ist noch nicht da, im Meere liegt es breit. ERZBISCHOF:
Wer 's Recht hat und Geduld, für den kommt auch die Zeit. KAISER allein: So könnt' ich wohl zunächst das ganze Reich verschreiben. |
| Szenen |
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WANDERER:
Ja! Sie sind's, die dunkeln Linden, BAUCIS Mütterchen, sehr alt:
Lieber Kömmling! Leise! Leise! WANDERER:
Sage, Mutter: bist du's eben, Der Gatte tritt auf.
Du Philemon, der so kräftig
Und nun lasst hervor mich treten, Er schreitet vorwärts auf der Düne. PHILEMON zu Baucis:
Eile nur, den Tisch zu decken, neben dem Wanderer stehend:
Das Euch grimmig missgehandelt, am Tisch zu dritt, im Gärtchen: BAUCIS:
Bleibst du stumm? Und keinen Bissen PHILEMON:
Möcht' er doch vom Wunder wissen; BAUCIS:
Wohl! ein Wunder ist's gewesen! PHILEMON:
Kann der Kaiser sich versünd'gen, BAUCIS:
Tags umsonst die Knechte lärmten PHILEMON:
Hat er uns doch angeboten BAUCIS:
Traue nicht dem Wasserboden, PHILEMON:
Lasst uns zur Kapelle treten, |
| Szenen |
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Weiter Ziergarten, großer, schnurgerader Kanal. Faust im höchsten Alter, wandelnd, nachdenkend.
LYNKEUS DER TÜRMER:
Die Sonne sinkt, die letzten Schiffe, Das Glöckchen läutet auf der Düne. FAUST auffahrend:
Verdammtes Läuten! Allzuschändlich TÜRMER wie oben:
Wie segelt froh der bunte Kahn Prächtiger Kahn, reich und bunt beladen mit Erzeugnissen fremder Weltgegenden. Mephistopheles. Die drei gewaltigen Gesellen. CHORUS:
Da landen wir, Sie steigen aus, die Güter werden ans Land geschafft. MEPHISTOPHELES:
So haben wir uns wohl erprobt, DIE DREI GEWALTIGEN GESELLEN:
Nicht Dank und Gruß! MEPHISTOPHELES:
Erwartet weiter DIE GESELLEN:
Das ist nur für MEPHISTOPHELES:
Erst ordnet oben Die Ladung wird weggeschafft. MEPHISTOPHELES zu Faust:
Mit ernster Stirn, mit düstrem Blick FAUST:
Das verfluchte Hier! MEPHISTOPHELES:
Natürlich! Daß ein Hauptverdruss FAUST:
Das Widerstehn, der Eigensinn MEPHISTOPHELES:
Was willst du dich denn hier genieren? FAUST:
So geht und schafft sie mir zur Seite! - MEPHISTOPHELES:
Man trägt sie fort und setzt sie nieder, Er pfeift gellend. Die Drei treten auf. MEPHISTOPHELES:
Kommt, wie der Herr gebieten lässt! DIE DREI:
Der alte Herr empfing uns schlecht, MEPHISTOPHELES zum Publikum:
Auch hier geschieht, was längst geschah, |
| Szenen |
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LYNKEUS DER TÜRMER auf der Schlosswarte, singend:
Zum Sehen geboren, Pause
Nicht allein mich zu ergetzen, Lange Pause, Gesang.
Was sich sonst dem Blick empfohlen, FAUST auf dem Balkon, gegen die Dünen:
Von oben welch ein singend Wimmern? MEPHISTOPHELES UND DIE DREI unten:
Da kommen wir mit vollem Trab; FAUST:
Wart ihr für meine Worte taub? CHORUS:
Das alte Wort, das Wort erschallt: Sie gehen. FAUST auf dem Balkon:
Die Sterne bergen Blick und Schein, |
| Szenen |
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Vier graue Weiber treten auf.
ERSTE: Ich heiße der Mangel. ZWEITE: Ich heiße die Schuld. DRITTE: Ich heiße die Sorge. VIERTE: Ich heiße die Not. zu dritt:
Die Tür ist verschlossen, wir können nicht ein; MANGEL: Da werd' ich zum Schatten. SCHULD: Da werd' ich zunicht. NOT: Man wendet von mir das verwöhnte Gesicht. SORGE:
Ihr Schwestern, ihr könnt nicht und dürft nicht hinein. Sorge verschwindet. MANGEL: Ihr, graue Geschwister, entfernt euch von hier. SCHULD: Ganz nah an der Seite verbind' ich mich dir. NOT: Ganz nah an der Ferse begleitet die Not. zu dritt:
Es ziehen die Wolken, es schwinden die Sterne! FAUST im Palast:
Vier sah ich kommen, drei nur gehn;
Das war ich sonst, eh' ich's im Düstern suchte, SORGE: Die Frage fordert Ja! FAUST: Und du, wer bist denn du? SORGE: Bin einmal da. FAUST: Entferne dich! SORGE: Ich bin am rechten Ort. FAUST erst ergrimmt, dann besänftigt, für sich: Nimm dich in acht und sprich kein Zauberwort. SORGE:
Würde mich kein Ohr vernehmen, FAUST:
Ich bin nur durch die Welt gerannt; SORGE:
Wen ich einmal mir besitze, FAUST:
Hör auf! So kommst du mir nicht bei! SORGE:
Soll er gehen, soll er kommen? FAUST:
Unselige Gespenster! So behandelt ihr SORGE:
Erfahre sie, wie ich geschwind Sie haucht ihn an. FAUST erblindet:
Die Nacht scheint tiefer tief hereinzudringen, |
| Szenen |
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MEPHISTOPHELES als Aufseher voran:
Herbei, herbei! Herein, herein! LEMUREN im Chor:
Wir treten dir sogleich zur Hand,
Gespitzte Pfähle, die sind da, MEPHISTOPHELES:
Hier gilt kein künstlerisch Bemühn; LEMUREN mit neckischen Gebärden grabend:
Wie jung ich war und lebt' und liebt', FAUST aus dem Palaste tretend, tastet an den Türpfosten:
Wie das Geklirr der Spaten mich ergetzt! MEPHISTOPHELES beiseite:
Du bist doch nur für uns bemüht FAUST: Aufseher! MEPHISTOPHELES: Hier! FAUST:
Wie es auch möglich sei, MEPHISTOPHELES halblaut:
Man spricht, wie man mir Nachricht gab, FAUST:
Ein Sumpf zieht am Gebirge hin, Faust sinkt zurück, die Lemuren fassen ihn auf und legen ihn auf den Boden. MEPHISTOPHELES:
Ihn sättigt keine Lust, ihm gnügt kein Glück, CHOR:
Steht still! Sie schweigt wie Mitternacht. MEPHISTOPHELES: Er fällt, es ist vollbracht. CHOR: Es ist vorbei. MEPHISTOPHELES:
Vorbei! Ein dummes Wort. |
| Szenen |
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LEMUR solo:
Wer hat das Haus so schlecht gebaut, LEMUREN im Chor:
Dir, dumpfer Gast im hänfnen Gewand, LEMUR solo:
Wer hat den Saal so schlecht versorgt? LEMUREN im Chor:
Es war auf kurze Zeit geborgt; MEPHISTOPHELES:
Der Körper liegt, und will der Geist entfliehn, Er macht phantastisch-flügelmännische Beschwörungsgebärden.
Nur frisch heran! verdoppelt euren Schritt, Der gräuliche Höllenrachen tut sich links auf.
Eckzähne klaffen; dem Gewölb des Schlundes zu den Dickteufeln mit den kurzen, geraden Hörnern:
Nun, wanstige Schuften mit den Feuerbacken!
Passt auf die niederen Regionen, zu den Dürrteufeln mit den langen, krummen Hörnern:
Ihr Firlefanze, flügelmännische Riesen, Glorie von oben rechts. HIMMLISCHE HEERSCHAR:
Folget, Gesandte, MEPHISTOPHELES:
Misstöne hör' ich, garstiges Geklimper,
Sie kommen gleisnerisch, die Laffen! CHOR DER ENGEL Rosen streuend:
Rosen, ihr blendenden,
Frühling entsprieße, MEPHISTOPHELES zu den Satanen:
Was duckt und zuckt ihr? ist das Höllenbrauch? CHOR DER ENGEL:
Blüten, die seligen, MEPHISTOPHELES:
Oh Fluch! Oh Schande solchen Tröpfen! sich mit den schwebenden Rosen herumschlagend:
Irrlichter, fort! Du, leuchte noch so stark, CHOR DER ENGEL:
Was euch nicht angehört, MEPHISTOPHELES:
Mir brennt der Kopf, das Herz, die Leber brennt,
Ihr schönen Kinder, lasst mich wissen: CHOR DER ENGEL:
Wir kommen schon, warum weichst du zurück? Die Engel nehmen, umherziehend, den ganzen Raum ein. MEPHISTOPHELES der ins Abseits gedrängt wird:
Ihr scheltet uns verdammte Geister CHOR DER ENGEL:
Wendet zur Klarheit MEPHISTOPHELES sich fassend:
Wie wird mir! - Hiobsartig, Beul' an Beule CHOR DER ENGEL:
Heilige Gluten! Sie erheben sich, Faust's Unsterbliches entführend. MEPHISTOPHELES sich umsehend:
Doch wie? Wo sind sie hingezogen?
Bei wem soll ich mich nun beklagen? |
| Szenen |
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Wald, Fels, Einöde. Heilige Anachoreten gebirgauf verteilt, gelagert zwischen Klüften.
CHOR UND ECHO:
Waldung, sie schwankt heran, PATER ECSTATIUS auf und ab schwebend:
Ewiger Wonnebrand, PATER PROFUNDUS tiefe Region:
Wie Felsenabgrund mir zu Füßen
Ist um mich her ein wildes Brausen,
Sind Liebesboten, sie verkünden, PATER SERAPHICUS mittlere Region:
Welch ein Morgenwölkchen schwebet CHOR SELIGER KNABEN:
Sag uns, Vater, wo wir wallen, PATER SERAPHICUS:
Knaben! Mitternachts-Geborne, Er nimmt sie zu sich.
Das sind Bäume, das sind Felsen, CHOR SELIGER KNABEN: von innen:
Das ist mächtig anzuschauen, PATER SERAPHICUS:
Steigt hinan zu höherm Kreise, CHOR SELIGER KNABEN um die höchsten Gipfel kreisend:
Hände verschlinget ENGEL schwebend in der höheren Atmosphäre, Faust's Unsterbliches tragend:
Gerettet ist das edle Glied DIE JÜNGEREN ENGEL:
Jene Rosen aus den Händen DIE VOLLENDETEREN ENGEL:
Uns bleibt ein Erdenrest DIE JÜNGEREN ENGEL:
Nebelnd um Felsenhöh' CHOR SELIGER KNABEN:
Freudig empfangen wir DOCTOR MARIANUS in der höchsten, reinlichsten Zelle:
Hier ist die Aussicht frei, entzückt:
Höchste Herrscherin der Welt!
Unbezwinglich unser Mut,
Um sie verschlingen
Dir, der Unberührbaren,
In die Schwachheit hingerafft, Mater gloriosa schwebt einher. CHOR DER BÜßERINNEN:
Du schwebst zu Höhen MAGNA PECCATRIX:
Bei der Liebe, die den Füßen MULIER SAMARITANA:
Bei dem Born, zu dem schon weiland MARIA AEGYPTIACA:
Bei dem hochgeweihten Orte, zu dritt:
Die du großen Sünderinnen UNA POENITENTIUM sonst Gretchen genannt; sich anschmiegend:
Neige, neige, CHOR SELIGER KNABEN in Kreisbewegung sich nähernd:
Er überwächst uns schon DIE EINE BÜßERIN sonst Gretchen genannt:
Vom edlen Geisterchor umgeben, MATER GLORIOSA:
Komm! Hebe dich zu höhern Sphären! DOCTOR MARIANUS auf dem Angesicht anbetend:
Blicket auf zum Retterblick, CHORUS MYSTICUS:
Alles Vergängliche
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