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Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten, Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt. Versuch' ich wohl, euch diesmal festzuhalten? Fühl' ich mein Herz noch jenem Wahn geneigt? Ihr drängt euch zu! Nun gut, so mögt ihr walten, Wie ihr aus Dunst und Nebel um mich steigt; Mein Busen fühlt sich jugendlich erschüttert Vom Zauberhauch, der euren Zug umwittert.
Ihr bringt mit euch die Bilder froher Tage,
Sie hören nicht die folgenden Gesänge,
Und mich ergreift ein längst entwöhntes Sehnen |
| Szenen |
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DIREKTOR:
Ihr beiden, die ihr mir so oft DICHTER:
Oh sprich mir nicht von jener bunten Menge,
Ach! Was in tiefer Brust uns da entsprungen, LUSTIGE PERSON:
Wenn ich nur nichts von Nachwelt hören sollte; DIREKTOR:
Besonders aber lasst genug geschehen! DICHTER:
Ihr fühlet nicht, wie schlecht ein solches Handwerk sei! DIREKTOR:
Ein solcher Vorwurf lässt mich ungekränkt: DICHTER:
Geh hin und such dir einen andern Knecht! LUSTIGE PERSON:
So braucht sie denn, die schönen Kräfte, DICHTER:
So gib mir auch die Zeiten wieder, LUSTIGE PERSON:
Der Jugend, guter Freund, bedarfst du allenfalls, DIREKTOR:
Der Worte sind genug gewechselt, |
| Szenen |
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Der Herr. Die himmlischen Heerscharen. Nachher Mephistopheles. Die drei Erzengel treten hervor.
Die Sonne tönt nach alter Weise GABRIEL:
Und schnell und unbegreiflich schnelle MICHAEL:
Und Stürme brausen um die Wette, ALLE DREI:
Der Anblick gibt den Engeln Stärke, MEPHISTOPHELES:
Da du, oh Herr, dich einmal wieder nahst DER HERR:
Hast du mir weiter nichts zu sagen? MEPHISTOPHELES:
Nein, Herr! Ich find es dort, wie immer, herzlich schlecht. DER HERR: Kennst du den Faust? MEPHISTOPHELES: Den Doktor? DER HERR: Meinen Knecht! MEPHISTOPHELES:
Fürwahr! Er dient Euch auf besondre Weise. DER HERR:
Wenn er mir jetzt auch nur verworren dient, MEPHISTOPHELES:
Was wettet Ihr? Den sollt Ihr noch verlieren, DER HERR:
Solang er auf der Erde lebt, MEPHISTOPHELES:
Da dank ich Euch; denn mit den Toten DER HERR:
Nun gut, es sei dir überlassen! MEPHISTOPHELES:
Schon gut! Nur dauert es nicht lange. DER HERR:
Du darfst auch da nur frei erscheinen; Der Himmel schließt, die Erzengel verteilen sich. MEPHISTOPHELES allein:
Von Zeit zu Zeit seh ich den Alten gern |
| Szenen |
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In einem hochgewölbten engen gotischen Zimmer. Faust unruhig auf seinem Sessel am Pulte.
Habe nun, ach! Philosophie,
Oh sähst du, voller Mondenschein,
Weh! Steck ich in dem Kerker noch?
Und fragst du noch, warum dein Herz
Flieh! Auf! Hinaus ins weite Land! Er schlägt das Buch auf und erblickt das Zeichen des Makrokosmos.
Ha! Welche Wonne fließt in diesem Blick Er beschaut das Zeichen.
Wie alles sich zum Ganzen webt,
Welch Schauspiel! Aber ach! Ein Schauspiel nur! Er blättert unwillig das Buch um und erblickt das Zeichen des Erdgeistes.
Wie anders wirkt dies Zeichen auf mich ein! Er fasst das Buch und spricht das Zeichen des Geistes geheimnisvoll aus. Es zuckt eine rötliche Flamme, der Geist erscheint in der Flamme. GEIST: Wer ruft mir? FAUST abgewendet: Schreckliches Gesicht! GEIST:
Du hast mich mächtig angezogen, FAUST:
Weh! Ich ertrag dich nicht! GEIST:
Du flehst eratmend, mich zu schauen, FAUST:
Soll ich dir, Flammenbildung, weichen? GEIST:
In Lebensfluten, im Tatensturm FAUST:
Der du die weite Welt umschweifst, GEIST:
Du gleichst dem Geist, den du begreifst, Der Geist verschwindet. FAUST zusammenstürzend:
Nicht dir? Es klopft.
Oh Tod! Ich kenn's - das ist mein Famulus. Wagner im Schlafrock und mit Nachmütze, eine Lampe in der Hand. Faust wendet sich unwillig ab. WAGNER:
Verzeiht! Ich hör' Euch deklamieren FAUST:
Ja, wenn der Pfarrer ein Komödiant ist; WAGNER:
Ach! Wenn man so in sein Museum gebannt ist, FAUST:
Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen, WAGNER:
Allein der Vortrag macht des Redners Glück; FAUST:
Such' Er den redlichen Gewinn! WAGNER:
Ach Gott! Die Kunst ist lang, FAUST:
Das Pergament, ist das der heil'ge Bronnen, WAGNER:
Verzeiht! Es ist ein groß Ergötzen, FAUST:
Oh ja, bis an die Sterne weit! WAGNER:
Allein die Welt! Des Menschen Herz und Geist! FAUST:
Ja, was man so erkennen heißt! WAGNER:
Ich hätte gern nur immer fortgewacht, Wagner geht. FAUST allein:
Wie nur dem Kopf nicht alle Hoffnung schwindet,
Darf eine solche Menschenstimme hier,
Ich, Ebenbild der Gottheit, das sich schon
Nicht darf ich dir zu gleichen mich vermessen!
Dem Herrlichsten, was auch der Geist empfangen,
Wenn Phantasie sich sonst mit kühnem Flug
Den Göttern gleich' ich nicht! Zu tief ist es gefühlt;
Doch warum heftet sich mein Blick auf jene Stelle?
Ein Feuerwagen schwebt auf leichten Schwingen
Nun komm herab, kristallne reine Schale! Er setzt die Schale an den Mund. Glockenklang und Chorgesang. CHOR DER ENGEL:
Christ ist erstanden! FAUST:
Welch tiefes Summen, welch ein heller Ton CHOR DER WEIBER:
Mit Spezereien CHOR DER ENGEL:
Christ ist erstanden! FAUST:
Was sucht ihr, mächtig und gelind, CHOR DER JÜNGER:
Hat der Begrabene CHOR DER ENGEL:
Christ ist erstanden, |
| Szenen |
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Spaziergänger aller Art ziehen hinaus.
Warum denn dort hinaus? ANDERE: Wir gehn hinaus aufs Jägerhaus. DIE ERSTEN: Wir aber wollen nach der Mühle wandern. EIN HANDWERKSBURSCHE: Ich rat' euch, nach dem Wasserhof zu gehn. ZWEITER: Der Weg dahin ist gar nicht schön. DIE ZWEITEN: Was tust denn du? EIN DRITTER: Ich gehe mit den andern. VIERTER:
Nach Burgdorf kommt herauf, gewiss dort findet ihr FÜNFTER:
Du überlustiger Gesell, DIENSTMÄDCHEN: Nein, nein! Ich gehe nach der Stadt zurück. ANDERE: Wir finden ihn gewiss bei jenen Pappeln stehen. ERSTE:
Das ist für mich kein großes Glück; ANDERE:
Heut ist er sicher nicht allein, SCHÜLER:
Blitz, wie die wackern Dirnen schreiten! BÜRGERMÄDCHEN:
Da sieh mir nur die schönen Knaben! ZWEITER SCHÜLER zum Ersten:
Nicht so geschwind! Dort hinten kommen zwei, ERSTER:
Herr Bruder, nein! Ich bin nicht gern geniert. BÜRGER:
Nein, er gefällt mir nicht, der neue Bürgermeister! BETTLER singt:
Ihr guten Herrn, ihr schönen Frauen, ANDERER BÜRGER:
Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen DRITTER BÜRGER:
Herr Nachbar, ja! So lass ich's auch geschehn, ALTE zu den Bürgermädchen:
Ei, wie geputzt, das schöne junge Blut! BÜRGERMÄDCHEN:
Agathe, fort! Ich nehme mich in acht, DIE ANDERE:
Mir zeigte sie ihn im Kristall, SOLDATEN:
Burgen mit hohen
Und die Trompete Faust und Wagner treten auf. FAUST:
Vom Eise befreit sind Strom und Bäche WAGNER:
Mit Euch, Herr Doktor, zu spazieren, Bauern unter der Linde. TANZ UND GESANG:
Der Schäfer putzte sich zum Tanz,
Er drückte hastig sich heran,
Doch hurtig in dem Kreise ging's,
Und tu mir doch nicht so vertraut! ALTER BAUER:
Herr Doktor, das ist schön von Euch, FAUST:
Ich nehme den Erquickungstrank, Das Volk versammelt sich im Kreis umher. ALTER BAUER:
Fürwahr, es ist sehr wohl getan,
Gar mancher steht lebendig hier, ALLE:
Gesundheit dem bewährten Mann, FAUST:
Vor jenem droben steht gebückt, Er geht mit Wagner weiter. WAGNER:
Welch ein Gefühl musst du, oh großer Mann, FAUST:
Nur wenig Schritte noch hinauf zu jenem Stein, WAGNER:
Wie könnt Ihr Euch darum betrüben! FAUST:
Oh glücklich, wer noch hoffen kann WAGNER:
Ich hatte selbst oft grillenhafte Stunden, FAUST:
Du bist dir nur des einen Triebs bewusst; WAGNER:
Berufe nicht die wohlbekannte Schar, FAUST: Siehst du den schwarzen Hund durch Saat und Stoppel streifen? WAGNER: Ich sah ihn lange schon, nicht wichtig schien er mir. FAUST: Betracht' ihn recht! Für was hältst du das Tier? WAGNER:
Für einen Pudel, der auf seine Weise FAUST:
Bemerkst du, wie in weitem Schneckenkreise WAGNER:
Ich sehe nichts als einen schwarzen Pudel; FAUST:
Mir scheint es, daß er magisch leise Schlingen WAGNER:
Ich seh' ihn ungewiss und furchtsam uns umspringen, FAUST: Der Kreis wird eng, schon ist er nah! WAGNER:
Du siehst! Ein Hund, und kein Gespenst ist da. FAUST: Geselle dich zu uns! Komm hier! WAGNER:
Es ist ein pudelnärrisch Tier. FAUST:
Du hast wohl recht, ich finde nicht die Spur WAGNER:
Dem Hunde, wenn er gut gezogen, Sie gehen durch das Stadttor. |
| Szenen |
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FAUST mit dem Pudel hereintretend:
Verlassen hab' ich Feld und Auen,
Sei ruhig, Pudel! Renne nicht hin und wider!
Ach, wenn in unsrer engen Zelle
Knurre nicht, Pudel! Zu den heiligen Tönen,
Will es der Hund, wie sie, beknurren? Er schlägt ein Buch auf und fängt an.
Geschrieben steht: "Im Anfang war das Wort!" GEISTER auf dem Gang:
Drinnen gefangen ist einer! FAUST:
Erst zu begegnen dem Tiere, Mephistopheles tritt, indem der Nebel fällt, bekleidet wie ein fahrender Scholastikus, hinter dem Ofen hervor. MEPHISTOPHELES: Wozu der Lärm? Was steht dem Herrn zu Diensten? FAUST:
Das also war des Pudels Kern! MEPHISTOPHELES:
Ich salutiere den gelehrten Herrn! FAUST: Wie nennst du dich? MEPHISTOPHELES:
Die Frage scheint mir klein FAUST:
Bei euch, ihr Herrn, kann man das Wesen MEPHISTOPHELES:
Ein Teil von jener Kraft, FAUST: Was ist mit diesem Rätselwort gemeint? MEPHISTOPHELES:
Ich bin der Geist, der stets verneint! FAUST: Du nennst dich einen Teil, und stehst doch ganz vor mir? MEPHISTOPHELES:
Bescheidne Wahrheit sprach' ich dir. FAUST:
Nun kenn' ich deine würd'gen Pflichten! MEPHISTOPHELES:
Und freilich ist nicht viel damit getan. FAUST:
So setzest du der ewig regen, MEPHISTOPHELES:
Wir wollen wirklich uns besinnen, FAUST:
Ich sehe nicht, warum du fragst. MEPHISTOPHELES:
Gesteh' ich's nur! Daß ich hinausspaziere, FAUST:
Das Pentagramma macht dir Pein? MEPHISTOPHELES:
Beschaut es recht! Es ist nicht gut gezogen; FAUST:
Das hat der Zufall gut getroffen! MEPHISTOPHELES:
Der Pudel merkte nichts, als er hereingesprungen, FAUST: Doch warum gehst du nicht durchs Fenster? MEPHISTOPHELES:
's ist ein Gesetz der Teufel und Gespenster: FAUST:
Die Hölle selbst hat ihre Rechte? MEPHISTOPHELES:
Was man verspricht, das sollst du rein genießen, FAUST:
So bleibe doch noch einen Augenblick, MEPHISTOPHELES:
Jetzt lass mich los! Ich komme bald zurück, FAUST:
Ich habe dir nicht nachgestellt, MEPHISTOPHELES:
Wenn dir's beliebt, so bin ich auch bereit, FAUST:
Ich seh' es gern, das steht dir frei; MEPHISTOPHELES:
Du wirst, mein Freund, für deine Sinnen GEISTER:
Schwindet, ihr dunkeln MEPHISTOPHELES:
Er schläft! So recht, ihr luft'gen zarten Jungen! FAUST erwachend:
Bin ich denn abermals betrogen? |
| Szenen |
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Faust. Mephistopheles.
FAUST: Es klopft? Herein! Wer will mich wieder plagen? MEPHISTOPHELES: Ich bin's. FAUST: Herein! MEPHISTOPHELES: Du musst es dreimal sagen. FAUST: Herein denn! MEPHISTOPHELES:
So gefällst du mir. FAUST:
In jedem Kleide werd' ich wohl die Pein MEPHISTOPHELES:
Und doch ist nie der Tod ein ganz willkommner Gast. FAUST: Oh selig der, dem er im Siegesglanze MEPHISTOPHELES:
Und doch hat jemand einen braunen Saft FAUST: Das Spionieren, scheint's, ist deine Lust. MEPHISTOPHELES: Allwissend bin ich nicht; doch viel ist mir bewusst. FAUST:
Wenn aus dem schrecklichen Gewühle GEISTERCHOR unsichtbar:
Weh! Weh! MEPHISTOPHELES:
Dies sind die Kleinen FAUST: Und was soll ich dagegen dir erfüllen? MEPHISTOPHELES: Dazu hast du noch eine lange Frist. FAUST:
Nein, nein! Der Teufel ist ein Egoist MEPHISTOPHELES:
Ich will mich hier zu deinem Dienst verbinden, FAUST:
Das Drüben kann mich wenig kümmern; MEPHISTOPHELES:
In diesem Sinne kannst du's wagen. FAUST:
Was willst du armer Teufel geben? MEPHISTOPHELES:
Ein solcher Auftrag schreckt mich nicht, FAUST:
Werd' ich beruhigt je mich auf ein Faulbett legen, MEPHISTOPHELES: Topp! FAUST:
Und Schlag auf Schlag! MEPHISTOPHELES: Bedenk es wohl, wir werden's nicht vergessen. FAUST:
Dazu hast du ein volles Recht; MEPHISTOPHELES:
Ich werde heute gleich, beim Doktorschmaus, FAUST:
Auch was Geschriebnes forderst du Pedant? MEPHISTOPHELES:
Wie magst du deine Rednerei FAUST:
Wenn dies dir völlig G'nüge tut, MEPHISTOPHELES: Blut ist ein ganz besondrer Saft. FAUST:
Nur keine Furcht, daß ich dies Bündnis breche! MEPHISTOPHELES:
Euch ist kein Maß und Ziel gesetzt. FAUST:
Du hörest ja, von Freud' ist nicht die Rede. MEPHISTOPHELES:
Oh glaube mir, der manche tausend Jahre FAUST: Allein ich will! MEPHISTOPHELES:
Das lässt sich hören! FAUST:
Was bin ich denn, wenn es nicht möglich ist, MEPHISTOPHELES:
Du bist am Ende - was du bist. FAUST:
Ich fühl's, vergebens hab' ich alle Schätze MEPHISTOPHELES:
Mein guter Herr, Ihr seht die Sachen, FAUST: Wie fangen wir das an? MEPHISTOPHELES:
Wir gehen eben fort. FAUST: Mir ist's nicht möglich, ihn zu sehn. MEPHISTOPHELES:
Der arme Knabe wartet lange, Er kleidet sich um.
Nun überlass es meinem Witze! Faust geht. MEPHISTOPHELES in Fausts langem Mantel:
Verachte nur Vernunft und Wissenschaft, Ein Schüler tritt auf. SCHÜLER:
Ich bin allhier erst kurze Zeit, MEPHISTOPHELES:
Eure Höflichkeit erfreut mich sehr! SCHÜLER:
Ich bitt' Euch, nehmt Euch meiner an! MEPHISTOPHELES: Da seid Ihr eben recht am Ort. SCHÜLER:
Aufrichtig, möchte schon wieder fort: MEPHISTOPHELES:
Das kommt nur auf Gewohnheit an. SCHÜLER:
An ihrem Hals will ich mit Freuden hangen; MEPHISTOPHELES:
Erklärt Euch, eh' Ihr weiter geht, SCHÜLER:
Ich wünschte recht gelehrt zu werden, MEPHISTOPHELES:
Da seid Ihr auf der rechten Spur; SCHÜLER:
Ich bin dabei mit Seel' und Leib; MEPHISTOPHELES:
Gebraucht der Zeit, sie geht so schnell von hinnen, SCHÜLER: Kann Euch nicht eben ganz verstehen. MEPHISTOPHELES:
Das wird nächstens schon besser gehen, SCHÜLER:
Mir wird von alle dem so dumm, MEPHISTOPHELES:
Nachher, vor allen andern Sachen, SCHÜLER:
Das sollt Ihr mir nicht zweimal sagen! MEPHISTOPHELES: Doch wählt mir eine Fakultät! SCHÜLER:
Zur Rechtsgelehrsamkeit kann ich mich nicht bequemen. MEPHISTOPHELES:
Ich kann es Euch so sehr nicht übel nehmen, SCHÜLER:
Mein Abscheu wird durch Euch vermehrt. MEPHISTOPHELES:
Ich wünschte nicht, Euch irre zu führen. SCHÜLER: Doch ein Begriff muss bei dem Worte sein. MEPHISTOPHELES:
Schon gut! Nur muss man sich nicht allzu ängstlich quälen; SCHÜLER:
Verzeiht, ich halt' Euch auf mit vielen Fragen, MEPHISTOPHELES für sich:
Ich bin des trocknen Tons nun satt, SCHÜLER: Das sieht schon besser aus! Man sieht doch, wo und wie. MEPHISTOPHELES:
Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, SCHÜLER:
Ich schwör' Euch zu, mir ist's als wie ein Traum MEPHISTOPHELES: Was ich vermag, soll gern geschehn. SCHÜLER:
Ich kann unmöglich wieder gehn, MEPHISTOPHELES: Sehr wohl. Er schreibt und gibt es ihm. SCHÜLER liest: Eritis sicut Deus, scientes bonum et malum. Er steckt es voll Dankbarkeit ein und verabschiedet sich. MEPHISTOPHELES:
Folg' nur dem alten Spruch und meiner Faust tritt auf. FAUST: Wohin soll es nun gehn? MEPHISTOPHELES:
Wohin es dir gefällt.
Wir sehn die kleine, dann die große Welt. FAUST:
Allein bei meinem langen Bart MEPHISTOPHELES:
Mein guter Freund, das wird sich alles geben; FAUST:
Wie kommen wir denn aus dem Haus? MEPHISTOPHELES:
Wir breiten nur den Mantel aus, |
| Szenen |
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Zeche lustiger Gesellen.
FROSCH:
Will keiner trinken? keiner lachen? BRANDER:
Das liegt an dir; du bringst ja nichts herbei, FROSCH gießt ihm ein Glas Wein über den Kopf: Da hast du beides! BRANDER: Doppelt Schwein! FROSCH: Ihr wollt es ja, man soll es sein! SIEBEL:
Zur Tür hinaus, wer sich entzweit! ALTMAYER:
Weh mir, ich bin verloren! SIEBEL:
Wenn das Gewölbe widerschallt, FROSCH:
So recht, hinaus mit dem, der etwas übel nimmt! ALTMAYER: Ah! Tara lara da! FROSCH: Die Kehlen sind gestimmt. Er singt.
Das liebe heil'ge Röm'sche Reich, BRANDER:
Ein garstig Lied! Pfui! Ein politisch Lied FROSCH singt:
Schwing dich auf, Frau Nachtigall, SIEBEL: Dem Liebchen keinen Gruß! Ich will davon nichts hören! FROSCH: Dem Liebchen Gruß und Kuss! Du wirst mir's nicht verwehren. Er singt.
Riegel auf in stiller Nacht. SIEBEL:
Ja, singe, singe nur und lob' und rühme sie! BRANDER auf den Tisch schlagend:
Passt auf! Passt auf! Gehorchet mir! Er singt.
Es war eine Ratt' im Kellernest, ALLE jauchzend: Als hätte sie Lieb' im Leibe. BRANDER:
Sie fuhr herum, sie fuhr heraus, ALLE: Als hätt' es Lieb' im Leibe. BRANDER:
Sie kam für Angst am hellen Tag ALLE: Als hätte sie Lieb' im Leibe. SIEBEL:
Wie sich die platten Bursche freuen! BRANDER: Sie stehn wohl sehr in deiner Gunst? ALTMAYER:
Der Schmerbauch mit der kahlen Platte! Faust und Mephistopheles treten auf. MEPHISTOPHELES:
Ich muss dich nun vor allen Dingen BRANDER:
Die kommen eben von der Reise, FROSCH:
Wahrhaftig, du hast recht! Mein Leipzig Lob' ich mir! SIEBEL: Für was siehst du die Fremden an? FROSCH:
Lasst mich nur gehn! Bei einem vollen Glase BRANDER: Marktschreier sind's gewiss, ich wette! ALTMAYER: Vielleicht. FROSCH: Gib acht, ich schraube sie! MEPHISTOPHELES zu Faust:
Den Teufel spürt das Völkchen nie, FAUST: Seid uns gegrüßt, ihr Herrn! SIEBEL: Viel Dank zum Gegengruß. leise, Mephistopheles von der Seite ansehend: Was hinkt der Kerl auf einem Fuß? MEPHISTOPHELES:
Ist es erlaubt, uns auch zu euch zu setzen? ALTMAYER: Ihr scheint ein sehr verwöhnter Mann. FROSCH:
Ihr seid wohl spät von Rippach aufgebrochen? MEPHISTOPHELES:
Heut sind wir ihn vorbeigereist! Er neigt sich gegen Frosch. ALTMAYER leise: Da hast du's! der versteht's! SIEBEL: Ein pfiffiger Patron! FROSCH: Nun, warte nur, ich krieg' ihn schon! MEPHISTOPHELES:
Wenn ich nicht irrte, hörten wir FROSCH: Seid Ihr wohl gar ein Virtuos? MEPHISTOPHELES: Oh nein! Die Kraft ist schwach, allein die Lust ist groß. ALTMAYER: Gebt uns ein Lied! MEPHISTOPHELES: Wenn ihr begehrt, die Menge. SIEBEL: Nur auch ein nagelneues Stück! MEPHISTOPHELES:
Wir kommen erst aus Spanien zurück, Er singt.
Es war einmal ein König, FROSCH:
Horcht! Einen Floh! Habt ihr das wohl gefasst? MEPHISTOPHELES singt:
Es war einmal ein König, BRANDER:
Vergesst nur nicht, dem Schneider einzuschärfen, MEPHISTOPHELES:
In Sammet und in Seide ALLE jauchzend:
Wir knicken und ersticken FROSCH: Bravo! Bravo! Das war schön! SIEBEL: So soll es jedem Floh ergehn! BRANDER: Spitzt die Finger und packt sie fein! ALTMAYER: Es lebe die Freiheit! Es lebe der Wein! MEPHISTOPHELES:
Ich tränke gern ein Glas, die Freiheit hoch zu ehren, SIEBEL: Wir mögen das nicht wieder hören! MEPHISTOPHELES:
Ich fürchte nur, der Wirt beschweret sich SIEBEL: Nur immer her! Ich nehm's auf mich. FROSCH:
Schafft Ihr ein gutes Glas, so wollen wir Euch loben. ALTMAYER leise: Sie sind vom Rheine, wie ich spüre. MEPHISTOPHELES: Schafft einen Bohrer an! BRANDER:
Was soll mit dem geschehn? ALTMAYER: Dahinten hat der Wirt ein Körbchen Werkzeug stehn. MEPHISTOPHELES nimmt den Bohrer; zu Frosch: Nun sagt, was wünschet Ihr zu schmecken? FROSCH: Wie meint Ihr das? Habt Ihr so mancherlei? MEPHISTOPHELES: Ich stell' es einem jeden frei. ALTMAYER zu Frosch: Aha! Du fängst schon an, die Lippen abzulecken. FROSCH:
Gut! Wenn ich wählen soll, so will ich Rheinwein haben. MEPHISTOPHELES indem er an dem Platz, wo Frosch sitzt, ein Loch in den Tischrand bohrt: Verschafft ein wenig Wachs, die Pfropfen gleich zu machen! ALTMAYER: Ach, das sind Taschenspielersachen. MEPHISTOPHELES zu Brander: Und Ihr? BRANDER: Ich will Champagner Wein, Und recht moussierend soll er sein! Mephistopheles bohrt; einer hat indessen die Wachspfropfen gemacht und verstopft die Löcher. BRANDER:
Man kann nicht stets das Fremde meiden, SIEBEL während sich Mephistopheles seinem Platz nähert:
Ich muss gestehn, den sauren mag ich nicht, MEPHISTOPHELES bohrt: Euch soll sogleich Tokayer fließen. ALTMAYER:
Nein, Herren, seht mir ins Gesicht! MEPHISTOPHELES:
Ei! Ei! Mit solchen edlen Gästen ALTMAYER: Mit jedem! Nur nicht lang gefragt. Nachdem die Löcher alle gebohrt und verstopft sind. MEPHISTOPHELES mit seltsamen Gebärden:
Trauben trägt der Weinstock! ALLE indem sie die Pfropfen ziehen und jedem der verlangte Wein ins Glas läuft: Oh schöner Brunnen, der uns fließt! MEPHISTOPHELES: Nur hütet euch, daß ihr mir nichts vergießt! Sie trinken wiederholt. ALLE singen:
Uns ist ganz kannibalisch wohl, MEPHISTOPHELES: Das Volk ist frei, seht an, wie wohl's ihm geht! FAUST: Ich hätte Lust, nun abzufahren. MEPHISTOPHELES:
Gib nur erst acht, die Bestialität Siebel trinkt unvorsichtig, der Wein fließt auf die Erde und wird zur Flamme. SIEBEL: Helft! Feuer! Helft! Die Hölle brennt! MEPHISTOPHELES die Flamme besprechend: Sei ruhig, freundlich Element! zu dem Gesellen: Für diesmal war es nur ein Tropfen Fegefeuer. SIEBEL:
Was soll das sein? Wart! Ihr bezahlt es teuer! FROSCH: Lass Er uns das zum zweiten Male bleiben! ALTMAYER: Ich dächt', wir hießen ihn ganz sachte seitwärts gehn. SIEBEL:
Was, Herr? Er will sich unterstehn, MEPHISTOPHELES: Still, altes Weinfass! SIEBEL: Besenstiel! Du willst uns gar noch grob begegnen? BRANDER: Wart' nur, es sollen Schläge regnen! Altmayer zieht einen Pfropf aus dem Tisch, es springt ihm Feuer entgegen. ALTMAYER: Ich brenne! Ich brenne! SIEBEL:
Zauberei! Sie ziehen die Messer und gehn auf Mephistopheles los. MEPHISTOPHELES mit ernsthafter Gebärde:
Falsch Gebild und Wort Sie stehen erstaunt und sehen einander an. ALTMAYER: Wo bin ich? Welches schöne Land! FROSCH: Weinberge! Seh' ich recht? SIEBEL: Und Trauben gleich zur Hand! BRANDER:
Hier unter diesem grünen Laube, Er fasst Siebel an der Nase. Die andern tun es wechselseitig und heben die Messer. MEPHISTOPHELES: wie oben
Irrtum, lass los der Augen Band! Er verschwindet mit Faust, die Gesellen fahren auseinander. SIEBEL: Was gibt's? ALTMAYER: Wie? FROSCH: War das deine Nase? BRANDER zu Siebel: Und deine hab' ich in der Hand! ALTMAYER:
Es war ein Schlag, der ging durch alle Glieder! FROSCH: Nein, sagt mir nur, was ist geschehn? SIEBEL:
Wo ist der Kerl? Wenn ich ihn spüre, ALTMAYER:
Ich hab' ihn selbst hinaus zur Kellertüre - sich nach dem Tische wendend: Mein! Sollte wohl der Wein noch fließen? SIEBEL: Betrug war alles, Lug und Schein. FROSCH: Mir deuchte doch, als tränk' ich Wein. BRANDER: Aber wie war es mit den Trauben? ALTMAYER: Nun sag' mir eins, man soll kein Wunder glauben! |
| Szenen |
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Auf einem niedrigen Herde steht ein großer Kessel
über dem Feuer. In dem Dampfe, der davon in die
Hohe steigt, zeigen sich verschiedene Gestalten.
Eine Meerkatze sitzt bei dem Kessel und schäumt
ihn, und sorgt, daß er nicht überläuft. Der
Meerkater mit den Jungen sitzt daneben und wärmt
sich. Wände und Decke sind mit dem seltsamsten
Hexenhausrat ausgeschmückt. Faust. Mephistopheles.
FAUST:
Mir widersteht das tolle Zauberwesen! MEPHISTOPHELES:
Mein Freund, nun sprichst du wieder klug FAUST: Ich will es wissen. MEPHISTOPHELES:
Gut! Ein Mittel, ohne Geld FAUST:
Das bin ich nicht gewöhnt, ich kann mich nicht bequemen, MEPHISTOPHELES: So muss denn doch die Hexe dran. FAUST:
Warum denn just das alte Weib! MEPHISTOPHELES:
Das wär' ein schöner Zeitvertreib! die Tiere erblickend:
Sieh, welch ein zierliches Geschlecht! zu den Tieren: Es scheint, die Frau ist nicht zu Hause? DIE TIERE:
Beim Schmause, MEPHISTOPHELES: Wie lange pflegt sie wohl zu schwärmen? DIE TIERE: So lange wir uns die Pfoten wärmen. MEPHISTOPHELES zu Faust: Wie findest du die zarten Tiere? FAUST: So abgeschmackt, als ich nur jemand sah! MEPHISTOPHELES:
Nein, ein Diskurs wie dieser da zu den Tieren:
So sagt mir doch, verfluchte Puppen, DIE TIERE: Wir kochen breite Bettelsuppen. MEPHISTOPHELES: Da habt ihr ein groß Publikum. DER KATER macht sich herbei und schmeichelt dem Mephistopheles:
Oh würfle nur gleich MEPHISTOPHELES:
Wie glücklich würde sich der Affe schätzen, Indessen haben die jungen Meerkätzchen mit einer großen Kugel gespielt und rollen sie hervor. DER KATER:
Das ist die Welt; MEPHISTOPHELES: Was soll das Sieb? DER KATER holt es herunter: Wärst du ein Dieb, Wollt' ich dich gleich erkennen. Er läuft zur Kätzin und lässt sie hindurch sehen.
Sieh durch das Sieb! MEPHISTOPHELES sich dem Feuer nähernd: Und dieser Topf? KATER UND KÄTZIN:
Der alberne Tropf! MEPHISTOPHELES: Unhöfliches Tier! DER KATER:
Den Wedel nimm hier Er nötigt den Mephistopheles zum Sitzen. FAUST welcher diese Zeit über vor einem Spiegel gestanden, sich ihm bald genähert, bald sich von ihm entfernt hat:
Was seh' ich? Welch ein himmlisch Bild MEPHISTOPHELES:
Natürlich, wenn ein Gott sich erst sechs Tage plagt,
Faust sieht immerfort in den Spiegel. MEPHISTOPHELES sich in dem Sessel dehnend und mit dem Wedel spielend, fährt fort zu sprechen.:
Hier sitz' ich wie der König auf dem Throne, Die Tiere welche bisher allerlei wunderliche Bewegungen durcheinander gemacht haben, bringen dem Mephistopheles mit großem Geschrei eine Krone. DIE TIERE:
Oh sei doch so gut, Sie gehen ungeschickt mit der Krone um und zerbrechen sie in zwei Stücke, mit welchen sie herumspringen.
Nun ist es geschehn! FAUST gegen den Spiegel: Weh mir! Ich werde schier verrückt. MEPHISTOPHELES auf die Tiere deutend: Nun fängt mir an fast selbst der Kopf zu schwanken. DIE TIERE:
Und wenn es uns glückt, FAUST wie oben:
Mein Busen fängt mir an zu brennen! MEPHISTOPHELES in obiger Stellung:
Nun, wenigstens muss man bekennen, Der Kessel, welchen die Kätzin bisher außer acht gelassen, fängt an, überzulaufen; es entsteht eine große Flamme, welche zum Schornstein hinausschlägt. Die Hexe kommt durch die Flamme mit entsetzlichem Geschrei heruntergefahren. DIE HEXE:
Au! Au! Au! Au! Faust und Mephistopheles erblickend:
Was ist das hier? Sie fährt mit dem Schaumlöffel in den Kessel und spritzt Flammen nach Faust, Mephistopheles und den Tieren. Die Tiere winseln. MEPHISTOPHELES welcher den Wedel, den er in der Hand hält, umkehrt und auf die Gläser und Töpfe schlägt:
Entzwei! entzwei! indem die Hexe voll Grimm und Entsetzen zurücktritt:
Erkennst du mich? Gerippe! Scheusal du! DIE HEXE:
Oh Herr, verzeiht den rohen Gruß! MEPHISTOPHELES:
Für diesmal kommst du so davon; DIE HEXE tanzend:
Sinn und Verstand verlier' ich schier, MEPHISTOPHELES: Den Namen, Weib, verbitt' ich mir! DIE HEXE: Warum? Was hat er Euch getan? MEPHISTOPHELES:
Er ist schon lang' ins Fabelbuch geschrieben; Er macht eine unanständige Gebärde. DIE HEXE lacht unmäßig:
Ha! Ha! Das ist in Eurer Art! MEPHISTOPHELES zu Faust:
Mein Freund, das lerne wohl verstehn! DIE HEXE: Nun sagt, ihr Herren, was ihr schafft. MEPHISTOPHELES:
Ein gutes Glas von dem bekannten Saft! DIE HEXE:
Gar gern! Hier hab' ich eine Flasche, leise:
Doch wenn es dieser Mann unvorbereitet trinkt, MEPHISTOPHELES:
Es ist ein guter Freund, dem es gedeihen soll; Die Hexe, mit seltsamen Gebärden, zieht einen Kreis und stellt wunderbare Sachen hinein; indessen fangen die Gläser an zu klingen, die Kessel zu tönen, und machen Musik. Zuletzt bringt sie ein großes Buch, stellt die Meerkatzen in den Kreis, die ihr zum Pult dienen und die Fackel halten müssen. Sie winkt Faust, zu ihr zu treten. FAUST zu Mephistopheles:
Nein, sage mir, was soll das werden? MEPHISTOPHELES:
Ei Possen! Das ist nur zum Lachen; Er nötigt Faust, in den Kreis zu treten. Die Hexe mit großer Emphase fängt an, aus dem Buche zu deklamieren. DIE HEXE:
Du musst verstehn! FAUST: Mich dünkt, die Alte spricht im Fieber. MEPHISTOPHELES:
Das ist noch lange nicht vorüber, DIE HEXE fährt fort:
Die hohe Kraft FAUST:
Was sagt sie uns für Unsinn vor? MEPHISTOPHELES:
Genug, genug, oh treffliche Sibylle! Die Hexe, mit vielen Zeremonien, schenkt den Trank in eine Schale; wie sie Faust an den Mund bringt, entsteht eine leichte Flamme. MEPHISTOPHELES:
Nur frisch hinunter! Immer zu! Die Hexe löst den Kreis. Faust tritt heraus. MEPHISTOPHELES: Nun frisch hinaus! Du darfst nicht ruhn. DIE HEXE: Mög' Euch das Schlückchen wohl behagen! MEPHISTOPHELES zur Hexe:
Und kann ich dir was zu Gefallen tun, DIE HEXE:
Hier ist ein Lied! Wenn Ihr's zuweilen singt, MEPHISTOPHELES zu Faust:
Komm nur geschwind und lass dich führen; FAUST:
Lass mich nur schnell noch in den Spiegel schauen! MEPHISTOPHELES:
Nein! Nein! Du sollst das Muster aller Frauen leise:
Du siehst, mit diesem Trank im Leibe, |
| Szenen |
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Faust. Margarete vorübergehend.
FAUST:
Mein schönes Fräulein, darf ich wagen, MARGARETE:
Bin weder Fräulein, weder schön, Sie macht sich los und geht weiter. FAUST:
Beim Himmel, dieses Kind ist schön! Mephistopheles tritt auf. FAUST: Hör, du musst mir die Dirne schaffen! MEPHISTOPHELES: Nun, welche? FAUST: Sie ging just vorbei. MEPHISTOPHELES:
Da die? Sie kam von ihrem Pfaffen, FAUST: Ist über vierzehn Jahr doch alt. MEPHISTOPHELES:
Du sprichst ja wie Hans Liederlich, FAUST:
Mein Herr Magister Lobesan, MEPHISTOPHELES:
Bedenkt, was gehn und stehen mag! FAUST:
Hätt' ich nur sieben Stunden Ruh', MEPHISTOPHELES:
Ihr sprecht schon fast wie ein Franzos; FAUST: Hab' Appetit auch ohne das. MEPHISTOPHELES:
Jetzt ohne Schimpf und ohne Spaß. FAUST:
Schaff mir etwas vom Engelsschatz! MEPHISTOPHELES:
Damit Ihr seht, daß ich Eurer Pein FAUST: Und soll sie sehn? Sie haben? MEPHISTOPHELES:
Nein! FAUST: Können wir hin? MEPHISTOPHELES: Es ist noch zu früh. FAUST: Sorg du mir für ein Geschenk für sie! Er geht. MEPHISTOPHELES:
Gleich schenken? Das ist brav! Da wird er reüssieren! Er geht. |
| Szenen |
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MARGARETE ihre Zöpfe flechtend und aufbindend:
Ich gäb' was drum, wenn ich nur wüsst', Sie geht. Mephistopheles. Faust. MEPHISTOPHELES: Herein, ganz leise, nur herein! FAUST nach einigem Stillschweigen: Ich bitte dich, lass mich allein! MEPHISTOPHELES herumspürend: Nicht jedes Mädchen hält so rein. Er geht. FAUST sich rings umschauend:
Willkommen, süßer Dämmerschein, Er wirft sich auf den ledernen Sessel am Bett.
Oh nimm mich auf, der du die Vorwelt schon Er hebt einen Bettvorhang auf.
Was fasst mich für ein Wonnegraus! MEPHISTOPHELES: Geschwind! ich seh' sie unten kommen. FAUST: Fort! Fort! Ich kehre nimmermehr! MEPHISTOPHELES:
Hier ist ein Kästchen leidlich schwer, FAUST: Ich weiß nicht, soll ich? MEPHISTOPHELES:
Fragt Ihr viel? Er stellt das Kästchen in den Schrank und drückt das Schloss wieder zu.
Nur fort! geschwind! -, Sie gehen. MARGARETE mit einer Lampe: Es ist so schwül, so dumpfig hie, Sie macht das Fenster auf.
Und ist doch eben so warm nicht drauß. Sie fängt an zu singen, indem sie sich auszieht.
Es war ein König in Thule
Es ging ihm nichts darüber,
Und als er kam zu sterben,
Er saß beim Königsmahle,
Dort stand der alte Zecher,
Er sah ihn stürzen, trinken Sie öffnet den Schrank, ihre Kleider einzuräumen, und erblickt das Schmuckkästchen.
Wie kommt das schöne Kästchen hier herein? Sie schmückt sich damit und tritt vor den Spiegel.
Wenn nur die Ohrring' meine wären! |
| Szenen |
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Faust in Gedanken auf und ab gehend. Zu ihm Mephistopheles.
MEPHISTOPHELES:
Bei aller verschmähten Liebe! Beim höllischen Elemente! FAUST:
Was hast? was kneift dich denn so sehr? MEPHISTOPHELES:
Ich möcht' mich gleich dem Teufel übergeben, FAUST:
Hat sich dir was im Kopf verschoben? MEPHISTOPHELES:
Denkt nur, den Schmuck, für Gretchen angeschafft, FAUST:
Das ist ein allgemeiner Brauch, MEPHISTOPHELES:
Strich drauf ein Spange, Kett' und Ring', FAUST: Und Gretchen? MEPHISTOPHELES:
Sitzt nun unruhvoll, FAUST:
Des Liebchens Kummer tut mir leid. MEPHISTOPHELES: Oh ja, dem Herrn ist alles Kinderspiel! FAUST:
Und mach, und richt's nach meinem Sinn! MEPHISTOPHELES: Ja, gnäd'ger Herr, von Herzen gerne. Faust geht. MEPHISTOPHELES:
So ein verliebter Tor verpufft Er geht. |
| Szenen |
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MARTHE allein:
Gott verzeih's meinem lieben Mann, Sie weint.
Vielleicht ist er gar tot! - Oh Pein! -- Margarete kommt. MARGARETE: Frau Marthe! MARTHE: Gretelchen, was gibt's? MARGARETE:
Fast sinken mir die Kniee nieder! MARTHE:
Das muss Sie nicht der Mutter sagen; MARGARETE: Ach seh' Sie nur! ach schau' Sie nur! MARTHE schmückt Gretchen damit: Oh du glücksel'ge Kreatur! MARGARETE:
Darf mich, leider, nicht auf der Gassen, MARTHE:
Komm du nur oft zu mir herüber, MARGARETE:
Wer konnte nur die beiden Kästchen bringen? Es klopft. Ach Gott! Mag das meine Mutter sein? MARTHE durch den Vorhang schauend: Es ist ein fremder Herr - Herein! Mephistopheles tritt auf. MEPHISTOPHELES:
Bin so frei, grad' hereinzutreten, Er tritt ehrerbietig vor Margarete zurück. Wollte nach Frau Marthe Schwerdtlein fragen! MARTHE: Ich bin's, was hat der Herr zu sagen? MEPHISTOPHELES leise zu ihr:
Ich kenne Sie jetzt, mir ist das genug; MARTHE laut:
Denk, Kind, um alles in der Welt! MARGARETE:
Ich bin ein armes junges Blut; MEPHISTOPHELES:
Ach, es ist nicht der Schmuck allein; MARTHE: Was bringt Er denn? Verlange sehr - MEPHISTOPHELES:
Ich wollt', ich hätt' eine frohere Mär! MARTHE:
Ist tot? Das treue Herz! Oh weh! MARGARETE: Ach, liebe Frau, verzweifelt nicht! MEPHISTOPHELES: So hört die traurige Geschicht'! MARGARETE:
Ich möchte drum mein' Tag' nicht lieben, MEPHISTOPHELES: Freud' muss Leid, Leid muss Freude haben. MARTHE: Erzählt mir seines Lebens Schluss! MEPHISTOPHELES:
Er liegt in Padua begraben MARTHE: Habt Ihr sonst nichts an mich zu bringen? MEPHISTOPHELES:
Ja, eine Bitte, groß und schwer; MARTHE:
Was! Nicht ein Schaustück? Kein Geschmeid'? MEPHISTOPHELES:
Madam, es tut mir herzlich leid; MARGARETE:
Ach! daß die Menschen so unglücklich sind! MEPHISTOPHELES:
Ihr wäret wert, gleich in die Eh' zu treten: MARGARETE: Ach nein, das geht jetzt noch nicht an. MEPHISTOPHELES:
Ist's nicht ein Mann, sei's derweil ein Galan. MARGARETE: Das ist des Landes nicht der Brauch. MEPHISTOPHELES: Brauch oder nicht! Es gibt sich auch. MARTHE: Erzählt mir doch! MEPHISTOPHELES:
Ich stand an seinem Sterbebette, MARTHE weinend: Der gute Mann! ich hab' ihm längst vergeben. MEPHISTOPHELES: 'Allein, weiß Gott, sie war mehr schuld als ich.' MARTHE: Das lügt er! Was! Am Rand des Grabs zu lügen! MEPHISTOPHELES:
Er fabelte gewiss in letzten Zügen, MARTHE:
Hat er so aller Treu', so aller Lieb' vergessen, MEPHISTOPHELES:
Nicht doch, er hat Euch herzlich dran gedacht. MARTHE: Ei wie? Ei wo? Hat er's vielleicht vergraben? MEPHISTOPHELES:
Wer weiß, wo nun es die vier Winde haben. MARTHE:
Der Schelm! der Dieb an seinen Kindern! MEPHISTOPHELES:
Ja seht! dafür ist er nun tot. MARTHE:
Ach Gott! wie doch mein erster war, MEPHISTOPHELES:
Nun, nun, so konnt' es gehn und stehen, MARTHE: Oh es beliebt dem Herrn, zu scherzen! MEPHISTOPHELES für sich:
Nun mach' ich mich beizeiten fort! zu Gretchen: Wie steht es denn mit Ihrem Herzen? MARGARETE: Was meint der Herr damit? MEPHISTOPHELES für sich: Du gut's, unschuldig's Kind! laut: Lebt wohl, ihr Fraun! MARGARETE: Lebt wohl! MARTHE:
Oh sagt mir doch geschwind! MEPHISTOPHELES:
Ja, gute Frau, durch zweier Zeugen Mund MARTHE: Oh tut das ja! MEPHISTOPHELES:
Und hier die Jungfrau ist auch da? - MARGARETE: Müsste vor dem Herren schamrot werden. MEPHISTOPHELES: Vor keinem Könige der Erden. MARTHE:
Da hinterm Haus in meinem Garten |
| Szenen |
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Faust. Mephistopheles.
FAUST: Wie ist's? Will's fördern? Will's bald gehn? MEPHISTOPHELES:
Ah bravo! Find' ich Euch in Feuer? FAUST: So recht! MEPHISTOPHELES: Doch wird auch was von uns begehrt. FAUST: Ein Dienst ist wohl des andern wert. MEPHISTOPHELES:
Wir legen nur ein gültig Zeugnis nieder, FAUST: Sehr klug! Wir werden erst die Reise machen müssen! MEPHISTOPHELES:
Sancta Simplicitas! darum ist's nicht zu tun. FAUST: Wenn Er nichts Bessers hat, so ist der Plan zerrissen. MEPHISTOPHELES:
Oh heil'ger Mann! Da wärt Ihr's nun! FAUST: Du bist und bleibst ein Lügner, ein Sophiste. MEPHISTOPHELES:
Ja, wenn man's nicht ein bisschen tiefer wüsste. FAUST: Und zwar von Herzen. MEPHISTOPHELES:
Gut und schön!
Dann wird von ewiger Treu' und Liebe, FAUST:
Lass das! Es wird! - Wenn ich empfinde, MEPHISTOPHELES: Ich hab' doch recht! FAUST:
Hör! Merk dir dies -
Ich bitte dich, und schone meine Lunge: |
| Szenen |
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Margarete an Faustens Arm; Marthe mit Mephistopheles auf und ab spazierend.
MARGARETE:
Ich fühl' es wohl, daß mich der Herr nur schont, FAUST:
Ein Blick von dir, ein Wort mehr unterhält Er küsst ihre Hand. MARGARETE:
Inkommodiert Euch nicht! Wie könnt Ihr sie nur küssen? Sie gehen vorüber. MARTHE: Und Ihr, mein Herr, Ihr reist so immer fort? MEPHISTOPHELES:
Ach, daß Gewerb' und Pflicht uns dazu treiben! MARTHE:
In raschen Jahren geht's wohl an, MEPHISTOPHELES: Mit Grausen seh' ich das von weiten. MARTHE: Drum, werter Herr, beratet Euch in Zeiten. Sie gehen vorüber. MARGARETE:
Ja, aus den Augen aus dem Sinn! FAUST:
Oh Beste! glaube, was man so verständig nennt, MARGARETE: Wie? FAUST:
Ach, daß die Einfalt, daß die Unschuld nie MARGARETE:
Denkt Ihr an mich ein Augenblickchen nur, FAUST: Ihr seid wohl viel allein? MARGARETE:
Ja, unsre Wirtschaft ist nur klein, FAUST: Ein Engel, wenn dir's glich. MARGARETE:
Ich zog es auf, und herzlich liebt' es mich. FAUST: Du hast gewiss das reinste Glück empfunden. MARGARETE:
Doch auch gewiss gar manche schwere Stunden. Sie gehen vorüber. MARTHE:
Die armen Weiber sind doch übel dran: MEPHISTOPHELES:
Es käme nur auf Euresgleichen an, MARTHE:
Sagt grad', mein Herr, habt Ihr noch nichts gefunden? MEPHISTOPHELES:
Das Sprichwort sagt: Ein eigner Herd, MARTHE: Ich meine, ob Ihr niemals Lust bekommen? MEPHISTOPHELES: Man hat mich überall recht höflich aufgenommen. MARTHE: Ich wollte sagen: ward's nie Ernst in Eurem Herzen? MEPHISTOPHELES: Mit Frauen soll man sich nie untersteht zu scherzen. MARTHE: Ach, Ihr versteht mich nicht! MEPHISTOPHELES:
Das tut mir herzlich leid! Sie gehen vorüber. FAUST:
Du kanntest mich, oh kleiner Engel, wieder, MARGARETE: Saht Ihr es nicht? Ich schlug die Augen nieder. FAUST:
Und du verzeihst die Freiheit, die ich nahm? MARGARETE:
Ich war bestürzt, mir war das nie geschehn FAUST: Süß Liebchen! MARGARETE: Lasst einmal! Sie pflückt eine Sternblume und zupft die Blätter ab, eins nach dem andern. FAUST: Was soll das? Einen Strauß? MARGARETE: Nein, es soll nur ein Spiel. FAUST: Wie? MARGARETE: Geht! Ihr lacht mich aus. Sie zupft und murmelt. FAUST: Was murmelst du? MARGARETE halb laut: Er liebt mich - liebt mich nicht. FAUST: Du holdes Himmelsangesicht! MARGARETE fährt fort: Liebt mich - Nicht - Liebt mich - Nicht- das letzte Blatt abzupfend, mit holder Freude: Er liebt mich! FAUST:
Ja, mein Kind! Lass dieses Blumenwort Er fasst ihre beiden Hände. MARGARETE: Mich überläuft's! FAUST:
Oh schaudre nicht! Lass diesen Blick, Margarete drückt ihm die Hände, macht sich los und läuft weg. Er steht einen Augenblick in Gedanken, dann folgt er ihr. MARTHE kommt: Die Nacht bricht an. MEPHISTOPHELES: Ja, und wir wollen fort. MARTHE:
Ich bät' Euch, länger hier zu bleiben, MEPHISTOPHELES:
Ist den Gang dort aufgeflogen. MARTHE: Er scheint ihr gewogen. MEPHISTOPHELES: Und sie ihm auch. Das ist der Lauf der Welt. |
| Szenen |
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Margarete springt herein, versteckt sich hinter der Tür, hält die Fingerspitze an die Lippen und guckt durch
die Ritze.
MARGARETE: Er kommt! FAUST kommt:
Ach Schelm, so neckst du mich! Er küsst sie. MARGARETE ihn fassend und den Kuss zurückgebend: Bester Mann! Von Herzen lieb' ich dich! Mephistopheles klopft an. FAUST aufstampfend: Wer da? MEPHISTOPHELES: Gut Freund! FAUST: Ein Tier! MEPHISTOPHELES: Es ist wohl Zeit zu scheiden. MARTHE kommt: Ja, es ist spät, mein Herr. FAUST: Darf ich Euch nicht geleiten? MARGARETE: Die Mutter würde mich ...! Lebt wohl! FAUST: Muss ich denn gehn? Lebt wohl! MARTHE: Ade! MARGARETE: Auf baldig Wiedersehn! Faust und Mephistopheles gehen. MARGARETE:
Du lieber Gott! was so ein Mann Sie geht. |
| Szenen |
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FAUST allein:
Erhabner Geist, du gabst mir, gabst mir alles, Mephistopheles tritt auf. MEPHISTOPHELES:
Habt Ihr nun bald das Leben gnug geführt? FAUST:
Ich wollt', du hättest mehr zu tun, MEPHISTOPHELES:
Nun, nun! ich lass' dich gerne ruhn, FAUST:
Das ist so just der rechte Ton! MEPHISTOPHELES:
Wie hättst du, armer Erdensohn, FAUST:
Verstehst du, was für neue Lebenskraft MEPHISTOPHELES:
Ein überirdisches Vergnügen! mit einer Gebärde: Ich darf nicht sagen, wie - zu schließen. FAUST: Pfui über dich! MEPHISTOPHELES:
Das will Euch nicht behagen; FAUST: Schlange! Schlange! MEPHISTOPHELES für sich: Gelt! Daß ich dich fange! FAUST:
Verruchter! hebe dich von hinnen, MEPHISTOPHELES:
Was soll es denn? Sie meint, du seist entflohn, FAUST:
Ich bin ihr nah, und wär' ich noch so fern, MEPHISTOPHELES:
Gar wohl, mein Freund! Ich hab' Euch oft beneidet FAUST: Entfliehe, Kuppler! MEPHISTOPHELES:
Schön! Ihr schimpft, und ich muss lachen. FAUST:
Was ist die Himmelsfreud' in ihren Armen? MEPHISTOPHELES:
Wie's wieder siedet, wieder glüht! |
| Szenen |
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GRETCHEN am Spinnrad allein:
Meine Ruh' ist hin,
Wo ich ihn nicht hab',
Mein armer Kopf
Meine Ruh' ist hin
Nach ihm nur schau' ich
Sein hoher Gang,
Und seiner Rede
Meine Ruh' ist hin,
Mein Busen drängt
Und küssen ihn, |
| Szenen |
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Margarete und Faust.
MARGARETE: Versprich mir, Heinrich! FAUST: Was ich kann! MARGARETE:
Nun sag, wie hast du's mit der Religion? FAUST:
Lass das, mein Kind! Du fühlst, ich bin dir gut; MARGARETE: Das ist nicht recht, man muss dran glauben! Faust: Muss man? MARGARETE:
Ach, wenn ich etwas auf dich könnte! FAUST: Ich ehre sie. MARGARETE:
Doch ohne Verlangen. FAUST:
Mein Liebchen, wer darf sagen: MARGARETE: So glaubst du nicht? FAUST:
Misshör mich nicht, du holdes Angesicht! MARGARETE:
Das ist alles recht schön und gut; FAUST:
Es sagen's allerorten MARGARETE:
Wenn man's so hört, möcht's leidlich scheinen, FAUST: Liebs Kind! MARGARETE:
Es tut mir lang schon weh, FAUST: Wieso? MARGARETE:
Der Mensch, den du da bei dir hast, FAUST: Liebe Puppe, fürcht ihn nicht! MARGARETE:
Seine Gegenwart bewegt mir das Blut. FAUST: Es muss auch solche Käuze geben. MARGARETE:
Wollte nicht mit seinesgleichen leben! FAUST: Du ahnungsvoller Engel du! MARGARETE:
Das übermannt mich so sehr, FAUST: Du hast nun die Antipathie! MARGARETE: Ich muss nun fort. FAUST:
Ach, kann ich nie MARGARETE:
Ach, wenn ich nur alleine schlief'! FAUST:
Du Engel, das hat keine Not. MARGARETE:
Was tu' ich nicht um deinetwillen? FAUST: Würd' ich sonst, Liebchen, dir es raten? MARGARETE:
Seh' ich dich, bester Mann, nur an, Sie geht. Mephistopheles tritt auf. MEPHISTOPHELES: Der Grasaff', ist er weg? FAUST: Hast wieder spioniert? MEPHISTOPHELES:
Ich hab's ausführlich wohl vernommen, FAUST:
Du Ungeheuer siehst nicht ein MEPHISTOPHELES:
Du übersinnlicher sinnlicher Freier, FAUST: Du Spottgeburt von Dreck und Feuer! MEPHISTOPHELES:
Und die Physiognomie versteht sie meisterlich: FAUST: Was geht dich's an? MEPHISTOPHELES: Hab' ich doch meine Freude dran! |
| Szenen |
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Gretchen und Lieschen mit Krügen.
LIESCHEN: Hast nichts von Bärbelchen gehört? GRETCHEN: Kein Wort. Ich komm' gar wenig unter Leute. LIESCHEN:
Gewiss, Sibylle sagt' mir's heute! GRETCHEN: Wieso? LIESCHEN:
Es stinkt! GRETCHEN: Ach! LIESCHEN:
So ist's ihr endlich recht ergangen. GRETCHEN: Das arme Ding! LIESCHEN:
Bedauerst sie noch gar! GRETCHEN: Er nimmt sie gewiss zu seiner Frau. LIESCHEN:
Er wär' ein Narr! Ein flinker Jung' GRETCHEN: Das ist nicht schön! LIESCHEN:
Kriegt sie ihn, soll's ihr übel gehn. Sie geht. GRETCHEN nach Hause gehend:
Wie konnt' ich sonst so tapfer schmälen, |
| Szenen |
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In der Mauerhöhle ein Andachtsbild der Mater dolorosa, Blumenkrüge davor.
GRETCHEN steckt frische Blumen in die Krüge:
Ach neige,
Das Schwert im Herzen,
Zum Vater blickst du,
Wer fühlet,
Wohin ich immer gehe,
Die Scherben vor meinem Fenster
Schien hell in meine Kammer
Hilf! Rette mich von Schmach und Tod! |
| Szenen |
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Straße vor Gretchens Türe. Valentin, Soldat, Gretchens Bruder.
VALENTIN:
Wenn ich so saß bei einem Gelag, Faust. Mephistopheles. FAUST:
Wie von dem Fenster dort der Sakristei MEPHISTOPHELES:
Und mir ist's wie dem Kätzlein schmächtig, FAUST:
Rückt wohl der Schatz indessen in die Höh', MEPHISTOPHELES:
Du kannst die Freude bald erleben, FAUST:
Nicht ein Geschmeide, nicht ein Ring, MEPHISTOPHELES:
Ich sah dabei wohl so ein Ding, FAUST:
So ist es recht! Mir tut es weh, MEPHISTOPHELES:
Es sollt' Euch eben nicht verdrießen, Er singt zur Zither.
Was machst du mir
Nehmt euch in acht! VALENTIN tritt vor:
Wen lockst du hier? beim Element! MEPHISTOPHELES: Die Zither ist entzwei! An der ist nichts zu halten. VALENTIN: Nun soll es an ein Schädelspalten! MEPHISTOPHELES zu Faust:
Herr Doktor, nicht gewichen! Frisch! VALENTIN: Pariere den! MEPHISTOPHELES: Warum denn nicht? VALENTIN: Auch den! MEPHISTOPHELES: Gewiss! VALENTIN:
Ich glaub', der Teufel ficht! MEPHISTOPHELES zu Faust: Stoß zu! VALENTIN fällt: Oh weh! MEPHISTOPHELES:
Nun ist der Lümmel zahm! MARTHE am Fenster: Heraus! Heraus! GRETCHEN am Fenster: Herbei ein Licht! MARTHE wie oben: Man schilt und rauft, man schreit und ficht. VOLK: Da liegt schon einer tot! MARTHE heraustretend: Die Mörder, sind sie denn entflohn? GRETCHEN heraustretend: Wer liegt hier? VOLK: Deiner Mutter Sohn. GRETCHEN: Allmächtiger! Welche Not! VALENTIN:
Ich sterbe! das ist bald gesagt Alle treten um ihn.
Mein Gretchen, sieh! du bist noch jung, GRETCHEN: Mein Bruder! Gott! Was soll mir das? VALENTIN:
Lass unsern Herr Gott aus dem Spaß. MARTHE:
Befehlt Eure Seele Gott zu Gnaden! VALENTIN:
Könnt' ich dir nur an den dürren Leib, GRETCHEN: Mein Bruder! Welche Höllenpein! VALENTIN:
Ich sage, lass die Tränen sein! Er stirbt. |
| Szenen |
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Altar, Orgel und Gesang. Gretchen unter vielem Volke. Böser Geist hinter Gretchen.
BÖSER GEIST:
Wie anders, Gretchen, war dir's, GRETCHEN:
Weh! Weh! CHOR:
Dies irae, dies illa Orgelton erklingt. BÖSER GEIST:
Grimm fasst dich! GRETCHEN:
Wär' ich hier weg! CHOR:
Judex ergo cum sedebit, GRETCHEN:
Mir wird so eng! BÖSER GEIST:
Verbirg dich! Sünd' und Schande CHOR:
Quid sum miser tunc dicturus? BÖSER GEIST:
Ihr Antlitz wenden CHOR: Quid sum miser tunc dicturus? GRETCHEN: Nachbarin! Euer Fläschchen! - Sie fällt in Ohnmacht. |
| Szenen |
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Harzgebirge. Gegend von Schierke und Elend. Faust und Mephistopheles.
MEPHISTOPHELES:
Verlangst du nicht nach einem Besenstiele? FAUST:
So lang' ich mich noch frisch auf meinen Beinen fühle, MEPHISTOPHELES:
Fürwahr, ich spüre nichts davon! IRRLICHT:
Aus Ehrfurcht, hoff' ich, soll es mir gelingen, MEPHISTOPHELES:
Ei! Ei! Er denkt's den Menschen nachzuahmen. IRRLICHT:
Ich merke wohl, Ihr seid der Herr vom Haus, Faust, Mephistopheles, Irrlicht im Wechselgesang:
In die Traum- und Zaubersphäre
Seh' die Bäume hinter Bäumen,
Durch die Steine, durch den Rasen
Uhu! Schuhu! Tönt es näher,
Aber sag' mir, ob wir stehen, MEPHISTOPHELES:
Fasse wacker meinen Zipfel! FAUST:
Wie seltsam glimmert durch die Gründe MEPHISTOPHELES:
Erleuchtet nicht zu diesem Feste FAUST:
Wie rast die Windsbraut durch die Luft! MEPHISTOPHELES:
Du musst des Felsens alte Rippen packen, HEXEN IM CHOR:
Die Hexen zu dem Brocken ziehn, STIMME:
Die alte Baubo kommt allein, CHOR:
So Ehre denn, wem Ehre gebührt! STIMME: Welchen Weg kommst du her? STIMME:
Übern Ilsenstein! STIMME:
Oh fahre zur Hölle! STIMME:
Mich hat sie geschunden, HEXEN IM CHOR:
Der Weg ist breit, der Weg ist lang, HEXENMEISTER. HALBER CHOR:
Wir schleichen wie die Schneck' im Haus, ANDERE HÄLFTE:
Wir nehmen das nicht so genau, STIMME von oben: Kommt mit, kommt mit, vom Felsensee! STIMMEN von unten:
Wir möchten gerne mit in die Höh'. BEIDE CHÖRE:
Es schweigt der Wind, es flieht der Stern STIMME von unten: Halte! Halte! STIMME von oben: Wer ruft da aus der Felsenspalte? STIMME von unten:
Nehmt mich mit! Nehmt mich mit! BEIDE CHÖRE:
Es trägt der Besen, trägt der Stock, HALBHEXE unten:
Ich tripple nach, so lange Zeit; CHOR DER HEXEN:
Die Salbe gibt den Hexen Mut, BEIDE CHÖRE:
Und wenn wir um den Gipfel ziehn, Sie lassen sich nieder. MEPHISTOPHELES:
Das drängt und stößt, das tuscht und klappert! FAUST in der Ferne: Hier! MEPHISTOPHELES:
Was! Dort schon hingerissen? FAUST:
Du Geist des Widerspruchs! Nur zu! Du magst mich führen MEPHISTOPHELES:
Da sieh nur, welche bunten Flammen! FAUST:
Doch droben möcht' ich lieber sein! MEPHISTOPHELES:
Doch manches Rätsel knüpft sich auch. FAUST:
Willst du dich nun, um uns hier einzuführen, MEPHISTOPHELES:
Zwar bin ich sehr gewohnt, inkognito zu gehn, zu einigen, die um verglimmende Kohlen sitzen:
Ihr alten Herrn, was macht ihr hier am Ende? GENERAL:
Wer mag auf Nationen trauen, MINISTER:
Jetzt ist man von dem Rechten allzu weit, PARVENUE:
Wir waren wahrlich auch nicht dumm, AUTOR:
Wer mag wohl überhaupt jetzt eine Schrift MEPHISTOPHELES der auf einmal sehr alt erscheint:
Zum jüngsten Tag fühl' ich das Volk gereift, TRÖDELHEXE:
Ihr Herren, geht nicht so vorbei! MEPHISTOPHELES:
Frau Muhme! Sie versteht mir schlecht die Zeiten. FAUST:
Daß ich mich nur nicht selbst vergesse! MEPHISTOPHELES:
Der ganze Strudel strebt nach oben; FAUST: Wer ist denn das? MEPHISTOPHELES:
Betrachte sie genau! FAUST: Wer? MEPHISTOPHELES:
Adams erste Frau. FAUST:
Da sitzen zwei, die Alte mit der Jungen; MEPHISTOPHELES:
Das hat nun heute keine Ruh. FAUST mit der Jungen tanzend:
Einst hatt' ich einen schönen Traum: DIE SCHÖNE:
Der Äpfelchen begehrt ihr sehr, MEPHISTOPHELES mit der Alten:
Einst hatt' ich einen wüsten Traum; DIE ALTE:
Ich biete meinen besten Gruß PROKTOPHANTASMIST:
Verfluchtes Volk! was untersteht ihr euch? DIE SCHÖNE tanzend: Was will denn der auf unser Ball? FAUST tanzend:
Ei, der ist eben überall. PROKTOPHANTASMIST:
Ihr seid noch immer da! Nein, das ist unerhört. DIE SCHÖNE: So hört doch auf, uns hier zu ennuyieren! PROKTOPHANTASMIST:
Ich sag's euch Geistern ins Gesicht, Es wird fortgetanzt.
Heut', seh' ich, will mir nichts gelingen; MEPHISTOPHELES:
Er wird sich gleich in eine Pfütze setzen, zu Faust, der aus dem Tanz getreten ist:
Was lässest du das schöne Mädchen fahren FAUST:
Ach! Mitten im Gesange sprang MEPHISTOPHELES:
Das ist was Rechts! Das nimmt man nicht genau; FAUST: Dann sah ich - MEPHISTOPHELES: Was? FAUST:
Mephisto, siehst du dort MEPHISTOPHELES:
Lass das nur stehn! Dabei wird's niemand wohl. FAUST:
Fürwahr, es sind die Augen einer Toten, MEPHISTOPHELES:
Das ist die Zauberei, du leicht verführter Tor! FAUST:
Welch eine Wonne! Welch ein Leiden! MEPHISTOPHELES:
Ganz recht! Ich seh' es ebenfalls. SERVIBILIS:
Gleich fängt man wieder an. MEPHISTOPHELES:
Wenn ich euch auf dem Blocksberg finde, |
| Szenen |
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Heute ruhen wir einmal, HEROLD:
Daß die Hochzeit golden sei, OBERON:
Seid ihr Geister, wo ich bin, PUCK:
Kommt der Puck und dreht sich quer ARIEL:
Ariel bewegt den Sang OBERON:
Gatten, die sich vertragen wollen, TITANIA:
Schmollt der Mann und grillt die Frau, ORCHESTER TUTTI Fortissimo:
Fliegenschnauz' und Mückennas' SOLO:
Seht, da kommt der Dudelsack! GEIST, DER SICH ERST BILDET:
Spinnenfuß und Krötenbauch EIN PÄRCHEN:
Kleiner Schritt und hoher Sprung NEUGIERIGER REISENDER:
Ist das nicht Maskeraden-Spott? ORTHODOX:
Keine Klauen, keinen Schwanz! NORDISCHER KÜNSTLER:
Was ich ergreife, das ist heut PURIST:
Ach! Mein Unglück führt mich her: JUNGE HEXE:
Der Puder ist so wie der Rock MATRONE:
Wir haben zu viel Lebensart, KAPELLMEISTER:
Fliegenschnauz und Mückennas, WINDFAHNE nach der einen Seite:
Gesellschaft wie man wünschen kann. WINDFAHNE nach der andern Seite:
Und tut sich nicht der Boden auf, XENIEN:
Als Insekten sind wir da, HENNINGS:
Seht, wie sie in gedrängter Schar MUSAGET:
Ich mag in diesem Hexenheer CI-DEVANT GENIUS DER ZEIT:
Mit rechten Leuten wird man was. NEUGIERIGER REISENDER:
Sagt, wie heißt der steife Mann? KRANICH:
In dem Klaren mag ich gern WELTKIND:
Ja für die Frommen, glaubet mir, TÄNZER:
Da kommt ja wohl ein neues Chor? TANZMEISTER:
Wie jeder doch die Beine lupft! FIEDLER:
Das hasst sich schwer, das Lumpenpack, DOGMATIKER:
Ich lasse mich nicht irre schrein, IDEALIST:
Die Phantasie in meinem Sinn REALIST:
Das Wesen ist mir recht zur Qual SUPERNATURALIST:
Mit viel Vergnügen bin ich da SKEPTIKER:
Sie gehn den Flämmchen auf der Spur, KAPELLMEISTER:
Frosch im Laub und Grill' im Gras, DIE GEWANDTEN:
Sanssouci, so heißt das Heer DIE UNBEHÜLFLICHEN:
Sonst haben wir manchen Bissen erschranzt, IRRLICHTER:
Von dem Sumpfe kommen wir, STERNSCHNUPPE:
Aus der Hohe schoss ich her DIE MASSIVEN:
Platz und Platz! Und ringsherum! PUCK:
Tretet nicht so mastig auf ARIEL:
Gab die liebende Natur, ORCHESTER Pianissimo:
Wolkenzug und Nebelflor |
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Faust und Mephistopheles.
FAUST: Im Elend! Verzweifelnd! Erbärmlich auf der Erde lange verirrt und nun gefangen! Als Missetäterin im Kerker zu entsetzlichen Qualen eingesperrt das holde unselige Geschöpf! Bis dahin! dahin! - Verräterischer, nichtswürdiger Geist, und das hast du mir verheimlicht! - Steh nur, steh! Wälze die teuflischen Augen ingrimmend im Kopf herum! Steh und trutze mir durch deine unerträgliche Gegenwart! Gefangen! Im unwiederbringlichen Elend! Bösen Geistern übergeben und der richtenden gefühllosen Menschheit! Und mich wiegst du indes in abgeschmackten Zerstreuungen, verbirgst mir ihren wachsenden Jammer und lässest sie hülflos verderben! MEPHISTOPHELES: Sie ist die Erste nicht. FAUST: Hund! Abscheuliches Untier! Wandle ihn, du unendlicher Geist! Wandle den Wurm wieder in seine Hundsgestalt, wie er sich oft nächtlicher Weile gefiel, vor mir herzutrotten, dem harmlosen Wandrer vor die Füße zu fallen und sich dem niederstürzenden auf die Schultern zu hängen. Wandel ihn wieder in seine Lieblingsbildung, daß er vor mir im Sand auf dem Bauch krieche, ich ihn mit Füßen trete, den Verworfnen! Die Erste nicht! Jammer! Jammer! Von keiner Menschenseele zu fassen, daß mehr als ein Geschöpf in die Tiefe dieses Elendes versank, daß nicht das erste genug tat für die Schuld aller übrigen in seiner windenden Todesnot vor den Augen des ewig Verzeihenden! Mir wühlt es Mark und Leben durch, das Elend dieser Einzigen; du grinsest gelassen über das Schicksal von Tausenden hin! MEPHISTOPHELES: Nun sind wir schon wieder an der Grenze unsres Witzes, da wo euch Menschen der Sinn überschnappt. Warum machst du Gemeinschaft mit uns, wenn du sie nicht durchführen kannst? Willst fliegen und bist vorm Schwindel nicht sicher? Drangen wir uns dir auf, oder du dich uns? FAUST: Fletsche deine gefräßigen Zähne mir nicht so entgegen! Mir ekelt's! Großer herrlicher Geist, der du mir zu erscheinen würdigtest, der du mein Herz kennest und meine Seele, warum an den Schandgesellen mich schmieden der sich am Schaden weidet und am Verderben sich letzt? MEPHISTOPHELES: Endigst du? FAUST: Rette sie! Oder weh dir! Den grässlichsten Fluch über dich auf Jahrtausende! MEPHISTOPHELES: Ich kann die Bande des Rächers nicht lösen, seine Riegel nicht öffnen. 'Rette sie!' Wer war's, der sie ins Verderben stürzte? Ich oder du? Faust blickt wild umher. MEPHISTOPHELES: Greifst du nach dem Donner? Wohl daß er euch elenden Sterblichen nicht gegeben werd! Den unschuldig Entgegnenden zu zerschmettern, das ist so Tyrannenart, sich in Verlegenheiten Luft zu machen. FAUST: Bringe mich hin! Sie soll frei sein! MEPHISTOPHELES: Und die Gefahr, der du dich aussetzest? Wisse, noch liegt auf der Stadt Blutschuld von deiner Hand. Über des Erschlagenen Stätte schweben rächende Geister und lauern auf den wiederkehrenden Mörder. FAUST: Noch das von dir? Mord und Tod einer Welt über dich Ungeheuer! Führe mich hin, sag' ich, und befrei' sie! MEPHISTOPHELES: Ich führe dich, und was ich tun kann höre! Habe ich alle Macht im Himmel und auf Erden? Des Wächters Sinne will ich umnebeln, bemächtige dich der Schlüssel und führe sie heraus mit Menschenhand! Ich wache! Die Zauberpferde sind bereit, ich entführe euch. Das vermag ich. FAUST: Auf und davon! |
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Faust und Mephistopheles, auf schwarzen Pferden daherbrausend.
FAUST: Was weben die dort um den Rabenstein? MEPHISTOPHELES: Weiß nicht, was sie kochen und schaffen. FAUST: Schweben auf, schweben ab, neigen sich, beugen sich. MEPHISTOPHELES: Eine Hexenzunft. FAUST: Sie streuen und weihen. MEPHISTOPHELES: Vorbei! Vorbei! |
| Szenen |
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FAUST mit einem Bund Schlüssel und einer Lampe, vor einem eisernen Türchen:
Mich fasst ein längst entwohnter Schauer, Er ergreift das Schloss. Jemand singt drinnen:
Meine Mutter, die Hur', FAUST aufschließend:
Sie ahnet nicht, daß der Geliebte lauscht, Er tritt ein. MARGARETE sich auf dem Lager verbergend: Weh! Weh! Sie kommen. Bittrer Tod! FAUST leise: Still! Still! Ich komme, dich zu befreien. MARGARETE sich vor ihn hinwälzend: Bist du ein Mensch, so fühle meine Not. FAUST: Du wirst die Wächter aus dem Schlafe schreien! Er fasst die Ketten, sie aufzuschließen. MARGARETE auf den Knieen:
Wer hat dir, Henker, diese Macht Sie steht auf.
Bin ich doch noch so jung, so jung! FAUST: Werd' ich den Jammer überstehen! MARGARETE:
Ich bin nun ganz in deiner Macht. FAUST wirft sich nieder:
Ein Liebender liegt dir zu Füßen, MARGARETE wirft sich zu ihm:
Oh lass uns knien, die Heil'gen anzurufen! FAUST laut: Gretchen! Gretchen! MARGARETE aufmerksam: Das war des Freundes Stimme! Sie springt auf. Die Ketten fallen ab.
Wo ist er? Ich hab' ihn rufen hören. FAUST: Ich bin's! MARGARETE: Du bist's! Oh sag es noch einmal ihn fassend:
Er ist's! Er ist's! Wohin ist alle Qual? FAUST fortstrebend: Komm mit! Komm mit! MARGARETE ihn liebkosend:
Oh weile! FAUST:
Eile! MARGARETE:
Wie? du kannst nicht mehr küssen? Sie umfasst ihn.
Oh weh! deine Lippen sind kalt, Sie wendet sich von ihm ab. FAUST:
Komm! Folge mir! Liebchen, fasse Mut! MARGARETE zu ihm gewendet: Und bist du's denn? Und bist du's auch gewiss? FAUST: Ich bin's! Komm mit! MARGARETE:
Du machst die Fesseln los, FAUST: Komm! komm! schon weicht die tiefe Nacht. MARGARETE:
Meine Mutter hab' ich umgebracht, FAUST:
Lass das Vergangne vergangen sein, MARGARETE:
Nein, du musst übrigbleiben! FAUST: Fühlst du, daß ich es bin, so komm! MARGARETE: Da hinaus? FAUST: Ins Freie. MARGARETE:
Ist das Grab drauß, FAUST: Du kannst! So wolle nur! Die Tür steht offen. MARGARETE:
Ich darf nicht fort; für mich ist nichts zu hoffen. FAUST: Ich bleibe bei dir. MARGARETE:
Geschwind! Geschwind! FAUST:
Besinne dich doch! MARGARETE:
Wären wir nur den Berg vorbei! FAUST:
Hilft hier kein Flehen, hilft kein Sagen, MARGARETE:
Lass mich! Nein, ich leide keine Gewalt! FAUST: Der Tag graut! Liebchen! Liebchen! MARGARETE:
Tag! Ja es wird Tag! Der letzte Tag dringt herein; FAUST: Oh wär' ich nie geboren! MEPHISTOPHELES erscheint draußen:
Auf! Oder ihr seid verloren. MARGARETE:
Was steigt aus dem Boden herauf? FAUST: Du sollst leben! MARGARETE: Gericht Gottes! Dir hab' ich mich übergeben! MEPHISTOPHELES zu Faust: Komm! komm! Ich lasse dich mit ihr im Stich. MARGARETE:
Dein bin ich, Vater! Rette mich! MEPHISTOPHELES: Sie ist gerichtet! STIMME von oben: Ist gerettet! MEPHISTOPHELES zu Faust: Her zu mir! Er verschwindet mit Faust. STIMME von innen, verhallend: Heinrich! Heinrich!
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| Szenen | Gothaer Digitale Ausgabe |